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Dahme-Spreewald Königs Wusterhausen: Mit wenig zurechtkommen – Jasmin Vogt meistert den Alltag mit zwei Kindern
Lokales Dahme-Spreewald

Dahme-Spreewald: Sterntaler-Aktion mit Familie Vogt aus Niederlehme

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19:57 10.12.2021
Jasmin Vogt mit ihren Söhnen Jethro Wyatt (.l) und Jack-Ryan.
Jasmin Vogt mit ihren Söhnen Jethro Wyatt (.l) und Jack-Ryan. Quelle: Frank Pawlowski
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Königs Wusterhausen

Die Kinder waren schon etwas aufgeregt. Und die Mama war es auch. Doch beim Besuch für die Sterntaler-Aktion der MAZ war davon nichts mehr zu merken. Jasmin Vogt und ihre beiden Kinder Jethro Wyatt, sieben Jahre alt, und Jack-Ryan, elf, öffnen fröhlich die Tür und bitten den Gast herein ihn ihr kleines Reich. Die Familie lebt in einer Dreizimmerwohnung in Niederlehme.

Im Wohnzimmer lugt Katze Lilly neugierig hinter dem Fernseher hervor, der auf einer Kommode steht. „Ihr Lieblingsplatz“, sagt Jasmin Vogt. Sie wundert sich selbst darüber, denn die Oberfläche ist sehr glatt und alles andere als kuschelig. Aber Lilly hat sich die Ecke nun einmal ausgesucht.

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Mit der vorweihnachtlichen Sterntaler-Aktion erfüllt die MAZ Wünsche von Familien, die wenig Geld zur Verfügung haben. Sie werden vorgeschlagen von Vereinen und Einrichtungen. Die Vogts aus Niederlehme wurden vom Alleinerziehendenverband Shia für die Aktion ausgewählt.

Jasmin Vogt kümmert sich alleine um ihre Kinder

Die 32 Jahre alte Jasmin Vogt kümmert sich alleine um die Kinder, die sie nach ihren Filmhelden benannt hat. Der Vater der Kinder verließ die Familie frühzeitig. Eine Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau musste sie abbrechen, seither ist sie zu Hause. Das hatte auch mit Schicksalsschlägen zu tun. Im Alter von vier Jahren wurde bei Jack-Ryan eine geistige Behinderung festgestellt. „Das war das schwerste Jahr“, sagt Jasmin Vogt rückblickend. „Es kam alles auf einmal.“ Der jüngste Sohn kam sechs Wochen zu früh zur Welt und musste um sein Leben kämpfen. Nach einem langen Krankenhausaufenthalt pflegte ihn die Mama monatelang zu Hause gesund. Aus ihm ist ein agiler Jung geworden. Der Große ist auf dem Stand eines Fünfjährigen. „Leider bessert sich das nicht“, sagt die Mutter. Er besucht eine Förderschule.

Der Wunschzettel der Kinder. Quelle: Frank Pawlowski

Wenn Jasmin Vogt erzählt, klingt sie nicht verbittert oder gar mutlos. Im Gegenteil, sie wirkt wie jemand, der aus schier ausweglosen Situationen noch das Beste macht. Ein klagendes Wort ist im Gespräch von ihr nicht zu hören. Statt dessen sagt sie das auf die Frage, wie sie das alles schafft: „Klar falle ich auch mal und weine. Aber ich stehe wieder auf und setze mir mein Krönchen auf. Ich gebe nicht auf.“

Sie ist oft mit den Jungs draußen, so will sie bei ihnen die Lust auf die Natur wecken. Bei langen Spaziergängen bekommt sie dabei gleich den Kopf frei, berichtet sie. Sie malt Acrylbilder, liest gerne und viel, vor allem Krimis. Sebastian Fitzek ist ihr Lieblingsautor. „Das ist mein Ausgleich.“

Das Geld ist knapp, aber die Familie kommt zurecht

Das Geld ist knapp, aber die Familie kommt zurecht. „Ich bin sehr sparsam“, sagt Jasmin Voigt. Das lebt sie ihren Jungs vor. Sie haben gelernt, genügsam zu sein, ohne das Gefühl zu haben, auf etwas verzichten zu müssen. „Egal was sie bekommen, sie freuen sich darüber.“ Die Wohnung ist spartanisch eingerichtet. Vor zwei Jahren begann Jasmin Vogt mit der Renovierung. Sobald sie genügend Geld zusammengespart hat, macht sie weiter. Flur und Schlafzimmer sind fertig. Im Wohnzimmer verlegte sie gerade einen neuen Teppich. Im nächsten Jahr ist das Kinderzimmer an der Reihe.

Arbeit nur in Teilzeit möglich

Sie würde gerne arbeiten gehen. Teilzeit oder eine Muttischicht kommen für sie nur in Frage. Die Großeltern kann sie für die Kinderbetreuung aus beruflichen und gesundheitlichen Gründen nicht einspannen. „Ich bin dankbar, wenn sie mich mal zum Kinderarzt fahren. Mehr kann ich nicht verlangen.“

Jasmin Vogt würde gerne Senioren betreuen, aber Stellen in der näheren Umgebung gibt es derzeit kaum, erzählt sie. Ein Jahr lang arbeitete sie in einer Bäckerei. Als die Kinder wegen Corona nicht zur Schule konnten, musste sie wieder daheim bleiben.

Autos und Kuschelhund: Der Wunschzettel der Kinder

Ihren Wunschzettel für die Sterntaler-Aktion haben die Jungs schon vorbereitet. Auf einem Blatt Papier hat jeder Bilder aus Prospekten aufgeklebt mit den Sachen, die er gerne haben möchte. Spielzeugautos, ein Ponyanhänger, eine Spielekonsole und ein Kuschelhund, der laufen kann, sind dabei, außerdem ein Planetarium für Zuhause. Jethro Wyatt erklärt alles ganz genau. Dann nimmt die Mama ihn sacht beiseite und sagt: „Aber ihr wisst, nicht alle Wünsche können in Erfüllung gehen. Man muss dankbar sein für das, was man bekommt.“ Er nickt.

Jasmin Vogt sollte sich im Vorfeld ebenfalls etwas überlegen. Auf die Frage findet sie im Gespräch immer noch keine Antwort. Zuvor erzählte sie, dass sie sich bessere Hilfsangebote für Eltern mit geistig behinderten Kindern wünscht, und eine Selbsthilfegruppe für diese Eltern, damit sie sich austauschen können. Der Shia-Verband hat den Vorschlag schon aufgegriffen, erzählt sie. Jasmin Vogt hofft, dass sich interessierte Eltern dort melden. Sie ist überzeugt, dass es noch mehr Mütter und Väter gibt, die dieses Bedürfnis haben.

Die Familie braucht eine neue Küche

Einen persönlichen Wunsch lässt sie sich nicht entlocken. „Ich denke nicht an mich“, sagt sie. „Das einzige, was mir einfallen würde, ist eine neue Küche.“ Die betagte Küche fällt schon auseinander, im Herd funktionieren nur noch zwei Felder, die Arbeitsplatten sind kaputt. Jasmin Vogt spart deshalb schon, aber es ist ein großer Brocken. „Das ist als letztes geplant“, sagt sie.

Von Frank Pawlowski