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Dahme-Spreewald Fleur hat ihr Glück gefunden
Lokales Dahme-Spreewald Fleur hat ihr Glück gefunden
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05:33 29.07.2017
Die vier Monate alte Fleur in ihrem neuen Zuhause. Sie wurde aus dem Tierheim in Märkisch Buchholz adoptiert. Quelle: Andrea Müller
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Märkisch Buchholz

Die Schwangerschaft beim Menschen dauert in der Regel neun Monate. Bei mir dauerte sie ein Jahr, sechs Monate und zwei Wochen. Jetzt ist das Kind da. Ein Mädchen – es heißt Fleur.

Die Anschaffung eines Tieres will gut überlegt sein. Manche verstehen so einen Vierbeiner als Spielzeug und wundern sich später, dass es gefüttert, gestreichelt, gebürstet, ausgeführt, möglicherweise beim Tierarzt für nicht wenig Geld behandelt und auch im Urlaub umsorgt sein muss. Manche überfordert das und ihre Tiere landen im Tierheim in Märkisch Buchholz.

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Noch hinter Gittern: Fleur sucht nach einem ersten Kontakt und lässt nicht locker. Sie will immer wieder gestreichelt werden, obwohl das so gar nicht so einfach ist. Quelle: C. Gronau

Margot Wendland und ihr Team dort können ein Lied davon singen. Einige von ihnen sind hier seit zwanzig Jahren im Dienst und wissen genau, wovon sie sprechen. Sie haben tagtäglich mit den Tieren zu tun, die irgendwo zu viel waren, die keiner mehr haben wollte – manchmal auch nicht mehr wegen Krankheit oder Tod umsorgt werden konnten. Jedes Lebewesen hier hat eine besondere Geschichte mitgebracht. Meist sind es keine glücklichen.

Dennoch gibt es oft ein Happyend. Dann nämlich, wenn Leute kommen, die von hier einen Hund, eine Katze, ein Meerschwein, Kaninchen oder Hamster adoptieren. Laut Statistik vermittelt das Tierheim in Märkisch Buchholz pro Jahr im Durchschnitt 350 Katzen – das ist fast eine Katze pro Tag. Darüber hinaus finden durchschnittlich 250 Hunde ein neues Zuhause sowie 150 Kleintiere. Die im Heim zu versorgen, ist nicht einfach. „Gegenwärtig fehlt es vor allem an Dosenfutter für die Hunde. Da sind wir für jede Spende dankbar“, sagt Wendland.

Im neuen Zuhause wird die Umgebung erkundet – nichts ist sicher vor der Neugier der jungen Katze, die über alles auch gern mit dem neuen Ball-Spielzeug tobt. Quelle: Andrea Müller

Katzen seien bei der Vermittlung ein großes Problem, so die Chefin des Tierheimes, die auch dem Tierschutzverein Königs Wusterhausen vorsteht. Es gebe vermeintliche Katzenliebhaber, die wildlebende Katzen anfütterten, vielleicht sogar auch deren Junge, aber sich sonst nicht um den Wurf kümmerten. „Solche Katzen können später keinen Kontakt zu Menschen finden und verwildern“, erklärt sie. Diese Tiere dann aus dem Tierheim, wo sie früher oder später landen, an neue Besitzer zu vermitteln, sei unmöglich. Diese Katzen könnten nur an Bauernhöfe oder ähnliches weitergegeben werden, um dort frei lebend Mäuse zu fangen.

Fleur stammt nicht aus einem solchen Wurf. Sie hatte schon als junges Tier Kontakt zu Menschen. Sie wurde gemeinsam mit ihren Geschwistern im Tierheim bald nach der Geburt abgegeben. Dennoch hatte ich zunächst „Frau Berg“ ins Auge gefasst. Die Dame hatte sich gleich bemerkbar gemacht. Ihr schwarzes Fell hielt sie meinen Fingern durch das Gitter entgegen. Neben ihr wohnt „Don Corleone“, der prächtig aussieht mit seinem Wuschelfell und den riesigen Augen. Auch „Tante Emma“ und vor allem die Katzenbabies eroberten in Windeseile mein Herz.

Im Tierheim in Märkisch Buchholz ist man vor allem auch auf Spenden angewiesen. Sie sollten zu den Öffnungszeiten gebracht werden. Die sind Dienstag und Donnerstag von 10-12 Uhr und 15 bis 17 Uhr sowie Samstag von 10-12 und 13 bis 15.30 Uhr. Quelle: Andrea Müller

Doch auf einmal warf sich in meinem Rücken jemand gegen die Gitter. Ich war geradezu verblüfft, dass solch ein kleiner Körper diese Energie erzeugen kann. Fleur spielte jeden Trumpf aus, um mir zu signalisieren: Nimm mich! Zugegeben, sie hatte ein leichtes Spiel. Fleur ist eine Glückskatze. Das sagt man zu Katzen, die dreifarbig sind – grau, weiß, braun. Fleur streckte mir abwechselnd Pfötchen, Buckel und Köpfchen entgegen. Nach einer halben Stunde stand die Entscheidung fest. Fleur würde mein Adoptivkind sein.

Ingrid Behne – sie arbeitet seit inzwischen fünf Jahren ehrenamtlich im Tierheim – stand mir bei der Adoption zur Seite. Damit ist nicht nur das Ausfüllen von Verträgen gemeint und das Bezahlen der Gebühr für die Vermittlung. Sie hatte auch Zeit und Gehör für meine „Bauchschmerzen“, die ich allein nicht besänftigen konnte. Würde mein behinderter Sohn mit Fleur Freundschaft schließen können? Manchmal ist eben guter Rat teuer. Doch Ingrid Behne hörte zu und beruhigte mich. „Geben Sie der Katze erst einmal Zeit anzukommen, sich einzugewöhnen, eine Beziehung zu Ihnen und Ihrem Sohn aufzubauen“, sagte sie. Sollte es jedoch gar nicht klappen, dann würde das Tierheim eine Wiederaufnahme nicht verweigern.

Tiere wollen sich nicht langweilen. Deswegen ist Beschäftigung und Herausforderung ganz wichtig. Fleur lässt auf der Jagd nach den drei Bällen nicht locker. Quelle: Andrea Müller

Das kommt aus heutiger Sicht überhaupt nicht in Frage. Fleur ist wild und sanft zugleich. Mal flitzt sie wie ein Blitz durch die Wohnung, dann wieder kommt sie, um sich in meine Armbeuge zu legen. Ich habe ihr Zeit gelassen, von allein in meine Nähe zu kommen. Zwei Tage hat das gedauert. Keine lange Zeit, wie ich finde. Meinen Sohn werde ich dieses Wochenende bitten, es genauso zu machen. Dann wird bestimmt alles gut.

Von Andrea Müller