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Eichwalde Ausstellung zu Fontanes Wanderungen
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06:06 21.08.2019
So könnte die „Sphinx“, das Boot mit dem Fontane Richtung Teupitz segelte, ausgesehen haben. Quelle: Andrea von Fournier
Eichwalde

Man kann ihn sich gut vorstellen, wie er unter italienischer Sonne auf dem Boden sitzt, das kräftige Papier, das eben noch gerollt in seiner Tasche steckte, auf der Erde mit Steinen beschwert, den Malkasten öffnet und das Motiv seiner Wahl auf das Blatt zu bannen beginnt. Obgleich das Haar etwas anderes sagt, ist jungenhafte Leichtigkeit in H.-Jürgen Maliks Wesen spürbar.

Freudig kann der heute 71-Jährige malen, denn er weiß seine Frau mit ihrer Meinung und dem wichtigen Proviant immer in der Nähe. „Wo Jürgen ist, ist der Wein nicht weit. Und ein Stück Käse findet sich auch immer, die Maliks sind Genießer!“, erklärt lachend Autor und Publizist Volker Panecke aus Eichwalde, der es wissen muss. Fast 40 Jahre Freundschaft verbindet die beiden gleichaltrigen Männer, begründet im einstigen Ferienheim des Berliner Verlags.

Erst jetzt sind sie dazu gekommen, ein gemeinsames, großes Projekt zu verwirklichen. „Wären wir noch berufstätig, wäre das nie und nimmer gegangen“, sagt Volker Panecke in Richtung seines zustimmenden Freundes, der seinen Teil des Projekts, um die 50 die hiesige Region illustrierende Aquarelle, derzeit in der Alten Feuerwache in Eichwalde präsentiert.

Volker Panecke (l.) und H.-Jürgen Malik sind seit Jahrzehnten gut befreundet und konnten sehr harmonisch miteinander am Buchprojekt arbeiten. Quelle: Andrea von Fournier

Malik arbeitete erfolgreich als Grafiker und Illustrator

Anfang der 1980er Jahre war Volker Panecke „Horizont“-Redakteur, H.-Jürgen Malik arbeitete in der Werbung, dann als Typograf bei der Zeitschrift „FF dabei“. Beide erinnern sich, wie unglaublich günstig und produktiv es war, dass in und um das Verlagsgebäude an der Berliner Karl-Liebknecht-Straße auf kurzem Wege alles erreichbar war, was sie beruflich brauchten: Verlage, Fotoateliers, Schallplatte.

H.-Jürgen Malik, geboren in Werben im Spreewald, heute in Berlin-Karow zu Haus, wollte schon immer in der Gestaltung arbeiten. Dass er nach der Lehre als Schrift- und Grafikmaler und dem Studium der Malerei, Grafik und Werbung in Dresden und Berlin die Stelle bei der „FF dabei“ bekam, war für den Berufseinsteiger erfreulich. Er malte in der Freizeit, schuf Plakate, Buchcover und beteiligte sich an Wettbewerben, wo seine Arbeiten auch als „Beste Plakate“ oder „Schönste Buchumschläge des Jahres“ prämiert wurden.

Reisen inspirieren den Künstler

Dass sie beruflich nicht unter einem Dach blieben, verursacht noch heute Schmunzeln bei beiden: Der Berliner Verlag musste Mitte der 1980er 20 Mitarbeiter für die „Kampfgruppen“ abstellen. „Jürgen wurde bekniet. Er war ja gutmütig, aber kommandieren lassen wollte er sich gar nicht“, erinnert sich sein Freund. Von den „dringenden Bitten“ des Verlags hatte Malik bald genug und zog um die Ecke zum Verlag „Neues Leben“.

Karl-May-Bücher und andere spannende Jugendliteratur bearbeitete der Typograf nun, entwarf Buchumschläge, gestaltete die schöne „Poesiealbum“-Reihe mit: Die Nummer 263 ziert ein Bild seiner dreijährigen Tochter, das der damals fünfjährige Filius gemalt hat. Vater sorgte für die Schrift, „so kunstvoll, dass er garantiert keine ,Hurenkinder’ und ,Schusterjungen’ produziert“, sagt Volker Panecke augenzwinkernd in Richtung heute oft sorgloser Schriftgestaltung in Presse und Büchern. H.-Jürgen Malik wurde Mitglied des Verbands Bildender Künstler und machte sich bei bester Auftragslage 1988 selbstständig.

Idee zu einer aktuellen Variante der Fontane-Wanderungen

Kein guter Zeitpunkt, wie er merkte. Doch bald stieg er als Grafiker in einer Werbeagentur ein, später bei der Dussmann-Gruppe. Mit 63 kehrte er nicht mehr aus dem Urlaub zurück, suchte den Ruhestand. Was natürlich keinen kreativen Ruhestand bedeutete. Das Reisen nach der Wende, die vielen neuen Ziele spendeten Malmotive zuhauf. Kultur und Historie hatten es beiden Männern schon seit Jahrzehnten angetan. Oft waren es die gleichen Orte, die sie getrennt besuchten, einmal auch mit den Ehefrauen gemeinsam.

Als Volker Panecke 2017 die Arbeit an einem Buch über den Vater Theodor Fontanes beendete, lag so viel spannendes, ungenutztes Recherchematerial auf seinem Tisch, dass der Verlag anbot, ein weiteres Buch zu drucken.

Im Kopf des Autors entstand die Idee einer leichten, aktuellen Variante von FontanesWanderungen durch die Mark“. „Wir beide haben die gleiche Ausgabe im Schrank und kennen sie, doch wer liest so ein Werk heute noch?“, fragt Volker Panecke. Mit dem jetzt erschienenen literarischen Reiseführer „Das Sonnenlicht hüpft in den Zweigen“ will er dem Leser einer schnelllebigen Zeit eine Brücke zu den Schauplätzen der Wanderungen des großen Märkers Theodor Fontane bauen. Dass es dazu ansprechende, handwerklich gute Illustrationen braucht, war dem Autor klar. Auch, wer die herstellen konnte: „Nach zwei kleinen Probeaquarellen von Jürgen war ich bester Dinge, dass wir das schaffen.“

Das Segelboot Sphinx wurde bildlich rekonstruiert

Ein Jahr haben beide konstruktiv und harmonisch ihr Gebiet beackert. An 33 ausgewählten Reisezielen der „Wanderungen“ kann man nun nachlesen, wie und wann Fontane dort war und wo und wann es veröffentlicht wurde. Dann folgen Originalauszüge aus den „Wanderungen“, bevor Volker Panecke akribisch untersucht hat, was diesen Ort, das Schloss, das Seengebiet heute ausmacht, wie man dorthin kommt, was man unternehmen kann. Illustriert werden die 33 Kapitel mit 150 Aquarellen, thematisch passgenau, wunderschön anzusehen, darunter Novitäten.

So hat der Autor mit großem Aufwand und Fachleuten das Segelboot „Sphinx“ zu rekonstruieren versucht, mit dem Fontane 1874 eine Tour vom Schloss Köpenick nach Teupitz unternahm. Ein Schwarzweißfoto des Bootshecks existiert, kein Bild von Mast, Bug oder Segel. Panecke fand die Konstruktionszeichnung, ohne Maße. Die deutete er aus Hinweisen in Fontanes Text. Damit konnte der Illustrator erstmals das „Wohlfühlboot Sphinx“ bildhaft darstellen.

Die größte Recherchearbeit machte sich der Autor zu Schloss Liebenberg, „die Affäre Eulenburg war eine Geschichte für sich“. Das Projekt der Freunde ist ein Lese- und Schaugenuss, eine klare Empfehlung für Reiselustige in Brandenburg oder zur Gedächtnisauffrischung.

Die Ausstellung kann bis zum 29. September immer freitags, sonnabends und sonntags von 15 bis 18 Uhr in der Alten Feuerwache Eichwalde besichtigt werden. Am Freitag, 23. August, liest Volker Panecke ab 19 Uhr aus seinem Buch. Er selbst ist außerdem am 30. August sowie am 1. und 6. September persönlich in der Ausstellung anzutreffen.

Von Andrea von Fournier

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