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Eichwalde Netto gibt Filiale in Eichwalde auf
Lokales Dahme-Spreewald Eichwalde Netto gibt Filiale in Eichwalde auf
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07:57 24.04.2018
Rückzug nach zwei Jahrzehnten: Bärbel Schmidt (l.) und Maria Carius kauften regelmäßig bei Netto ein. Im Hintergrund entfernt ein Mitarbeiter die Ladenaufkleber.
Rückzug nach zwei Jahrzehnten: Bärbel Schmidt (l.) und Maria Carius kauften regelmäßig bei Netto ein. Im Hintergrund entfernt ein Mitarbeiter die Ladenaufkleber. Quelle: Josefine Sack
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Eichwalde

Der Laden-Leerstand in Eichwalde greift weiter um sich: Nach dem Rückzug der Volksbank-Filiale in der Bahnhofstraße hat nun auch der Netto-Markt in der Uhlandallee/ Ecke Schmöckwitzer Straße geschlossen.

Laut Vermieter Günter Holfeld hat der Lebensmitteldiscounter bereits zum 14. April gekündigt. Die Netto-Filiale schrieb wohl seit Jahren rote Zahlen. „Die Schließung war zu erwarten“, bestätigte Holfeld. Die Lage in dem nördlichen Wohngebiet sei als Standort für einen Supermarkt nie besonders geeignet gewesen. „Trotzdem hat sich der Netto anfangs gut getragen“, erinnert sich Holfeld. Seit Inbetriebnahme des Flachbaus im Jahr 1995 befand sich in dessen Erdgeschoss der Netto-Markt. Über der Einkaufsmöglichkeit befinden sich zudem drei Wohnungen, die ebenfalls Holfeld gehören und vermietet sind.

Senioren auf Hilfe bei Einkauf angewiesen

Der Rückzug des Discounters trifft vor allem die Senioren im Quartier: „Insbesondere für die älteren Bürger, die nicht mehr so mobil oder motorisiert sind, ist eine erhebliche Versorgungslücke entstanden“, sagte die Vorsitzende des Seniorenbeirats, Bärbel Schmidt. Die nächsten Einkaufsmöglichkeiten, der Edeka-Markt in der Bahnhofstraße und Lidl in der Friedenstraße, liegen gut anderthalb Kilometer entfernt. „Für ältere Menschen, die nicht mehr gut zu Fuß sind, ist das nicht zu machen“, gab Schmidt zu bedenken. Viele seien nun auf die Hilfe von Angehörigen und Nachbarn angewiesen. Damit das nicht zum Dauerzustand wird, fordern Schmidt und ihre Mitstreiter, dass die Markthalle als Einkaufsmöglichkeit bestehen bleibt.

Die Senioren liebäugeln etwa mit einer Mini-Markthalle mit Ständen verschiedener Händler einschließlich einer Mittagstischversorgung oder einem Biomarkt. „Auf alle Fälle sollte das Terrain nicht brachliegen oder abgerissen werden und einer gehobenen Wohnbebauung weichen“, appelliert Schmidt an Eigentümer und Verwaltung.

Kaum Interessenten für die Markthalle

„Wir sind intensiv dran“, sagte Bürgermeister Jörg Jenoch (WIE). Die Verwaltung habe sich einen Zeitrahmen von einem halbem Jahr gegeben – dann soll eine Lösung gefunden sein. „Ich habe Herrn Holfeld im Februar gesprochen, seitdem spreche ich mit diversen Interessenten. Leider winken viel sehr schnell ab“, so der Bürgermeister. Ein Problem sei die kleine Verkaufsfläche des Marktes. Hinzukommt laut Jenoch, dass Eichwalde als Wohnstandort mit grundfunktionalem Schwerpunkt – mit Ausnahme von Lebensmittelversorgern – keine „überörtlichen Versorger“ genehmigen darf.

Auch Jenoch wünscht sich als Nachmieter in der Uhlandallee wieder ein Lebensmittelgeschäft. Zuletzt hat er mit Denn’s Biomarkt gesprochen. Der Bio-Großhandel benötigt aber erweiterte Zufahrt-Möglichkeiten auf das Gelände. Und mehr Verkehr ist laut Jenoch in dem Wohngebiet nicht gewünscht. In der kommenden Woche will er mit der Berliner Biomarktkette LPG und Nahkauf reden. Auch die Idee einer von Händlern gestützten Mini-Markthalle begrüßt der Bürgermeister. „Dafür brauchen wir aber einen Betreiber“, sagte Jenoch.

Schnelle Lösung ist nicht in Sicht

„Die Schließung ist ein Rückschlag für die Gemeinde und schade für den Standort“, bedauert Harald Gebauer, Vorsitzender des Gewerbeverbands. Den zunehmenden Leerstand sieht er mit Sorge: Viele Eichwalder fahren zum Einkaufen in die Nachbargemeinden. Eichwaldes Gewerbe habe zudem ein strukturelles Problem: „Den Unternehmen fehlt der Nachwuchs.“

Eine schnelle Lösung in Sachen Netto-Filiale ist indes nicht in Sicht: Vermieter Holfeld ist zwar bemüht, einen Nachmieter zu finden, macht aber wenig Hoffnung: „Ein Nahversorger wird sich dort nur schwer finden lassen.“

Von Josefine Sack

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