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Dahme-Spreewald Verbandspräsident: „De facto ist der BER zu klein“
Lokales Dahme-Spreewald Verbandspräsident: „De facto ist der BER zu klein“
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00:25 15.06.2019
Peter Gatz ist Vorsitzender des Branchenverbands German Business Aviation Association, der die Interessen des Geschäftsluftverkehrs vertritt. Quelle: Nadine Pensold
Schönefeld

Der avisierte Eröffnungstermin für den BER rückt näher. In 16 Monaten, so die aktuelle Planung, soll der Flughafen endlich in Betrieb gehen. Für eine Luftverkehrsbranche bringt dieser lang herbeigesehnte Moment aber auch so manche Unsicherheit mit sich. Die Rede ist von der Geschäftsluftfahrt, der sogenannten Business Aviation, die vor allem mit kleineren Maschinen und abseits der Linienfliegerei unterwegs ist und somit auch kurzfristige und spontane Nachfrage nach Flügen bedienen kann.

Jetziges GAT wird mittelfristig geschlossen

„De facto ist der BER zu klein“, bringt es Peter Gatz schnell auf den Punkt, wenn man ihn nach den befürchteten Schwierigkeiten am Hauptstadtflughafen fragt. Er ist selbst Geschäftsführer eines Charterflugunternehmens und vertritt als Vorsitzender des Verbands GBAA (German Business Aviation Association) die Interessen der Branche in Deutschland. Er fürchtet, dass die Geschäftsluftfahrt bald weitere Rückschläge in der Region erleiden wird. Denn mit Inbetriebnahme des BER wird das Ende des aktuellen General Aviation Terminals (GAT) eingeläutet. Dort werden die Kunden der Charterunternehmen – von Geschäftsleuten über politische Berater bis hin zu Sportmannschaften – abgefertigt. „Wenn das GAT geschlossen wird, sollen wir das provisorische Regierungsterminal bekommen. Das wird aber nicht nahtlos gehen, weil das endgültige Terminal noch gar nicht absehbar fertig ist. Für eine Zwischenlösung sind uns keine Pläne bekannt“, sagt Peter Gatz.

Geschäftsflugverkehr in Deutschland

Zum Geschäftsfeld der Business Aviation gehört in Deutschland vor allem der Personentransport. Durch Charterflüge sollen Kunden durch die Anbindung an Regionalflughäfen schneller an ihr Ziel gelangen.

Es wird aber teilweise auch Luftfracht mit kleinen Flugzeugen transportiert. Vor allem dann, wenn es um eilige Sendungen geht oder die Lieferung an einen Zielflughafen erfolgt, der keine andere Anbindung hat.

In Deutschland gibt es rund 960 Flugplätze, die 25 Hauptverkehrsflughäfen, zu denen auch Schönefeld und Tegel gehören, machen demnach nur etwa drei Prozent des deutschen Luftverkehrssystems aus.

Zwei Drittel aller Flüge in Deutschland sind nicht der Linienluftfahrt zuzuordnen, knapp 70 Prozent aller Flugbewegungen finden außerhalb der Hauptverkehrsflughäfen auf regionalen Plätzen wie zum Beispiel Schönhagen statt.

In Europa gibt es rund 374 000 Arbeitsplätze im Bereich des Geschäftsflugverkehrs

Die Daten stammen aus einer Studie des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt, der Holm GmbH und der Hochschule Bad Honnef zum dezentralen Luftverkehr in Deutschland.

Wie die Flughafengesellschaft (FBB) auf MAZ-Nachfrage mitteilt, soll das GAT auch nach Oktober 2020 zunächst weiter am bisherigen Standort bleiben. Im Zuge des weiteren Flughafenausbaus werde es aber mittelfristig einen neuen Standort am BER geben. „Kapazitäten für Business Aviation werden wir auch künftig entsprechend der Nachfrage anbieten“, heißt es in der Antwort der FBB.

Kaum freie Kapazitäten für Geschäftsflüge in Schönfeld und Tegel

Diese Perspektive sieht auch Andreas Mundsinger, Geschäftsführer der GBAA, mit gemischten Gefühlen. Denn schon jetzt stoße man in Schönefeld und Tegel an Kapazitätsgrenzen was Start- und Landeslots sowie Hangarflächen angeht. „Den Status quo müssen wir jetzt wenigstens erhalten und den nicht noch weiter zerstören“, mahnt er. „Denn der Geschäftsflugverkehr ist ein unverzichtbares Bindeglied in der deutschen Luftfahrt.“

Andreas Mundsinger, Geschäftsführer German Business Aviation. Quelle: privat

Allerdings habe der Branchenzweig keinen guten Stand in Deutschland. Das liege auch daran, dass der Geschäftsfliegerei ein gewisses „Champagner-Kaviar-Image“ anhaftet, wie Peter Gatz erklärt und sogleich widerlegen möchte: „Der Geschäftsflugverkehr dient überwiegend dem Business und nicht dem Luxus. Da wird selten Champagner bestellt, sondern eher Vollkornbrot und Mineralwasser. Auf diesen Flügen wird gearbeitet.“

Regierungssitz erhöht Bedarf für Geschäftsflüge

Berlin sei unter anderem als Hauptstadt ein gefragtes Ziel, das Regierungsberater, Unternehmer und Investoren ansteuern und schnell erreichen wollen. „Für die Region ist es vielleicht wichtiger, dass ein Jet mit zwei Passagieren hier landet und diese sich entschließen hier 1000 Arbeitsplätze zu schaffen, als hundert Boeing 737 mit Urlaubern, die von Schönefeld nach Mallorca fliegen“, so der GBAA-Vorsitzende.

Durch die Ungewissheit am künftigen Hauptstadtflughafen in Schönefeld rückt dafür ein anderer Standort in der Region immer mehr ins Interessenfeld der Geschäftsfliegerei: der Flugplatz im Trebbiner Ortsteil Schönhagen. „Er ist eine gute Alternative für den Geschäftsflugverkehr“, sagt Andreas Mundsinger. „Wir brauchen eine Infrastruktur, damit unsere Kunden möglichst nah und schnell an den Orten ihrer Gespräche sind. Dazu bedarf es keiner drei Kilometer langen Landebahn.“

Flugplatz Schönhagen nur bedingt eine Alternative

Allerdings kann die Branche in Zukunft nur bedingt auf den kleinen Flugplatz setzen. Die Landebahn steht nur für Flugzeuge bis 14 Tonnen zur Verfügung und ist somit nur für kleine Flugzeuge geeignet. Damit scheidet er für den Anflug einer Vielzahl von vor allem internationalen Geschäftskunden schon wieder aus. Auch die Kapazitäten an Hangars, Feuerwehr, Räum- und Winterdienstfahrzeugen sind in Schönhagen begrenzt, erklären Peter Gatz und Andreas Mundsinger.

Zudem dürfe sich der Standort nicht als Konkurrent zum BER entwickeln, sagt Peter Gatz. „Dabei gäbe es mit kleinem Geld erhebliche Verbesserungsvorschläge, um den BER und Schönefeld zu entlasten. Würde man das Geld, das die Ruine BER an einem Tag kostet, in Schönhagen stecken, wären da alle Probleme gelöst.“

Gatz’ Fazit für die aktuelle Situation des Geschäftsflugverkehrs in Schönfeld ist daher ein ernüchterndes: „Wir können keinen Plan machen. Konkrete Termine gibt es für uns nicht. Wir haben daher keine Wahl und müssen abwarten.“

Von Nadine Pensold

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