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Dahme-Spreewald Problemlöser? ME Energy entwickelt mobile Ladesäule für E-Autos
Lokales Dahme-Spreewald Problemlöser? ME Energy entwickelt mobile Ladesäule für E-Autos
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11:39 27.11.2019
Die beiden Firmengründer und -eigentümer: Alexander Sohl und Ines Adler. Quelle: Oliver Fischer
Wildau

Alexander Sohl entspricht dem Bild, das man von einem Start-Up-Chef hat. Er ist smart. Er ist locker. Er ist vor allem jung. Mit noch nicht einmal 30 Jahren hat Sohl ein Studium abgeschlossen, zwei Jahre lang bei Bosch Erfahrung gesammelt, dann seine eigene Firma gegründet. Und nun schickt er sich an, ein Problem zu lösen, an dem die E-Mobilität seit ihrer Markteinführung krankt. Er will Ladesäulen auf den Markt bringen, die unabhängig vom Stromnetz funktionieren. Und das „Made in Wildau“.

Es ist Mittwochvormittag, als Alexander Sohl und seine Geschäftspartnerin Ines Adler zum ersten Mal offiziellen Besuch in ihre neue Werkshalle im Zentrum für Luft- und Raumfahrt einladen. Landrat Stephan Loge (SPD) ist gekommen, die Wildauer Bürgermeisterin Angela Homuth (SPD) ist auch da, beide schauen sich etwas verwundert um. Denn allzu viel gibt es noch nicht zu sehen bei ME Energy. In einer Ecke stehen ein paar Schreibtische, in der Hallenmitte hat jemand eine Tischtennisplatte aufgebaut. Ansonsten haben die acht Mitarbeiter vor allem eines: viel Platz.

Herkömmliche Ladestationen sind ungemein teuer

Das liege daran, dass sich die Firma noch in der Entwicklungsphase befindet, sagt Sohl. Und entwickelt werde vor allem am Rechner. „Alles andere wäre viel zu teuer.“ Dann geht es ans Eingemachte.

Elektromobilität komme nicht recht vom Fleck, sagt Sohl. Und er selbst habe am eigenen Leib erfahren, warum. Die Vorbehalte, die viele Autofahrer bislang gegen E-Autos haben, seien zum Teil nicht ganz unbegründet, sagt Sohl. Vor allem das Tanken sei ein Problem. Es gibt wenige Ladestationen, das Aufladen dauert lange und die Befürchtung bei Autofahrern sei deshalb groß, dass man irgendwann auf freier Strecke liegen bleibt. Ein Henne-Ei-Problem, sagt Sohl. Denn Ladestationen werden deshalb wenig gebaut, weil sie ungemein teuer sind. Ein Ladevorgang verbraucht so viel Energie wie 60 Haushalte, man muss deshalb Starkstromkabel verlegen. Aufgrund der niedrigen E-Auto-Zahlen ist das meistens nicht wirtschaftlich.

Prototyp schon funktionsfähig

Eine mögliche Lösung für dieses Problem steht aber bereits als Prototyp in einer Ecke der Halle. Sohl, studierter Chemie-Ingenieur, hat gemeinsam mit der ehemaligen Daimler-Entwicklerin Ines Adler eine neuartige Schnellladesäule entwickelt, die komplett unabhängig vom Stromnetz funktioniert. Sie erzeugt ihren Strom selbst: aus Methanol.

Vieles an der Säule sei konventionell, sagt Ines Adler. Die Säule selbst ist eine Standardsäule mit zwei elektrischen „Zapfhähnen“, die lediglich für die Zwecke der Firma optimiert wurde. Den grauen Kasten allerdings, der daran angeschlossen ist, haben andere Ladesäulen üblicherweise nicht. Darin verbirgt sich ein umgebauter Automotor, der für die Erzeugung von Strom modifiziert wurde. Wenn jemand seinen Wagen aufladen will, springt der Motor an und erzeugt Strom – genau wie ein Generator.

Energie aus Müll nutzen

Damit das umweltfreundliche Prinzip des Elektroautos funktioniere, arbeite die Ladesäule CO2-neutral, sagt Alexander Sohl. Verwendet wird ausschließlich Methanol aus Biomasse, in der vorher CO2 gebunden wurde. Der Kraftstoff könne aus jeglicher Biomasse hergestellt werden. Für Resteverwertung sei das ein großes Potenzial. „Man kann so auch die Energie aus Müll nutzen und muss sie nicht verschwenden.“

Alexander Sohl (l.) und Ines Adler – hier mit WFG-Geschäftsführer Gerhard Janßen – wollen von Wildau aus den Ladesäulen-Markt revolutionieren. Quelle: Oliver Fischer

Das ganze sei auch deutlich effizienter, als wenn man Autos direkt mit dem Biosprit betanken würde. „Der Motor ist genau für die Drehzahl optimiert, in der er Strom erzeugt, da läuft er sehr sparsam“, erklärt Ines Adler. Im Auto hingegen wäre seine Energiebilanz deutlich schlechter, weil er aufgrund ständigen Bremsens und Beschleunigens weit weniger effizient arbeiten könnte. Elektromotoren hätten diesen Energieverlust aber nicht. „Mit unserer Ladesäule verbrauche ich 30 Liter Kraftstoff für 600 Kilometer“, sagt Alexander Sohl. „Bei einem Verbrennungsmotor im Auto wäre es das Doppelte.“

Entwicklung nur mit Investoren möglich

Eineinhalb Jahre haben die beiden Entwickler über der Ladesäule gebrütet. Sie haben sie erdacht, entwickelt, fünf Patente dafür angemeldet. „Das ist ein teures Unterfangen und nur möglich, weil wir Investoren haben“, sagt Alexander Sohl. Zu den Geldgebern der Firma gehöre ein ehemaliger Porsche-Vorstand, ein Klinikum-Vorstand, auch das Land Brandenburg ist an dem Start-Up beteiligt.

Auch wenn der Motor noch ohrenbetäubend lärmt: Landrat Stephan Loge (r.) zeigte sich von der Vorführung beeindruckt. Quelle: Oliver Fischer

Den Investoren wurde die Ladesäule vor wenigen Tagen vorgeführt. „Sie waren angetan“, sagt Sohl. Am Geräuschpegel könne man noch etwas optimieren, sagt Ines Adler. „Aber uns war erst einmal wichtig, dass das Prinzip funktioniert. Und das tut es.“ Ab April sollen die ersten beiden Stationen bei einem Partner aufgebaut und getestet werden. In den Verkauf gehen soll das System 2021. Ziel seiner Firma sei es mindestens, die Ladesäule in Kleinserie zu produzieren, sagt Alexander Sohl. Dafür werde man bald auch Maschinen anschaffen. „Dann wird sich auch die Halle füllen.“

Homuth: „Eine Säule kann vor unser Rathaus“

Vorbestellungen gebe es auch schon, sagt Alexander Sohl. Wildaus Bürgermeisterin Angela Homuth sieht auch schon Möglichkeiten dafür in ihrer Gemeinde. „Wenn die Geräte auf dem Markt sind, kann eine Säule auch vor dem Rathaus stehen“, sagt sie.

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Ganz billig wird das Ganze freilich auch ohne Stromnetz nicht. Pro Gerät werden wahrscheinlich zwischen 85.000 und 100.000 Euro fällig. Aber: So teuer sei in der Regel schon der Stromanschluss einer herkömmlichen Säule, betont Alexander Sohl. Und: Anders als eine vernetztes Gerät könne die Generator-Station, wenn sie an ihrem Standort nicht angenommen wird, einfach auf einen Lkw geladen und umgesetzt werden.

Von Oliver Fischer

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