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Dahme-Spreewald Es gibt niemals Ruhe
Lokales Dahme-Spreewald Es gibt niemals Ruhe
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18:00 09.03.2011
Ferdi Breidbach. Quelle: MAZ/ Bernd Gartenschläger

B.

MAZ: Der Flughafen soll im Juni 2012 öffnen. Was bringt Sie auf die Idee, für ihn ein Nachnutzungskonzept auszuarbeiten?

Ferdi Breidbach: Die Politiker wollen uns wider besseres Wissen weismachen, Schönefeld sei der richtige Standort. Dort könne ein Großflughafen mit Drehkreuz-Funktion entstehen. Dieser Traum ist dort nicht zu verwirklichen. Der BVBB ist schon seit 1994 für einen Großflughafen eingetreten – aber in Sperenberg, weg von dicht besiedelten Gebieten. Es ist doch weltweite Praxis, derartige Mensch und Umwelt beeinträchtigende Objekte nicht in der Nähe von Städten, sondern Dutzende Kilometer von ihnen entfernt zu errichten.

 

Manch einer empfiehlt, den Schönefelder Flugplatz zum Busbahnhof zu machen, andere sprechen von Funktions-Splitting – in Schönefeld einchecken, in Sperenberg abheben. Wofür votieren Sie?

Breidbach: Wir werden unser Konzept voraussichtlich Ende März vorstellen und ich möchte dem nicht vorgreifen. Aber schauen Sie zum Beispiel nach Tokio: Im Zentrum der japanischen Hauptstadt gibt es ein Abfertigungsterminal, von dem die Passagiere per Schnellbahn zum neuen Airport gelangen, der 60 Kilometer außerhalb angesiedelt ist. Der einzige Unterschied wäre – die Tokioter Bahn braucht 50 Minuten, von Schönefeld nach Sperenberg wären es nur etwa acht.

 

Könnte das Schönefelder Terminal im Rahmen eines solchen Modells stehen bleiben, oder müsste es abgerissen werden?

Breidbach: Ich will mich, wie gesagt, nicht zu Einzelheiten äußern. Nur so viel: Es wären zusätzliche Investitionen, die den Standort aufwerten, in erheblichem Ausmaß zu erwarten.

 

In Stuttgart haben Zehntausende gegen den Bahnhofsumbau protestiert, zwar die Einsetzung eines Schlichters, aber nicht den Stopp der Bauarbeiten erreicht. Wie kommen Sie darauf, dass Ihnen das hier gelingen könnte?

Breidbach: In Stuttgart geht es um Bäume, die für einen unterirdischen Bahnhof weichen sollen. Hier geht es um Menschen, um Menschen, deren Gesundheit nachhaltig geschädigt wird, deren Kinder in Akustikkäfigen mit künstlicher Belüftung und Befeuchtung unterrichtet werden, und deren Grundstücke kräftig an Wert verlieren.

 

Worin sehen Sie die Chance, Ihr Ziel zu realisieren?

Breidbach: In der Verbreiterung des Widerstandes gegen den falschen Standort und die jahrzehntelangen Folgen einer sachfremden Entscheidung.

 

Also folgt der BVBB der utopischen Parole vom Baustopp, statt sich für realistische Anliegen wie ein striktes Nachtflugverbot einzusetzen?

Breidbach: Utopisch ist nicht der Baustopp, sondern die Vorstellung, in Schönefeld ein Luftfahrt-Drehkreuz von internationaler Bedeutung zu etablieren, das wirtschaftlich betrieben werden kann.

 

Glauben Sie denn im Ernst, das Projekt könnte beerdigt werden, nachdem bereits Unsummen verbaut wurden?

Breidbach: Gerade aus ökonomischer Sicht müsste das BBI-Projekt eher heute als morgen aufgegeben werden. Bei einem prognostizierten Umsatz von nur 300 Millionen Euro jährlich wird dieser BBI nie wirtschaftlich arbeiten können. Denn ein Großteil der Summe geht zum Abbau des Schuldenbergs von letztlich sicher drei Milliarden Euro drauf. Wenn dann noch zwei Drittel der Fluggäste mit Billig-Linien unterwegs sind, kann der sogenannte Non-Aviation-Bereich dieses Manko auch nicht ausgleichen. In dieser Erkenntnis haben doch private Investoren jegliches Interesse an Bau und Betreibung verweigert.

 

Noch mal die Frage – ordnen Sie Ihre Strategie der Maximalforderung unter, oder bleibt noch Platz für die Auseinandersetzung um den Schönefelder Flugbetrieb?

Breidbach: Unsere Forderung ist eine optimale Forderung. Natürlich haben wir einen Plan B, der da lautet: Abwehren, was abzuwehren ist. So hat der BVBB bekanntlich auch Klagen gegen Nachtflüge organisiert. Künftiger großer Schauplatz der Auseinandersetzungen werden Absiedlungen sein. Zwei Drittel von Blankenfelde-Mahlow, große Teile von Berlin-Bohnsdorf, von Waltersdorf und Schmöckwitz werden mit einem Fluglärm belastet, der 65 Dezibel und mehr ausmacht. Dort zu leben, ist unzumutbar. Mehr als Tausend Überflüge pro Tag sind eine Lärmfolter. Darum werden wir wenn nötig bis zum Europäischen Menschenrechtsgerichtshof gehen. Wer einen Flughafen so baut wie in Schönefeld, muss wissen, er bekommt nie mehr Ruhe. Jeder Politiker, der den BBI hier wollte, kann sich nach Inbetriebnahme bei den Betroffenen nicht mehr sehen lassen.

 

Beteiligt sich Ihr Verein an der Demonstration der Bürgerinitiativen am Sonnabend in Schönefeld?

Breidbach: Wir sagen unseren Mitgliedern: Geht hin, wenn ihr wollt, aber macht deutlich, dass ein Baustopp her muss.

 

Sie zielen darauf, die Protestbewegung zu vereinnahmen?

Breidbach: Nein, wir hoffen aber auf Erkenntnisse. Wir helfen, realistische Positionen einzunehmen und informieren entsprechend.

 

Doch es bleibt dabei – die Flugrouten-Diskussion lehnt der BVBB als unerheblich ab?

Breidbach: Natürlich, sie ist ein Ablenkungsmanöver. So lange sich die Leute um diese oder jene Route in die Haare kriegen, sind sie vom Hauptproblem der falschen Standortwahl abgelenkt. Sie sollen nicht erkennen, dass es keine Flugrouten gibt, die den Lärm zwischen Schöneiche und Ludwigsfelde, zwischen Berlin-Lichtenrade und Zossen beseitigt. Nach Routen wird nur in seltenen Fällen geflogen. In der Praxis geht es um kilometerbreite Korridore.

 

Gleichzeitig hat Ihnen diese Debatte aber deutlichen Auftrieb verschafft.

Breidbach: Das ist richtig. Wir verzeichnen fast täglich Aufnahmen in unsere Organisation und freuen uns über Erkenntnisgewinne bei den sogenannten Neu-Betroffenen. Zehntausende haben jetzt erst gemerkt, dass auch über ihren Köpfen Flugzeuge – pro Jahr 360 000 und mehr – fliegen werden und sie zwölf Jahre lang um diese Wahrheit betrogen wurden. Als nun die Villenviertel von Wannsee aufwachten, entstand schnell politischer Druck. Die dort leben, wollen zwar den BBI, dessen Folgen aber nach Brandenburg abladen. Berlins Regierender Bürgermeister Wowereit unterstützt das, Brandenburgs Ministerpräsident Platzeck nimmt es hin.

 

Ist der Vorwurf des Betruges nicht inzwischen vom Tisch – dem Bundesverwaltungsgericht lagen doch Hinweise auf abgewinkelte Startrouten vor, nur hatte es darüber nicht zu urteilen?

Breidbach: Ich will nicht über juristische Spitzfindigkeiten streiten. Doch über die Anzahl der Lärm-Betroffenen wurden das Gericht und die Öffentlichkeit systematisch getäuscht. Schon 1998 hat die Flugsicherung die Flughafengesellschaft und das zuständige Ministerium in Potsdam vom erforderlichen Verlauf der Startkorridore informiert. Doch man beschloss, das unter dem Teppich zu halten und sich später darauf herauszureden, dass die betreffenden Festlegungen erst kurz vor Flughafen-Start getroffen werden. Auch die Fluglärmkommission hat sich schon im Jahr 2000 damit befasst, das Thema dann aber in die Schweigespirale geschickt.

 

Bei aller Abneigung gegen den Routen-Streit – macht es nicht doch einen Unterschied, ob gleich nach dem Start um 90 Grad oder erst etwas später um 15 Grad geschwenkt wird?

Breidbach: All die Alternativ-Vorschläge, so auch diese, hat die Fluglärmkommission längst in die Tonne geworfen. Im Gegensatz zu dem, das einige politisch Verantwortliche öffentlich verkünden, wird die Flugsicherung von ihrem im September 2010 und seit 1998 vorgelegten Routen-Plan nicht wesentlich abweichen. Auch wenn der Flughafenchef betont, unabhängigen Parallelverkehr benötige er nur für wenige Stunden, soll das allein der Beruhigung dienen. Das ganze Routen-Theater ist nur zu einem gut: die Bevölkerung auf die Nudel zu schieben. Der Baustopp ist die einzige Möglichkeit, die Region vom Lärm zu befreien.

 

Wenn es so weitergeht wie bisher und Sie Schönefeld nicht stoppen können – wann wird dort die dritte Startbahn gebaut?

Breidbach: Die Rufe werden bald erschallen. In München ist die dritte Bahn bei einem Passagieraufkommen von 27 Millionen beantragt worden. Das könnte hier in drei bis fünf Jahren der Fall sein.

 

Sind Sie dann noch dabei oder gehen Sie Ihrem Hobby Golf dann ganzjährig in den USA nach?

Breidbach: Wer wollte sich einem solchen Horror nicht durch Flucht entziehen? Aber noch kämpfe ich mit dem BVBB – gegen eine Entscheidung, die im Bewusstsein getroffen wurde, Menschen mit ihr krank zu machen und damit auch unsere Verfassung zu missachten. Bisher haben viele geglaubt, dass nur Despoten wie Mubarak so handeln. Nun, Mubarak ist wohl überall.

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