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Lokales Dahme-Spreewald Den Sternen so nah
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11:02 17.02.2014
Ein Erinnerungsfoto der mitreisenden Lehrer aus Deutschland: Die Forschungsmaschine Sofia kurz nach der Landung auf dem Airforce-Stützpunkt in Palmdale. Wegen technischer Schwierigkeiten konnte die Crew den zweiten geplanten Flug nicht antreten.
Ein Erinnerungsfoto der mitreisenden Lehrer aus Deutschland: Die Forschungsmaschine Sofia kurz nach der Landung auf dem Airforce-Stützpunkt in Palmdale. Wegen technischer Schwierigkeiten konnte die Crew den zweiten geplanten Flug nicht antreten. Quelle: privat
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Tagelang kämpfte Uwe Schierhorn noch mit dem Jetlag. Vor einer Woche ist der Mittenwalder aus Kalifornien zurückgekehrt – dort hat er sein wohl größtes Abenteuer erlebt. Er durfte mit einer Forschungsmaschine der Nasa und des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt abheben und einen ungewöhnlichen Blick ins All erhaschen.

In den schlaflosen Momenten, die ihm die neun Stunden Zeitverschiebung zwischen den USA und Mittenwalde bescheren, bastelt Uwe Schierhorn nun an einer Präsentation über seine Reise. Weit mehr als 2000 Fotos lagern auf seinem Computer, dazu noch gigabyteweise Videomaterial. Annähernd 100 Seiten umfasst die Präsentation bereits. „Die muss noch abspecken“, weiß Uwe Schierhorn und lacht. Das Aussortieren von Bildern und Informationen über seine Sofia-Mission fällt allerdings schwer. Zu eindrucksvoll waren Uwe Schierhorns Erfahrungen in der Stratosphäre.

Der Mittenwalder Uwe Schierhorn ist mit einem Flugzeug im Auftrag der NASA auf Erkundungsreise gegangen. In der MAZ berichtet er über seinen wissenschaftlichen Flug. Außerdem hat er ziemlich viele Fotos mitgebracht. Die schönsten zeigen wir in der Bildergalerie.

Einer der ersten Höhepunkte seiner Reise zum Nasa-Airforce-Stützpunkt im kalifornischen Palmdale war die Aushändigung seiner Missionsjacke. Strahlend blau, mit Nasa- und Sofia-Aufnähern versehen. „Wir waren ein richtiger Teil des Teams“, erzählt Uwe Schierhorn. Rund 25 Leute bestiegen mit ihm das Forschungsflugzeug – darunter Astronomen, IT-Fachleute, Techniker, ein Kameramann, Piloten und drei weitere Lehrer aus Deutschland, die den Wissenschaftlern über die Schulter sehen durften. Ebenfalls an Bord war das hoch technisierte Infrarot-Teleskop, mit dem die Forscher das Universum untersuchen.

Ein deutsch-amerikanisches Projekt

Der Name Sofia steht für das Stratosphären-Observatorium für Infrarot-Astronomie. Es ist ein Gemeinschaftsprojekt des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) und der National Aeronautics and Space Administration (Nasa)
Das Projekt wird mit Mitteln des Bundesministeriums für Wissenschaft und Technologie, des Landes Baden-Württemberg und der Universität Stuttgart finanziert.

Die Technik des Forschungsfliegers stammt teilweise aus Deutschland. Das Deutsche Sofia-Institut an der Universität Stuttgart hat zum Beispiel das Infrarot-Teleskop für das fliegende Observatorium entwickelt und gebaut.
Zu dem Projekt gehört auch ein Bildungsprogramm, bei dem Lehrer aus beiden Nationen an Forschungsflügen teilnehmen können. Erstmals durfte ein Lehrer im Jahr 2011 mit an Bord des Sofia-Flugzeugs.

Die Fotos, die Uwe Schierhorn vom Inneren der Maschine geschossen hat, zeigen vor allem Monitore, Kabel und jede Menge Spezialtechnik. In der einstigen ersten Klasse der umgebauten Boeing 747 durfte auch der Mathelehrer aus Mittenwalde Platz nehmen. An einem eigenen Rechner konnte er mit seinen Kollegen die Informationen, die durch das Teleskop und die Fluginstrumente gesammelt wurden, verfolgen. Hauptsächlich nimmt die Wissenschaftler-Crew an Bord der Sofia Messungen vor, um die Entstehung von Sternen und des Universums zu hinterfragen. „Die Ergebnisse, die wir auf unserem Flug gesammelt haben, werden in den kommenden Wochen und Monaten ausgewertet“, erklärt Uwe Schierhorn.
Eine große Herausforderung war für den 47-Jährigen die Kommunikation an Bord – schließlich wurde viel Wissenschafts-Englisch gesprochen. „Da war man sehr froh, wenn einem alles noch einmal auf Deutsch erklärt wurde“, sagt Schierhorn. Neun Stunden und 57 Minuten dauerte der nächtliche Forschungsflug, bei dem die Maschine 14 Kilometer über dem Erdboden schwebte. Bis nach Kanada flog die Besatzung in dieser Zeit. Das Teleskop wurde dabei auf Galaxien, Stern-Entstehungsgebiet sowie die Planeten Jupiter und Mars gerichtet.

Die Sofia ist seit mehr als 35 Jahren im Einsatz

Dort, wo heute Wissenschaftler, Techniker und Lehrer mit Instrumenten und Messgeräten arbeiten, wurde früher erstklassig gereist. Die Forschungsmaschine Sofia beförderte einst Passagiere zwischen den Vereinigten Staaten und Südafrika. Gebaut wurde die Boeing 747 im Jahr 1977, ab 1979 schickte die US-Fluggesellschaft Pan Am ihre Passagiere mit der Maschine über den Pazifik.

Nach zwei Jahrzehnten im Dienst des Flugverkehrs begann ein neuer Lebensabschnitt für den Flieger: 1999 wurde er nach Texas überführt und im Sinne der Luft- und Raumfahrt umgerüstet. Heute trägt die Boeing ein 20 Tonnen schweres Infrarot-Teleskop, das bei offenem Heck in die Tiefen des Weltalls blicken kann. Dabei war die Maschine schon von Anbeginn eine Sonderanfertigung. Denn sie ist kürzer als eine übliche Boeing 747. Dadurch schafften es die Konstrukteure, dass der Flieger höher und schneller unterwegs sein konnte als übliche Passagiermaschinen.

Eigenschaften, die diese Boeing zum perfekten Ort für die Forschung machen. So können die Wissenschaftler mit der Sofia-Maschine weit über die Luftschichten hinwegfliegen, in denen Wasserdampf vorkommt. In der sogenannten Stratosphäre können die Astronomen Infrarotstrahlung untersuchen, die auf der Erde überhaupt nicht gemessen werden kann. „Diese Maschine ist ein fliegender Oldtimer“, sagt Uwe Schierhorn, der kürzlich mit an Bord der Sofia gehen durfte. Bei knackigen 54 Grad minus Außentemperatur flog er dabei in rund 14 Kilometern Höhe in der Stratosphäre.

Von der Crew hat er dabei viel Wissenswertes über das Flugzeug erfahren. Zum Beispiel, dass für die in die Jahre gekommene Maschine gar keine Ersatzteile mehr hergestellt werden. Grund zur Sorge besteht aber nicht, denn für den Forschungsflieger werden passende Triebwerke, Ersatzteile und andere technische Bauteile gelagert oder von ausgemusterten Maschinen verwendet. n

In den frühen Morgenstunden nahm Sofia dann wieder Kurs auf den Nasa-Stützpunkt. Uwe Schierhorn durfte bei der Landung sogar hinter dem Piloten im Cockpit Platz nehmen. „So eine butterweiche Landung habe ich noch nie erlebt“, schwärmt er. Als er aus dem Flugzeug trat, war er überwältigt von seiner Reise und voller Vorfreude auf die nächste Nacht. Ein weiterer Flug stand auf dem Programm und ein Blick auf einen sterbenden Stern, eine sogenannte Supernova.
Aber daraus wurde nichts, berichtet Uwe Schierhorn mit belegter Stimme. Die Crew hatte am Tag nach dem ersten Forschungsflug bereits wieder ihre Plätze in der Maschine bezogen. Kurz vor dem Start dann der Schock: ein technischer Defekt am Beobachtungsgerät. Eine Stunde gaben die Verantwortlichen den Technikern Zeit, das Gerät wieder zum Laufen zu bringen. Vergeblich. „Aus wissenschaftlicher Sicht war der Flug damit sinnlos“, sagt der 47-Jährige traurig. Sofia blieb in dieser Nacht am Boden.
Die Eindrücke des einen Flugs und sein einwöchiger Aufenthalt in Kalifornien genügen aber, um zahlreiche spannende Geschichten über die aktuelle Luft- und Raumfahrtforschung sowie das Sofia-Projekt zu berichten. „Ich würde sofort wieder mitfliegen“, sagt Uwe Schierhorn. Er will seine Erlebnisse bald in einem Vortrag schildern. „Einer davon wird auf jeden Fall in der Schul- und Volkssternwarte in Dahlewitz gehalten“, sagt der Hobby-Astronom.
Auch seine Schüler am Friedrich-Schiller-Gymnasium in Königs Wusterhausen profitieren bereits vom Reiseabenteuer ihres Lehrers. „Sie haben gesagt, dass meine Begeisterung für das Thema überschwappt“, verrät der Pädagoge nicht ohne Stolz, „und das ist das Wichtigste bei den Naturwissenschaften, sich dafür zu begeistern und andere zum Nachfragen zu ermuntern.“
Von Nadine Pensold

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