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Dahme-Spreewald Familie kämpft sich ins zurück ins Leben
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09:52 21.12.2018
Sie halten fest zusammen: Anja Tempel aus Wildau und ihr siebenjähriger Sohn Lennard. Quelle: Nadine Pensold
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Wildau

„Letztes Jahr hab ich den Weihnachtsmann gesehen!“, erzählt Lennard und bekommt dabei ganz große Augen. Beim Spaziergang durch seine Nachbarschaft in Wildau am Weihnachtstag ist das passiert. Der Mann mit Rauschebart und rotem Mantel ist auf der anderen Straßenseite gelaufen. Dann fängt der Siebenjährige an zu kichern und tippt seiner Mama auf die Schulter. „Weißt du noch, dann ist ihm beim Laufen die Hose runtergerutscht.“ Anja Tempel muss ebenfalls lachen. „Stimmt, das war richtig lustig, der musste sich die Hose erst einmal wieder zurecht ziehen.“

Wenn die 37-Jährige an die bevorstehenden Adventstage und das Weihnachtsfest denkt, ist ihre Stimmung aber nicht mehr so heiter. Normalerweise dekoriert sie die Wohnung festlich für den Advent, gemeinsam mit Lennard schmückt sie den Weihnachtsbaum. „Da geht auch immer mal eine Kugel zu Bruch“, sagt der Siebenjährige schelmisch. Dieses Jahr wird aber alles anders sein. Anja Tempel streicht ihrem Sohn liebevoll über das blonde Haar. Die nächsten Wochen wird sie ohne Lennard verbringen müssen. Die zierliche Frau aus Wildau sitzt sprichwörtlich auf gepackten Koffern. Bis kurz vor Weihnachten wird sie weg sein, auf Kur in Niedersachsen. „Diese Kur wird ein Knackpunkt in meinem Leben werden“, ist sie sich sicher.

Chemotherapie, Operation, Bestrahlung

Der Aufenthalt soll ihr psychisch wieder auf die Beine helfen und der 37-Jährigen nach einer Brustkrebserkrankungen neue Kraft geben. Die erschreckende Diagnose ereilte Lennards Mutter kurz vor Weihnachten 2016. Es folgten Chemotherapie, Operation, Bestrahlung. Fast ein Jahr dauerte die Therapie. „Ich habe das ganz gut weggesteckt. Lennard ist mein Anker, er gibt mir Kraft. Ich möchte ihn aufwachsen sehen. Und ich will dafür sorgen, dass er ein toller Mann wird.“

Doch der Krebs setzte nicht nur Anja Tempels Körper und Seele zu. Auch die Beziehung zu Lennards Vater zerbrach letztlich daran. Es habe vorher schon nicht mehr gut funktioniert, erzählt sie. Er habe sie während der Krankheit aber noch weiter unterstützt und nicht allein gelassen. Dafür ist sie ihm dankbar. Sie haben sich dann im Guten getrennt. Nach zwölf Jahren Beziehung.

Mutter und Sohn suchen eine kleinere Wohnung

Nach der Trennung blieb sie gemeinsam mit Lennard in der Familienwohnung. Die drei Zimmer auf 74 Quadratmetern sind nun allerdings zu groß und vor allem zu teuer. Doch in Wildau etwas Kleineres und Günstigeres zu finden ist, ist Anja Tempel bisher nicht gelungen. Ins benachbarte Königs Wusterhausen oder andere Gemeinden will sie trotz etwas günstigerer Wohnungen nicht ziehen. „Ich will, dass Lennard in seinem gewohnten Umfeld bleibt. Er soll nicht die Schule wechseln müssen“, sagt sie. Der Zweitklässler braucht feste Strukturen. Verlässlichkeit und Vertrautes in diesen bewegten Zeiten.

In Wildau hat Lennard zudem seine Freunde und Sportkameraden. Der Siebenjährige spielt in der Tischtennis AG und liebt es, auf dem Fußballplatz zu kicken. Bei Phönix Wildau spielt er im Mittelfeld und steht auch mal im Tor. „Ich gehe auch gern mit meinem Papa angeln“, erzählt er. Regelmäßig sehen sich Vater und Sohn. „Ohne Papa würde es nicht gehen. Ich bin froh, dass die beiden so ein gutes Verhältnis haben“, sagt Anja Tempel.

Neuer Job ist durch die Krankheit wieder weg

Sie ist stolz auf Lennard, dass er die Dinge so gut meistert. Und dass er ein großes Herz hat. „Er ist sehr sozial, er möchte immer helfen“, erzählt sie. Einem Obdachlosen in Berlin zum Beispiel gab er eine Flasche zu Trinken ab, die noch ungeöffnet in seiner Tasche steckte. Gerne hätte er ihm auch etwas Geld in die Mütze gelegt, erzählt Anja Tempel. Doch das ist auch bei der Alleinerziehenden sehr knapp.

Nach ihrer Therapie und der Trennung wollte sie zumindest beruflich wieder durchstarten. Und das Schicksal bot ihr eine echte Chance: Eher zufällig bekam die gelernte Zahnarzthelferin die Möglichkeit, in einer Pathologie anzufangen. „Das wollte ich schon immer“, sagt sie. Noch heute schwärmt sie von der Arbeit. „Hätte ich dieses Angebot vor meiner Brustkrebs-Diagnose bekommen – das wäre ein Traum gewesen.“ Doch der Krebs ließ den Traum platzen. Zu sehr beeinträchtigten dessen Folgen die Alleinerziehende, ihre Ärztin diagnostizierte bald, dass Anja Tempel auch noch psychisch instabil ist. Den Job verlor sie wieder. Seither ist sie arbeitslos. Ihre Hoffnung ist, dass sie nach der Kur wieder anfangen kann zu arbeiten. „Ich möchte mich wieder um mein Leben kümmern können und nicht abhängig sein“, sagt sie.

Lennards größter Wunsch: Ein Besuch im Tropical Islands

Momentan ist finanziell wenig Spielraum für Anja Tempel. Sie versucht, vor allem Lennards Wünsche zu erfüllen, bei ihren eigenen steckt sie komplett zurück. Vor allem eines würde sie ihrem Sohn gerne ermöglichen: einen Besuch im Tropical Islands. „Aber momentan ist nicht mal ein Besuch hier im Schwimmbad in Wildau drin.“ Viel mehr wünscht sich Lennard auch nicht, wenn man ihn danach fragt. Ein Pokémon-Kartenspiel schreibt er noch bescheiden auf seinen Wunschzettel für die Sterntaler-Aktion, auf den er noch einen prächtigen Weihnachtsbaum zur Verzierung malt.

Die Vorbereitungen aufs Weihnachtsfest versucht Anja Tempel nun aber erst einmal auszublenden, damit sie sich auf die anstehende Therapie konzentrieren kann. Sie hofft, dass sie durch die Kur ihr Leben wieder in normale Bahnen bringen kann. „Ich wünsche mir, finanziell wieder alles im Griff zu haben. Ich brauche keinen Luxus. Ich möchte mir nur keine Sorgen mehr um uns machen müssen.“

Von Nadine Pensold

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