Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Dahme-Spreewald E-Mails im Netz so sicher wie Postkarten
Lokales Dahme-Spreewald E-Mails im Netz so sicher wie Postkarten
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:49 12.07.2013
Im Internet sich nicht alle Daten sicher. Quelle: dpa
Anzeige
Schönefeld

Die Energiepolitik zu sezieren, darin könnte sich Guido Körber scheinbar endlos verlieren. Seht her, soll das heißen, die Piraten können auch was anderes als Internet und "keine Ahnung". Doch im digitalen Netz, wo die politische Bewegung groß geworden ist, braucht man sie jetzt. Die Datenspionage US-amerikanischer und anderer Geheimdienste dominiert seit einem Monat die Nachrichten mit immer neuen Fragen an die Politik. Wie gläsern ist der gemeine Surfer? Wie sicher sind private Daten? Wie kann man sich schützen und wovor eigentlich?

201 Mitglieder hat die Partei im Regionalverband Dahme-Oder-Spree. Im Wahlkreis 62, der auch Dahme-Spreewald umfasst, bewirbt sich der Rangsdorfer (Teltow-Fläming) Oliver Mücke um ein Direktmandat. Sieben Piraten kandidieren auf der Landesliste. Energieexperte Körber fehlt darauf, er zählt sich zur Parteibasis. 48Jahre alt, Pirat und IT-Unternehmer. Einer von denen, die geduldig übers Internet dozieren können, bis es auch jene verstanden haben, die heute noch Briefe schreiben und im Brockhaus nachschlagen.

Anzeige

Seine Angestellten machen gerade Feierabend, da sitzt Körber noch immer in seiner Hard- und Software-Firma "Code Mercenaries" in Schönefeld und diskutiert mit Hans-Peter Delius, 53, dem Regionalbeauftragten der Piraten für Dahme-Spreewald. Sie reden ohne Unterlass über Transparenz und Datenschutz, spielen sich die Stichworte zu wie die FC-Bayern-Fußballer das Leder im Training. Wann sollte man sich mit den Kernthemen der Piraten auseinandersetzen, wenn nicht in Zeiten des Datenskandals? Der Wahlkampf beginnt erst am 22. Juli, zwei Monate vor den Bundestagswahlen, doch Körber und Delius wissen längst, was sie zu sagen haben.

"Aus Unkenntnis ist die Verunsicherung groß, das merke ich in vielen Gesprächen", sagt Delius angesichts immer neuer Enthüllungen. "Jeder muss bei sich selbst anfangen", rät er dann immer. Virenschutzprogramm, sichere und für jeden Dienst unterschiedliche Passwörter, Verschlüsselung allzu persönlicher Nachrichten. Skeptisch sein, wenn etwa das soziale Netzwerk Facebook Geburtsdatum, Verwandtschaftsbeziehung und Lebenslauf wissen will.

Das ist das eine. Ein Bewusstsein für die Datenflut, die jeder Internetnutzer produziert. Aber das reicht nicht, meint IT-Unternehmer Körber. Er kann nicht stillhalten, wenn er Sätze hört wie "Ich habe nichts zu verbergen". Das ist ihm der falsche Ansatz. Denn wer so denkt, ändert für den Staat auch sein Verhalten, davon ist Körber überzeugt. Er sieht darin eine Gefahr für Freiheit und Demokratie. "Im Internet werden gigantische Datenmengen gesammelt", erklärt Körber. Beispiel Amazon, der führende Online-Versandhändler, der längst nicht mehr nur in Bücher macht. Bestellhistorien und Kaufempfehlungen seien sehr praktisch, sagt Körber. Aber was ist, wenn die Daten weiterverkauft oder auf den Befehl von Behörden herausgegeben werden müssen?

Als Nutzer muss man permanent abwägen. Körber selbst telefoniert und surft mobil mit einem "iPhone" von Apple. Er vergleicht es mit einer Wanze, Smartphones zeichnen Bewegungsprofile auf. Der IT-Unternehmer achtet etwa darauf, dass nicht jede Anwendung auf seinen Standort zugreifen darf. "Aktuell ist für mich der Nutzen noch größer als die Gefahr", sagt Körber vorsichtig, doch das kann sich ändern. "Da sind wir wieder bei der Eigenverantwortung", ergänzt Delius.

Bastian Pauly

Dahme-Spreewald Sichtachse contra Spielplatz in Groß Köris - Kirche und Denkmal verhindern Kletterburg
12.07.2013
Dahme-Spreewald Architektin Stefanie Clemen entwarf neue Empore für Mittenwaldes Kirche - Das Foyer lichtet sich
12.07.2013
Dahme-Spreewald Wildtier-Kenner rechnen auch mit Zuwanderung aus Polen - Warten auf den Elch
12.07.2013