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Eichwalde Violeta Vollmer zeigt ihre Kranich-Zeichnungen
Lokales Dahme-Spreewald Eichwalde Violeta Vollmer zeigt ihre Kranich-Zeichnungen
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18:47 26.03.2019
Ein Teil von Violeta Vollmers Kranichreihe ist für den Brandenburgischen Kunstpreis nominiert. Die meisten der Zeichnungen zeigt sie nun in Eichwalde.
Ein Teil von Violeta Vollmers Kranichreihe ist für den Brandenburgischen Kunstpreis nominiert. Die meisten der Zeichnungen zeigt sie nun in Eichwalde. Quelle: Heidrun Voigt
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Eichwalde

Die Rückkehr der Kraniche aus den Winterquartieren ist im vollen Gange. Tag für Tag sind Tausende unterwegs. Und auch in der Feuerwache Eichwalde sind die grazilen Vögel zu finden. „Das Eigene und das Fremde“ heißt die Ausstellung von Violeta Vollmer, die am 5. April um 19 Uhr in der Alten Feuerwache Eichwalde eröffnet wird.

Figurative Bleistiftzeichnungen

Im Treppenhaus des Kulturzentrums sind die jüngsten Arbeiten der Künstlerin zu sehen. In ihren 61 figurativen Bleistiftzeichnungen nähert sie sich vielschichtig den Kranichen durch eine wiederholte Darstellung. Sie bildet die Vögel beim Fliegen und bei ihren Balztänzen ab. Die Tiere werden aus unterschiedlichen Perspektiven gezeigt, wobei das Mittel der Nahaufnahme durch ein Heranzoomen spannungsreich eingebaut wird. Die Malerin fängt die Eleganz und Dynamik der Kraniche ein.

Kraniche als Metapher

In manche Zeichnungen fließen Teile aus Brechts Gedicht „Die Liebenden“, in dem der Dichter sich der Kraniche als Metapher bedient, ein. Manche Arbeiten bestehen nur aus Text. Die Schrift wird zum Gegenpol. „Wir waren im Herbst auf der Spur der Kraniche im unteren Oderland und im Havelland. Es war so inspirierend, und ich musste an Brechts Gedicht denken“, sagt Violeta Vollmer. In Eichwalde sind 49 Arbeiten der Serie zu sehen. Zwölf davon werden in der Ausstellung zum Brandenburgischen Kunstpreis im Schloss Neuhardenberg gezeigt.

Großformatige Ölbilder

Im unteren Raum der Feuerwache hängen kleinformatige Ölbilder, die achtreihige Mosaike bilden. Das größte umfasst die Arbeiten, die während des Aufenthaltes der Künstlerin in Brasilen, Mexiko und Argentinien entstanden sind. Zwei andere Mosaike thematisieren die USA und Namibia. Großformatige Ölbilder, die Momentaufnahmen aus Amerika und Argentinien liefern, füllen die restlichen Wände aus. Darunter auch ein Bild, das dem amerikanischen Maler Edward Hopper Tribut zollt.

Solch großformatige Ölbilder entstanden in Argentinien. Quelle: Heidrun Voigt

„Unten zeige ich zudem Videos. Dort ist zu sehen, wie es zu den Mosaiken kam. Ich stelle die Realität der Kunst gegenüber. Es sind Short Cuts von einem Platz zum anderen“, erläutert Violeta Vollmer. Im oberen Raum hängen Arbeiten aus dem Jahr 1996. Es sind Bilder, die Grafik, Fotomontage und Collage miteinander vereinen. Sie zeigen den Blick der gebürtigen Litauerin auf Deutschland und seine Geschichte.

Fantasievolle, farbenfrohe Zeichnungen

Im hinteren Besprechungsraum werden fantasievolle, farbenfrohe Zeichnungen, die für ein Kinderbuch 1995 entstanden, ausgestellt. Ein himmelblauer Elefant und sieben Kinder sind die Protagonisten. „Eigentlich wollte ich diese Bilder nicht zeigen, aber Frau Schlosser und Frau Winter vom Kulturbeirat waren so begeistert“, sagt die Künstlerin. Die Organisatorinnen haben auch eine 4. Klasse im Mai eingeladen, die zu diesen Bildern dann Geschichten schreiben soll. Zum Tag des offenen Ateliers am 4. und 5. Mai wird Violeta Vollmer am Sonntag mit Kindern in den Illustrationen auf Entdeckungsreise gehen. Am Samstag wird sie von Besuchern Porträtskizzen erstellen.

Mann hält Laudatio

Die Laudatio zur Ausstellungseröffnung wird ihr Mann, Wilfried Vollmer, halten. „Es ist durchaus unüblich, dass der Ehemann der Laudator ist. Für mich ist es aber eine Hommage an meine Frau. Ich bemühe mich, ein Kunstkritiker zu sein und werde auf ihre Werke eingehen“, verspricht Wilfried Vollmer.

Das Mosaik aus kleinen Ölbildern thematisiert die USA. Die Familie hat einige Jahre auf dem amerikanischen Kontinent gelebt. Quelle: Heidrun Voigt

Zeit des Kennenlernens

Kennengelernt hat sich das Paar, als Violeta Dundulyte – wie sie damals hieß – nach dem Abschluss ihres Kunststudiums an der Kunsthochschule in Kaunas in Litauen und der Universität Tallin in Estland zu einer Ausstellung des Völkerkundemuseums nach Hamburg eingeladen wurde. Der Hanseat war als Lehrer für die Zentralstelle für das Auslandsschulwesen tätig. Acht Jahre in Buenos Aires und drei Jahre in Namibia verbrachte Violeta Vollmer mit ihm und den zwei gemeinsamen Kindern, arbeitete dort als freiberufliche Künstlerin. „Als wir in Argentinien lebten, hatte mein Mann drei Monate Ferien. In dieser Zeit haben wir den Kontinent bereist.“

Eindrücke wurden verarbeitet

Die vielen Eindrücke dieser und anderer Reisen finden sich in der Ausstellung wieder. „Ich muss immer arbeiten, egal wo ich bin. Manchmal wache ich nachts um 3 Uhr auf und habe eine Idee. Dann stehe ich auf und beginne“, sagt sie. Sie brauche viel Platz, betont die kreative Frau, und sie sei dankbar, dass ihr Mann sehr tolerant sei und sie bei der Arbeit aktiv unterstütze. In Senzig, wo das Paar, seit 2014 seinen Lebensmittelpunkt hat, könne sie ungebremst schaffen.

Von Heidrun Voigt