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Dahme-Spreewald Ein Glücksfall
Lokales Dahme-Spreewald Ein Glücksfall
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18:27 13.02.2013
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ZEUTHEN

. Im Mai ist es so weit. Ein bisschen aufgeregt ist der 21-Jährige diesbezüglich aber schon jetzt.

Klappt alles bei der Prüfung – so wird Steven Pöhlchen einer von knapp 300 lernbehinderten Jugendlichen sein, die seit der Eröffnung des „Hotels am Zeuthener See“ im Mai 1992 in diesem ehemaligen Stasi-Objekt direkt am Zeuthener See ihre Chance für einen neuen Start ins Berufsleben nutzten. Eingeräumt wurde sie ihm durch das Berufsbildungswerk, das den Namen der 1968 in Berlin verstorbenen Verlegerin und SPD-Politikerin Annedore Leber trägt. Sie war die Witwe des von den Nationalsozialisten ermordeten SPD-Reichstagsabgeordneten Julius Leber. Das Bildungswerk erwarb das 6000 Quadratmeter große ehemalige Stasi-Areal direkt am Zeuthener See kurz nach der Wende für den symbolischen Preis von einer D-Mark. Dies allerdings war an die Verpflichtung gebunden, dass hier junge Menschen ausgebildet werden, die sonst auf dem ersten Arbeitsmarkt kaum eine Chance hätten.

So ist Steven Pöhlchen einer von jeweils 28 bis 32 Jugendlichen, die hier den Beruf der Fachkraft beziehungsweise des Helfers im Gastgewerbe sowie des Beikochs erlernen. „Aufgrund einer psychischen Erkrankung musste ich die Schule nach der 9. Klasse abbrechen“, berichtet der 21-Jährige. Sein Einzelfallhelfer beim Jugendamt riet ihm zu dieser Lehre im Ausbildungshotel Zeuthen. „Für mich war das ein Glücksfall“, sagt der Azubi. Die Atmosphäre in Zeuthen sei sehr familiär, so dass er auch schon Freunden zu dieser einzigartigen beruflichen Chance geraten habe. Schön sei auch, dass mit den Ausbildern sowie den Sozialarbeitern immer ein Ansprechpartner da sei. Zugleich verhehlt der junge Mann, der unter Depressionen litt, aber auch nicht, dass ihm sein erstes Praktikum außerhalb dieses geschützten Raumes in einem Restaurant in Mahlsdorf anfangs sehr schwer gefallen sei. Aber er habe sich durchgebissen und sei froh darüber.

Der älteste Azubi ist derzeit 28 Jahre alt. Bei vielen ist die Ausbildung in Zeuthen längst nicht der erste Start in die Arbeitswelt. Nicht wenige brachen schon eine Lehre ab oder waren längere Zeit ohne Job, so dass sie wie die 18-jährige Angelique Thiemann von der Arbeitsagentur an das Annedore-Leber-Bildungswerk verwiesen werden. Die angehende Beiköchin freut sich, dass sie schon Kartoffelbrei, Butterbohnen und diverse Canapees zubereiten kann. „Hier nehmen sich die Ausbilder wirklich viel Zeit für uns. Das wäre in einem normalen Restaurant gar nicht möglich“, sagt die junge Frau anerkennend. Und tatsächlich erklärt nur wenige Schritte weiter Ausbilder Ralf Keil Azubi Thomas Matthews außerordentlich geduldig, wie eine schmackhafte Zwiebelsuppe zubereitet wird.

Neben dem Leiter des Ausbildungshotels Bernd Mainka sind noch vier Ausbilder und ein Hausmeister in dem kleinen Hotel mit neun Doppel- und vier Einzelzimmern tätig. „Von der Arbeit auf der Etage über Restaurant, Küche und Service bis hin zur Bar bekommen die Azubis hier rundum einen Einblick in alle Hotelbereiche“, betont Mainka. Zu Beginn der Lehre führe häufig aber an einem Förderunterricht in Deutsch und Rechnen in kleinen Gruppen von zwei bis drei Teilnehmern kein Weg vorbei. So mancher benötige auch ein Berufsvorbereitungsjahr.

Das Restaurant mit knapp 40 Plätzen und großer Seeterrasse sowie das gemütliche Kaminzimmer sind für Tagungen, Seminare oder Familienfeiern bestens geeignet. Besucher müssen sich in dem Ausbildungshotel allerdings grundsätzlich vorher anmelden. Geregelte Öffnungszeiten sowie ein „A-la-carte-Geschäft“ werden nicht angeboten. Willkommen sind Gäste aus nah und fern auch beim monatlichen sonntäglichen Familienbrunch, bei dem die 50 Plätze meist in wenigen Tagen ausverkauft sind. Anders sieht es mit den Hotelzimmern aus. Sie sind zum Leidwesen der Azubis nur zu einem Viertel ausgebucht. „Hier würden wir uns über mehr Gäste in diesem Haus, das vor 25 Jahren noch top secret war, riesig freuen“, betont Hotelchef Mainka und verweist auf den herrlichen Blick auf den Zeuthener See. (Von Franziska Mohr)

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