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Dahme-Spreewald Heftige Vorbehalte gegen Flüchtlinge
Lokales Dahme-Spreewald Heftige Vorbehalte gegen Flüchtlinge
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04:59 15.01.2015
In dieser alten Kaserne in Ziegenhals sollen im Herbst etwa 400 Asylbewerber eine menschenwürdige Unterkunft finden.
In dieser alten Kaserne in Ziegenhals sollen im Herbst etwa 400 Asylbewerber eine menschenwürdige Unterkunft finden. Quelle: Irmscher
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Niederlehme

Die geplante Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber in Ziegenhals mit Platz für bis zu 400 Flüchtlingen sorgt bei den Anwohnern in Niederlehme und Wernsdorf für gemischte Reaktionen. Von vollstem Verständnis bis hin zur totalen Ablehnung der Kriegsflüchtlinge reichten die Meinungen am Mittwoch vor einem Supermarkt in Niederlehme. In dieser Woche wurde bekannt, dass in der alten Ziegenhalser Kaserne ab Herbst rund 400 Menschen aus Syrien, dem Irak und anderen Kriegsregionen untergebracht werden sollen.

"Uns wurde vor 70 Jahren auch geholfen"

Für Ursula Gelissen-Schüren aus Wernsdorf ist die Aufnahme von Flüchtlingen kein großes Problem. „Wo sollen sie denn auch sonst hin?“, fragt sie. „Wir sind ja irgendwie alle Ausländer und uns wurde vor 70 Jahren auch geholfen“, führt die 68-Jährige weiter aus. Dass die Debatten um die Flüchtlingsaufnahme vor allen Dingen in den neuen Bundesländern aufblüht, sei auf die DDR-Zeit zurückzuführen, glaubt sie. „Wenn jetzt ein Asylbewerberheim kommt, denken viele Menschen, dass ihnen irgendetwas genommen werden kann.“

Eröffnung für Herbst geplant

  • In der alten Kaserne in Ziegenhals sollen bis Herbst rund 400 Asylbewerber untergebracht werden.
  • Der Standort ist mit einer Busverbindung an den öffentlichen Nahverkehr angebunden. Einen Supermarkt gibt es in der Nähe nicht.
  • Dieses Problem will der Landkreis bis zur Eröffnung der Gemeinschaftsunterkunft, voraussichtlich im Herbst, lösen.
  • Im vergangenen Jahr wurde auch schon im Bestenseer Ortsteil Pätz eine Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge eröffnet.
  • Die Eröffnung wurde von einigen Protesten, vor allen Dingen aus dem rechten Lager, begleitet.
  • In Mittenwalde sorgte Anfang Dezember ein Schreiben für Aufsehen, in dem die Aufnahme von Flüchtlingen kategorisch abgelehnt wird.

Forderung nach Wideraufbau der Mauer

Ein Horrorszenario mit ausländischen Prostituierten, stehlenden Kindern und Männern, die in Niederlehme Drogen verkaufen würden, zeichnete ein anderer Niederlehmer, der seinen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen will. „Meiner Meinung nach sollen die Asylanten dort bleiben, wo sie sind“, erklärte der Mann. Auf die Nachfrage, wie er reagieren würde, wenn er in einem Kriegsgebiet leben würde, schwieg er lieber und forderte stattdessen den Wiederaufbau der Mauer. „Da wusste man noch, was man hat.“

"Sie sollen Deutsch lernen und ihre Steuern zahlen“

Auch Jutta Krosse aus Niederlehme hat ihre Bedenken gegenüber den neuen Nachbarn, die vor aussichtlich in der alten Kaserne in Ziegenhals unterkommen werden. „Wenn sie hier her kommen, dann sollen sie sich auch benehmen. Sie sollen Deutsch lernen und ihre Steuern zahlen“, fordert sie. Eine etwas neutralere Einstellung hat Rentner Dieter Schwerdtfeger aus Königs Wusterhausen. „Ich habe keine Angst und diese Diskussion, ob die Asylbewerber nun hierher kommen oder nicht, ist mir egal. Sie brauchen unsere Hilfe und sind ja auch bloß Menschen“, sagt er. Am Freitagabend soll in einer Ortsbeiratssitzung in Niederlehme die endgültige Entscheidung offiziell mitgeteilt werden.

Flugblätter wettern gegen Unterkunft

In der Region kursieren bereits Zettel, die ebenfalls auf die Sitzung hinweisen. „Obwohl Ziegenhals nur über einige hundert Einwohner, keinerlei Infrastruktur oder kulturelle und soziale Einrichtungen verfügt, beabsichtigt die Stadt, noch in diesem Jahr ein Asylbewerberheim zu eröffnen“, steht darauf geschrieben.

Rolf Fußwinkel aus Niederlehme will nicht zu der Versammlung gehen. Die Veranstaltung versteht er als Plattform, bei der sich die Gegner des Heimes präsentieren können. Daran wolle er nicht teilnehmen. „Da gehen bloß die hin, die dagegen sind.“ Angst verspüre er nicht.

Der Ortsbeirat Niederlehme tagt am Freitag ab 19 Uhr in der Fontane-Grundschule.

Von Marcel Jarjour

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