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Dahme-Spreewald Eichwalde trauert
Lokales Dahme-Spreewald Eichwalde trauert
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00:19 23.11.2013
Am Tatort werden immer mehr Blumen und Kerzen niedergelegt. Quelle: Martin Küper
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Eichwalde

In Eichwalde herrschen auch zwei Tage nach dem Mord an Alyssa B. Trauer und Entsetzen. Noch immer suchen die Menschen den Ort auf, an dem die 14-Jährige umgebracht wurde. Sie legen Kerzen, Blumen und Briefe ab, der Zaun um den Sportplatz wird zum Gedenkort für das tote Mädchen. Es sind vor allem junge Schüler, die so Trauer und Schrecken verarbeiten wollen. Am Nachmittag ist eine junge Frau offenbar so überwältigt von ihren Eindrücken, dass sie nicht weit entfernt, an der Heinrich-Heine-Allee ohnmächtig zusammenbricht. Ein Krankenwagen und ein Notarzt rücken an, um sie zu versorgen.

Der mutmaßliche Täter sitzt seit Dienstagabend in Untersuchungshaft. Nach MAZ-Informationen soll er ins Gefängnis nach Wriezen im Norden Brandenburgs gebracht worden sein. In der dortigen Justizvollzugsanstalt sitzen hauptsächlich Jugendliche und Straftäter, die nach dem Jugendstrafrecht beurteilt werden.

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Der 20-Jährige soll, wie berichtet, am Montag die 14-jährige Alyssa mit mehreren Messerstichen getötet haben. Die genauen Umstände der Tat sind immer noch unklar. Die Polizei und die Staatsanwaltschaft geben keine Informationen heraus, sie verweisen wegen des jungen Alters der Beteiligten auf deren Persönlichkeitsrechte. Die einzige Information, die sie verbreiten: Der Tatverdächtige schweigt und äußert sich nicht zur Tat. Die Leiche von Alyssa ist am Dienstagabend in die Gerichtsmedizin gebracht und dort untersucht worden. Die Obduktion wurde gestern abgeschlossen, sagt ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Details nennt er aber nicht.

Obwohl Polizei und Staatsanwaltschaft kaum Einzelheiten nennen, werden immer mehr Umstände der Tat bekannt. Alyssa und der mutmaßliche Mörder lernten sich im Internet kennen. Auf der Plattform „Jappy“ schickten sie sich Nachrichten hin und her. Der 20-Jährige kommt aus Lohmar, einer Stadt im Rhein-Sieg-Kreis (Nordrhein-Westfalen). Er hat Abitur gemacht und ist Fan japanischer Comics, sogenannter Mangas. Auf Jappy gab er sich einen entsprechenden Spitznamen. Er soll am Wochenende vor der Tat nach Eichwalde gefahren sein, um Alyssa zu treffen. Dort soll es zum Streit zwischen den beiden gekommen sein: Der junge Mann fühlte seine Liebe wohl nicht erwidert.

Deswegen soll er Alyssa aufgelauert und sie in der Nähe der S-Bahn-Station Eichwalde erstochen haben. Ein Bekannter versuchte noch, Alyssa vor dem Angreifer zu schützen und wurde dabei selbst verletzt. Der Junge war gestern aber nach MAZ-Informationen wieder in der Wildauer Ludwig-Witthöft-Oberschule.

Dort, wo auch Alyssa zur Schule ging, ist man zwei Tage nach dem Verbrechen noch immer geschockt. Wer möchte, kann sich von Seelsorgern betreuen lassen. Viele Schüler können nicht fassen, dass ein Platz für immer leer bleiben wird. Den Schülern wurde gesagt, sie sollten die Schule durch einen Hinterausgang verlassen, um sich vor den Fragen der Reporter zu schützen. Seit Montag gehören Kamera-Teams zum Straßenbild in Wildau und Eichwalde.

Viele Jugendliche versuchten gestern ihre Fassungslosigkeit in Worte zu fassen. „Ich finde es so krass, dass so was ausgerechnet hier passiert“, erzählt ein junger Mann vom nahen Humboldt-Gymnasium. „Fast hätten wir genau um die Zeit Sportunterricht hier draußen gehabt.“ Eine junge Frau ist verunsichert. Sie fürchtet, auch andere Männer könnten so gewalttätig sein. „Meine Mutter meint nur: ,Pass auf, mit welchen Typen du dich einlässt.’“

Doch es ist auch Wut zu spüren im Ort. „Für den wäre es besser gewesen, die S-Bahn hätte ihn überrollt“, sagt eine Kellnerin in der Bahnhofskneipe über den mutmaßlichen Täter. Sie spielt damit auf einen vermutlichen Selbstmordversuch an, den er nach den tödlichen Stichen unternommen haben soll. „Ich hätte jetzt wüste Gedanken, wenn es mein Kind wäre“, sagt sie weiter. Die Frau hat selbst mehrere Enkelkinder. „Da überlegt man sich dann doch, ob man die alleine aus dem Haus lässt.“

Auch in der Gemeindeverwaltung ist man über die Ereignisse vom Montag erschüttert, sagt Eichwaldes Bürgermeister Bernd Speer. „Wir überlegen derzeit, wie wir unserer Trauer Ausdruck verleihen können.“ Noch sei aber nichts Konkretes, etwa eine Trauerfeier für Alyssa, geplant. „Wir wollen uns mit den Angehörigen abstimmen“, sagt Speer. Deshalb wolle er demnächst den Kontakt zu den Eltern und Angehörigen des Mädchens suchen.

Der Bürgermeister wird dabei von Klaus Scholz beraten. Der Notfallseelsorger hatte der Familie am Montag die Nachricht vom Tod der Tochter überbracht. Für Scholz und Speer sei es ganz wichtig, dass es ein angemessenes und würdevolles Erinnern an die junge Eichwalderin gebe. Deswegen werde es keine spontanen Entscheidungen geben. „Manchmal ist weniger eben mehr“, sagt Speer.

Der Bürgermeister war von der Anteilnahme der Eichwalder in den vergangenen Tagen berührt. Besonders die Reaktion des Sportvereins SC Eichwalde 2000 habe ihn bewegt. Das Trainingsgelände der SC-Fußballer liegt direkt am Tatort. „Wir haben unsere Trainingseinheiten auf dem Platz abgesagt“, berichtet Vereinsgeschäftsführer Benjamin Eberst, „es wäre einfach unsensibel gewesen, wenn wir wenige Meter vom Unglücksort wieder gespielt hätten.“ Die Fußballer wollen bei ihrem kommenden Spiel am Wochenende eine Trauerminute abhalten. Viele im Verein hätten Alyssa gekannt, sagt Eberst. Besonders groß sei die Erschütterung bei den Cheerleadern gewesen. Einige von ihnen seien mit Alyssa befreundet gewesen.

Von Anne Stephanie Wildermann, Martin Küper und Christian Meyer

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