Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Dahme-Spreewald Warum sich Kleingärtner über die Fäkaliengebühr aufregen – und was die DDR damit zu tun hat
Lokales Dahme-Spreewald Warum sich Kleingärtner über die Fäkaliengebühr aufregen – und was die DDR damit zu tun hat
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
01:15 25.03.2019
Rodde am Anschlussstutzen seines Gartens. Für die Entsorgung hat der MAWV ihm eine Zusatzgebühr wegen geringer Grubengröße berechnet. „Ein Unding“, findet Rodde.
Rodde am Anschlussstutzen seines Gartens. Für die Entsorgung hat der MAWV ihm eine Zusatzgebühr wegen geringer Grubengröße berechnet. „Ein Unding“, findet Rodde. Quelle: Oliver Fischer
Anzeige
Niederlehme

Ronald Rodde, Fliesenleger aus Zeuthen, erhielt im Dezember zwei Rechnungen, die ihn erzürnt zurückließen. Seit 2003 hat Rodde einen Kleingarten in Niederlehme. Es ist eine kleine Parzelle mit einer roten Laube, Gemüsebeet und Borussia-Dortmund-Fahne. „Unser Paradies“, sagt Rodde. Und auch im Paradies muss zuweilen die Fäkaliengrube geleert werden.

Das ging jahrelang ganz einfach, erzählt Rodde: Wenn es so weit war, rief man das zuständige Unternehmen an. Ein Fahrzeug kam, pumpte die Grube leer, man drückte dem Fahrer Geld in die Hand und wünschte sich alles Gute. Aber jetzt soll plötzlich alles anders laufen.

Rechnung vom MAWV

Im vorigen Oktober etwa wurde bei Rodde die Grube leer gepumpt. Die Rechnung bekam er im Dezember, und zwar nicht mehr vom Unternehmen sondern vom Märkischen Abwasser- und Wasserzweckverband, MAWV. Darin wurden Rodde nicht nur die 13,63 Euro für die Entsorgung berechnet, sondern auch noch 23,46 Euro für „dezentrale Zusatzleistungen“.

Auf Nachfrage erfuhr er, dass es sich dabei um eine „Zulage bei der Abfuhr von Mindermengen“ handelt, weil seine Grube nur einen Kubikmeter misst und nicht drei. „Ein Unding“, sagt Rodde. Seine Parzelle wurde, wie alle knapp 1000 Kleingärten in Niederlehme, zu DDR-Zeiten angelegt. Rodde: „Nach DDR-Recht durften die Gruben gar nicht größer sein.“

Abwasserrechnung auch für den Winter

Die Rechnung enthielt aber noch einen weiteren Aufreger. Er soll künftig im Voraus für seine Fäkalienentsorgung bezahlen, 135 Euro in fünf Raten. Die Summe sei viel zu hoch, sagt Rodde. „Und ich weiß gar nicht, wofür ich im Februar und im Oktober zahlen soll“, schimpft er. Das Wasser werde nur in der Saison angestellt. „Ich kann die Toilette im Winter überhaupt nicht benutzen. Will der MAWV auf unsere Kosten Geld reinholen, dass er im Zuge der Altanschließerdebatte verloren hat?“

Peter Sczepanski, Vorsteher des MAWV, verneint das: „Wir wollen uns nicht zu Lasten des Kunden bereichern.“ Es habe im vorigen Jahr aber nötige Änderungen, die zu diesen Effekten führen.

MAWV: „Entsorgung jetzt rechtskonform“

„Wir hatten mehr als zehn Jahre lang die Preise nicht angepasst. Deshalb mussten wir die Leistungen ausschreiben“, sagt er. In Gesprächen mit den Bietern habe sich dann herausgestellt, dass es Fälle gibt, die den Firmen Probleme bereiten. Dazu gehören kleine Fäkalienmengen, enge Wege und weite Abstände zwischen Gartenzaun und Grube.

„Dass die Entsorger dadurch einen größeren Aufwand haben, ist nachvollziehbar. Deshalb haben wir Zusatzgebühren in die Satzung aufgenommen“, so Sczepanski. Die Entsorgung könne dadurch im Extremfall deutlich teurer werden. „Aber jetzt ist es rechtskonform.“

Kleingärtner: „Fall für die Kommunalaufsicht“

Das glaubt Wolfgang Sieber, Vorsitzender der Kleingartenanlage Möllenzug, nicht. Es sei zwar richtig, dass der MAWV die Entsorgung übernehme. „Abwasserentsorgung ist eine öffentliche Pflicht, das kann nicht der freie Markt regeln.“ Aber die Satzung habe einen Fehler: „Die Kleingrubenregelung geht von der Theorie aus, dass eine kleine Grube extra angefahren werden muss. In Kleingartenanlagen liegen aber viele Kleingruben dicht an dicht.

In diesem Fall ist die Zusatzgebühr ungerecht“, sagt Sieber. Die Satzung müsse daher beanstandet werden. „Das Entsorgungsunternehmen könnte allein in den Niederlehmer Kleingärten zwischen 50 000 und 60 000 Euro zusätzlich einnehmen, ohne dafür eine Leistung zu erbringen.“

Sonderlösung für Niederlehme

In Niederlehme habe man sich zwar mit dem Entsorger inzwischen auf ein anders Modell geeinigt. Die Kleingärtner haben ein Sammelbecken gebaut, dafür verzichtet die Firma fortan auf den Kleingrubenzuschlag. „Aber das Problem besteht in anderen Kleingartenanlagen weiter. Deshalb müsste die Kommunalaufsicht einschreiten“, so Sieber.

Deutlich leichter lässt sich wohl Ronald Roddes Problem mit den Abschlägen lösen. Die seien maschinell errechnet, sagt Peter Sczepanski. Dabei könne es durchaus zu Ungenauigkeiten kommen. Sczepanski: „Wenn ein Kunde mit der Höhe der Abschläge überhaupt nicht leben kann, soll er sich bei uns melden. Wir sind gesprächsbereit.“

Von Oliver Fischer