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Dahme-Spreewald Erdgasbohrung trotz Adlerhorst
Lokales Dahme-Spreewald Erdgasbohrung trotz Adlerhorst
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09:34 07.02.2014
Kein Bohrturm, sondern eine Riesenfräse: Gas de France holt alte Rohre aus dem Erdreich. Quelle: Andrea Müller
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Münchehofe

Ausgestattet mit Sicherheitshelm und Schutzbrille stapft Münchehofes Bürgermeister Ralf Irmscher mal wieder über die Baustelle mitten im Wald. „Die Zeichen stehen auf Krieg“, sagt er. Denn er ist stinksauer, weil seiner Meinung nach das Unternehmen Gas de France Suez nicht jene Auflagen einhält, die er und seine Amtskollegin Bianca Urban mit Hilfe eines Rechtsanwaltes eingefordert haben und die in den Genehmigungen des zuständigen Bergamtes in Cottbus und des Landesumweltamtes für die bevorstehende Probegasförderung festgeschrieben stehen. Dazu gehören der besondere Schutz des Grundwassers, der Abstand zum Wald und vor allem die Rücksicht auf das Seeadler-Pärchen, das in einem Horst am Köthener See zu brüten pflegt. Weil der Seeadler im Februar damit beginnt, sollten die Arbeiten an den Bohrlöchern bis 31. Januar abgeschlossen sein.

Baustellen-Chef Horst Bieler. Quelle: Andrea Müller

Doch die Baustelle am Bohrloch 2 – knapp 500 Meter von dem Adler-Horst entfernt – ist in vollem Gange. Zwölf Männer bereiten dort die Probeförderung vor. Dafür sollen die alten Rohre von 1986 aus der Erde und neue eingebracht werden. An dieser Stelle will man das später mit dem Gas zu Tage geförderte Wasser wieder in das Erdreich zurück pressen. „Wir dachten, das ist in zwei Wochen erledigt“, sagt Baustellen-Chef Horst Bieler. Doch an den alten Metallstäben hatten sich Kreidesedimente abgesetzt. Die Erde gab sie freiwillig nicht wieder her. Jetzt werden sie mit einer gigantischen Fräse Stück für Stück herausgeschält – in mehr als 2000 Metern Tiefe. Das dauert. Vor Weihnachten schon wollte man das abgeschlossen haben. „Jetzt werden wir allein damit noch bis Ende Februar beschäftigt sein“, kündigt Bieler an. Erst dann können die neuen Rohre in der Tiefe versenkt werden. Anschließend müssen die anderen beiden Bohrlöcher vorbereitet werden.

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Das ist nicht das, was sich der Münchehofer Bürgermeister für seine künftige Öko-Gemeinde erträumt hat. Auch seine Amtskollegin aus Märkisch Buchholz, Bianca Urban, zeigt sich wenig begeistert von dem Projekt. Die Bürger in beiden Orten sehen es ähnlich. Mit dem Auflagen-Katalog wollte man das Schlimmste verhindern. „Doch nun fällt uns das Landesumweltamt in den Rücken“, so Ralf Irmscher. Gas de France dürfe weitermachen, obwohl der Abschluss zu Ende Januar wegen der Großvögel vorgeschrieben war.

Gunnar Assmann, Projekt Manager bei Gas de France, räumt ein, die Situation anders eingeschätzt zu haben. Weil der Zeitplan nicht mehr einzuhalten war, wurde ein Antrag auf Frist-Verlängerung gestellt. „Der ist genehmigt worden in Absprache mit dem Landesumweltamt und der Naturwacht“, sagt er. Wolfgang Genehr, Chef des Landesumweltamtes Süd in Cottbus, bestätigt das. „Wir haben uns mit den beiden Betreuern des Adlerhorstes beraten“, berichtet Genehr. Da sich die Vögel bereits trotz der Arbeiten in dem in der Nähe befindlichen Horst niedergelassen hatten, war man davon ausgegangen, dass sie sich nicht gestört fühlen. „Selbstverständlich muss Gas des France Auflagen einhalten, was Lärm und Licht angeht“, so der Landesumwelt-Chef. Gas de France arbeitet rund um die Uhr. Die Baustelle darf nur unter Abblendlicht tätig sein. Die Fräse ist sehr leise.

Ralf Irmscher sieht das anders. Es würden Kompromisse gemacht, wo keine hingehörten. Darum will er keine Ruhe geben. Anders als möglicherweise das Seeadler-Pärchen lässt er sich auch nicht vertreiben. Darum ist er regelmäßig vor Ort auf der Baustelle.

Von Andrea Müller

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