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Dahme-Spreewald Wo der Süden boomt – und wo er schwächelt
Lokales Dahme-Spreewald Wo der Süden boomt – und wo er schwächelt
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16:56 16.01.2020
In Zernsdorf, einem Ortsteil von Königs Wusterhausen, entsteht das Wohngebiet Königspark. Quelle: Oliver Fischer
Dahmeland-Fläming

Das Wachstum in den Landkreisen Dahme-Spreewald und Teltow-Fläming hat sich 2019 unvermindert fortgesetzt. Das geht aus einer Abfrage aller Meldeämter hervor. Die Einwohnerzahl von Teltow-Fläming ist demnach im vorigen Jahr um rund 1500 Menschen gestiegen. In Dahme-Spreewald sind 1700 Einwohner hinzugekommen.

Wachstumsmotoren sind dabei weiter die Gemeinden im Norden – und dort vor allem jene, in denen konzertiert ganze Wohngebiete entwickelt werden. Allen voran Schönefeld, wo seit 2017 mit Schönefeld-Nord ein ganzer Stadtteil hochgezogen wird.

Schönefeld landesweit konkurrenzlos

In vorigen Jahr hat etwa der Bauträger Bonava dort zahlreiche Wohnblöcke fertiggestellt, auch an den mehr als 300 Wohnungen der Fontane-Höfe wurden die meisten Arbeiten abgeschlossen. Zahlreiche weitere Mehrstöcker sind derzeit im Bau. Mit den fünf Prozent Einwohnerwachstum in 2019 dürfte die Gemeinde landesweit bereits konkurrenzlos sein – in der Gemeinde geht man aber für die kommenden Jahre noch von deutlich höheren Raten aus.

Aber auch in anderen Kommunen wird die Einwohnerzahl fast schon konzertiert nach oben getrieben. In Ludwigsfelde etwa beschleunigt der neue Stadtteil Ludwigsdorf ein Wachstum, das in absoluten Zahlen dem von Schönefeld ähnelt. Auch Zossen hat dank der immer weiter sanierten Waldstadt um rund 600 Einwohner zugelegt, und in Schulzendorf, wo sich zwei Bauträger die Wohngebiete Ritterschlag und Ritterfleck teilen, sind ebenfalls mehr als 200 Einwohner hinzugekommen, was für die bislang eher beschauliche Siedlungggemeinde bemerkenswert ist. „Das wird auch in den nächsten drei bis vier Jahren so weitergehen“, sagt Bürgermeister Markus Mücke. Knapp 8500 Einwohner hat Schulzendorf aktuell, mit 10.000 müsse man in den nächsten Jahren mindestes kalkulieren.

Grundstücke verteuern sich im Norden

Allein diese vier Gemeinden machen zwei Drittel des gesamten Wachstums in den beiden Landkreisen aus. Es lassen sich aber auch noch weitere Trends feststellen.

Die Kommunen im direkten Berliner Umland müssen nach wie vor fast ausnahmslos mit starkem Zuzug umgehen – was die üblichen Folgen hat. „Der Siedlungsdruck führt zu einer dramatischen Verteuerung der Grundstücke“, stellt etwa Trebbins Bürgermeister Thomas Berger (CDU) fest. Dass Millionen in Kitas und Schulen fließen müssen, ist für berlinnahe Gemeinden wie seine inzwischen fast obligatorisch, genauso wie die politischen Diskussionen darüber, wo ein gesundes Wachstum eigentlich seine Grenzen hat.

Süden wächst weit moderater

Die südlichen Städte und Gemeinden wie Luckenwalde, Jüterbog oder Lübben wachsen im Vergleich dazu deutlich moderater – aber sie wachsen und profitieren damit ebenfalls vom Berliner Siedlungsdruck, sofern sie eine direkte Bahnanbindung haben.

Die Bevölkerungsentwicklung der vergangenen fünf Jahre

Bevölkerungsentwicklung der vergangenen fünf Jahre: Das sind die größten Gewinner und Verlierer:

Schönefeld: +14,9 Prozent

Zossen: +11,3 Prozent

Bestensee: +9,3 Prozent

Schulzendorf: +7,6 Prozent

Ludwigsfelde: +7,2 Prozent

Blankenfelde-Mahlow: +6,6 Prozent

Unterspreewald: -1,3 Prozent

Märkische Heide: -1,6 Prozent

Nuthe-Urstromtal: -1,9 Prozent

Amt Lieberose/Oberspreewald: -2,2 Prozent

Heideblick: -3 Prozent

Amt Dahme: -4 Prozent

Und dann gibt es die abgelegenen ländlichen Regionen, in denen von Wachstum nichts zu spüren ist. Dazu gehört das chronisch schrumpfende Amt Dahme, die Gemeinde Heideblick und auch die Gemeinde Nuthe-Urstromtal.

Schrumpfende Orte müssen auch investieren

Dass die Entwicklung dort seit Jahren leicht rückläufig ist, liegt laut Bürgermeister Stefan Scheddin (parteilos) allerdings nicht daran, dass die weitläufige Gemeinde unbeliebt wäre. Die Nachfrage sei groß, sagt Scheddin. „Wenn Baugrundstücke oder Häuser auf dem Markt sind, dann werden sie sofort gekauft.“ Deshalb sei man auch bestrebt, neue Baugebiete auszuweisen, damit sich mehr junge Familien in den 23 Ortsteilen niederlassen. „Aber wir dürfen keine neuen Baufelder ausweisen, wir werden von der Landesplanung ausgebremst.“

Die Folgen sehen auf dem Papier dramatisch aus: Trotz wirtschaftlichen Aufschwungs und anhaltendem Zuzugsboom hat die Gemeinde in den vergangenen fünf Jahren 1,9 Prozent ihrer Einwohnerschaft verloren. Trotzdem aber muss die Gemeinde in Kinder- und Jugendeinrichtungen investieren. Demnächst soll die Kita in Hennickendorf für 1,6 Millionen Euro vergrößert werden, die Schule in Stülpe platze aus allen Nähten, man habe auch schon die zugehörige Turnhalle saniert, sagt Scheddin. Es ist ein Effekt, den man derzeit aller Orten beobachten kann: Die Einwohnerschaft verjüngt sich – was auch ohne Wachstum den Druck auf Schulen und Kitas erhöht.

Wieder zahlreiche Wohnungen genehmigt

Dafür, dass sich an dieser Entwicklung etwas ändern wird, gibt es derzeit keine Anzeichen. Baugenehmigungen werden in beiden Landkreisen nach wie vor auf hohem Niveau erteilt. Dahme-Spreewald hat mit 1991 genehmigten Wohneinheiten im vergangenen Jahr erneut die landesweite Spitzenposition inne. Im Jahr davor wurden 2142 Wohneinheiten genehmigt, von denen bislang nur die wenigsten gebaut sind.

Als Schwerpunktorte für neue Wohnungen nennt der Landkreis neben Schönefeld und Schulzendorf auch die Gemeinden Bestensee, Zeuthen, Wildau und Königs Wusterhausen. In diesem Jahr soll zudem der BER eröffnet werden, Tesla plant die Inbetriebnahme seines neuen Werkes im benachbarten Grünheide im Sommer 2021. Die Menschen, die dort arbeiten, müssen alle irgendwo wohnen. Das Wachstum dürfte sich damit auch in diesem Jahr fortsetzen – vor allem im Norden.

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Von Oliver Fischer

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