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Dahme-Spreewald Festivals: Des einen Freud, des anderen Leid
Lokales Dahme-Spreewald Festivals: Des einen Freud, des anderen Leid
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08:36 12.07.2017
Gute Stimmung beim „Blank-It“-Festival im Natursportpark von Blankenfelde-Mahlow. Quelle: Privat
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Dahmeland-Fläming

Sommerzeit ist Festivalzeit. Kaum ein Wochenende vergeht, an dem im Land Brandenburg kein Open Air stattfindet – egal ob Rock, Techno, Jazz, Klassik oder Punk. Auch in der Region Dahmeland-Fläming sind bereits einige solcher Musikveranstaltungen gelaufen, der Kalender für die kommenden Wochen ist aber gut gefüllt. Bei Musik, Sonne und Campingstimmung entfliehen Besucher dem Alltag. Besonders beliebt sind dafür große Flächen in der Natur, am besten an einem See.

Was für Festivalgänger dann idyllisch und leichtfüßig erscheint, erfordert für die Veranstalter eine straffe Organisation. Auch die Kommunen, in denen ein Festival ausgerichtet wird, haben im Vorfeld viel zu tun. Ihnen obliegt die Entscheidung, ob ein Festival überhaupt stattfinden kann. Städte und Gemeinden tragen die Verantwortung dafür, dass alle Auflagen eingehalten werden. Für sie ist es nicht nur vorteilhaft, ein Festival zu beherbergen – das zeigt das Beispiel des kürzlich von der Gemeinde Schönefeld verbotenen Festivals.

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Absage des „Second Horizon“

Ende Juni sollte das Psychedelic-Festival „Second Horizon“ am Kiekebuschsee gefeiert werden. Um die 120 Musiker und DJs unterschiedlicher Genres elektronischer Musik sollten an vier Tagen auftreten, der Veranstalter Second Horizon Events hatte bereits mit dem Aufbau begonnen und 2500 Besucher erwartet.

Doch die Gemeinde hatte das Festival zuvor untersagt. Die Begründung: Laut Bürgermeister Udo Haase (parteilos) habe kein genehmigungsfähiger Antrag vorgelegen. Das vom Veranstalter präsentierte Sicherheitskonzept sei nicht ausreichend gewesen. Im Vorjahr hatte es aus umliegenden Gemeinden massive Beschwerden wegen Lärmbelästigung gegeben. Kurz vor Beginn des Festivals bestätigte das Verwaltungsgericht Cottbus das Verbot.

Mit einem Sicherheitskonzept fängt bei der Organisation eines Festivals alles an. Der Veranstalter muss es der Kommune vorlegen und das Ordnungsamt muss es genehmigen. Dazu zählen etwa: Evakuierungsplan, Geländeplan mit Notausgängen und Feuerwehrzufahrten, Erste-Hilfe-Versorgung, Sicherheitskräfte und eventuell eine Brandschutzwache. Außerdem müssen Veranstalter bei der jeweiligen Kommune unter anderem Genehmigungen für den Ausschank, Plakatierungen, Wegbeschilderungen sowie eine Ausnahme von der Nachtruhe beantragen.

Viel Arbeit für Kommunen

Für eine Kommune wie Schönefeld sei die Ausrichtung eines Festivals zunächst einmal eine Last, erklärt Haase. „Es macht Arbeit, Krach und Dreck.“ Dennoch gebe es bei Anwohnern beliebte Großveranstaltungen. Die genehmige die Gemeinde gern. „Aber wenn es nur Widerstand unter den Bürgern gibt, geht das einfach nicht“, so Haase. „Wir haben hier schon genug Lärmbelastung durch Flughafen, Bahn und Autobahn – da brauchen wir nicht noch nächtliche Beschallung von einem Musikfestival.“

Die regionale Verankerung scheint ein wichtiges Kriterium bei der Akzeptanz von Festivals zu sein. So berichtet Juana Rockstroh vom Verein Stubenrausch, dass die Königs Wusterhausener dem vom Verein organisierten „Bergfunk-Openair“ mit etwa 2000 Besuchern wohlgesonnen gegenüberstehen. So treten neben bekannten Musikgrößen jedes Jahr Bands aus der Region auf. „Ein Großteil der Stadt feiert mit uns auf dem Berg“, sagt Juana Rockstroh. Und fügt hinzu: „Wir sind ein Aushängeschild für KW.“ Besonders Berliner zeigten sich begeistert von der Stadt und vom historischen Gelände.

Anziehungskraft auf Region

Ähnlich sieht es in Blankenfelde-Mahlow aus, wo in diesem Jahr zum zehnten Mal das „Blank-It-Openair“ im Natursportpark ausgetragen wird. Wie Alexander Fröhlich, Büroleiter des Bürgermeisters mitteilt, sei die Organisation mit der Gemeinde komplett eingespielt. „Bisher ist alles flockig gelaufen.“ So können auch lokale Acts vor größerem Publikum auftreten. „Solche Festivals haben eine hohe Anziehungskraft auf unsere Gemeinde – das strahlt bis nach Berlin aus“, sagt Fröhlich.

Ein für große Festivals beliebter Ort ist auch das ehemalige Flughafengelände in Niedergörsdorf. Dort finden unter anderem das Punkrock-Festival „Spirit“ und das Biker-Treffen „Motorcycle Jamboree“ statt. Wie Claudia Neumann, Amtsleiterin des Niedergörsdorfer Ordnungsamtes, erzählt, kämen immer wieder auch junge Leute mit der Anfrage, auf dem Gelände ein Festival zu veranstalten. „Vielen müssen wir absagen, weil sie blauäugig sind und nichts vorbereitet haben“, sagt sie. Bei Festivals mit tragfähigem Konzept sei das anders. Denn die idealen Veranstaltungsflächen mit viel Platz und Infrastruktur liegen nun einmal in der Gemeinde. „Das müssen wir auch nutzen“, sagt Claudia Neumann. „Ich sehe uns in dieser Beziehung auch als eine Art Dienstleister.“

Feuerwehren häufig involviert

Laut „Spirit“-Veranstalter Christian Werner profitieren auch regionale Akteure von der Veranstaltung des Festivals. So würden sich die Besucher in den örtlichen Supermärkten mit Lebensmittelvorräten eindecken, manche fahren Taxi, Bands schlafen in umliegenden Pensionen, essen in Gaststätten und auch die Radlader werden in der Region gemietet. „Das kurbelt die regionale Wirtschaft an“, sagt Werner.

Häufig im Einsatz ist bei Festivals auch die lokale freiwillige Feuerwehr und achtet auf den Umgang mit offenem Feuer auf Grills, bei Feuerwerken oder unterstützt die Rettungskräfte. In Niedergörsdorf sichert die örtliche Feuerwehr den Brandschutz unter anderem beim „Spirit“ und beim „Motorcycle Jamboree“. Laut Gemeindewehrführer Patrick Bellin verlaufe das meistens entspannt, je nach Festival. „Auf dem ,Spirit’ sind die Leute manchmal aggressiv, zum Bikertreffen hingegen kommen die friedlichsten Menschen überhaupt.“

Von Anja Meyer