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Dahme-Spreewald Gegner der Eugal-Pipeline gibt nicht auf
Lokales Dahme-Spreewald Gegner der Eugal-Pipeline gibt nicht auf
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18:35 19.05.2018
Erdgasleitungen der Opal-Trasse werden 2009 in die Erde gelegt. So ähnlich dürfte es auch in naher Zukunft bei der Eugal-Trasse aussehen. Quelle: Gascade (Archiv)
Dahmeland-Fläming

In wenigen Monaten soll der Bau der neuen Europäischen Gas-Anbindungsleitung (Eugal) beginnen, die quer durch die Landkreise Dahme-Spreewald und Teltow-Fläming führt. Wolfgang Georgsdorf aus Groß Köris versucht das zu verhindern. Er kämpft seit nunmehr zehn Jahren gegen Gasleitungen, die direkt an seinem Grundstück vorbei führen.

Geht es nach dem Plan der Firma Gascade, einer Tochter des BASF-Konzerns und des russischen Unternehmens Gazprom, wird sich die Pipeline ab nächstem Jahr etwa 272 Kilometer lang mitten durch die Brandenburger Natur schlängeln. In Radeland bei Baruth wird eine neue sogenannte Verdichterstation gebaut werden, die mit Hilfe von drei Flugzeugturbinen das Gas beschleunigt und konzentriert, damit es schneller durch die Leitungen fließen kann. Die großen Rohre liegen bereits parat (die MAZ berichtete), obwohl noch keine endgültige Genehmigung gegeben wurde. Gascade ist sich seiner Sache offenbar sehr sicher.

Proteste bereits vor zehn Jahren

Vor rund zehn Jahren, als auf der gleichen Trasse bereits eine ganz ähnliche Pipeline durchs Land gelegt wurde, war das anders. Die Firma Gascade hieß damals noch Wingas, die Gasleitung hieß Opal. Damals gründeten sich insgesamt fünf Bürgerbewegungen, die heftige Proteste einlegten: Umwelt- und Sicherheitsaspekte waren von der Gas-Firma falsch eingeschätzt worden, ein Teil der Strecke musste neu geplant und schließlich umverlegt werden. Die ursprünglich in Groß Köris geplante Verdichteranlage wurde nach Radeland gesetzt. Wolfgang Georgsdorf, Künstler aus Groß Köris, führte damals die Bewegung „Opal-so-nicht“ an. Er setzt sich auch jetzt wieder gegen Eugal ein, doch seine Initiative „Eugal – so nicht!“ hat nicht viele Unterstützer. Die Menschen scheinen inzwischen müde vom Protest gegen Gas-Pipelines zu sein oder sie haben den Mut verloren.

Pipeline 100 Meter vom Haus entfernt

Nicht so Wolfgang Georgsdorf: „Das ist eine Riesen-Sauerei, die dort passiert“, sagt er. Georgsdorf hat gute Gründe, so zu schimpfen, denn Eugal bringt nicht nur Gas: Der Bau bedeutet erhebliche Eingriffe in die Natur, schließlich wird der Korridor, in dem die Rohre verlegt werden auf mehreren Metern von sämtlichen Pflanzen geräumt und über zwei Meter tief ausgegraben. Das geschieht auf der freien Wiese ebenso wie im Wald und nur knapp 100 Meter von Wolfgang Georgsdorfs Haus entfernt. Mitten im Wald soll auch die neue Verdichterstation gebaut werden. Deren Schlote ragen 32 Meter hoch in den Himmel und der Lärm der Turbinen schallt mehrere Kilometer weit.

Der Wald ist für den 59-jährigen Wolfgang Georgsdorf nicht nur ein wertvolles Stück Natur, sondern auch Raum für seine Kunst. Seit vielen Jahren engagiert er sich im Naturpark Dahme-Heideseen. Er hat unter anderem den Waldwanderweg Lesefährten im Landkreis Dahme-Spreewald mitgestaltet, organisiert regelmäßig ein Waldkino und hat bei der Ortschaft Hammer im Wald ein großes Xylofon aus Baumstämmen errichtet.

Der Künstler Wolfgang Georgsdorf aus Gros Köris protestiert gegen die Eugal-Pipeline. Quelle: Erik Scholz

Nicht nur die Natur sieht Georgsdorf gefährdet, auch die Menschen, die in der Nähe der Pipeline leben, würden um ihre Sicherheit gebracht. Wo große Mengen Gas mit hohem Druck durch den Boden schießen, ist die Gefahr durch ein Unglück sehr groß. Gasexplosionen können verheerend sein, vor allem, wenn mehrere Pipelines direkt nebeneinander liegen, wie es bei Eugal und Opal aller Voraussicht nach der Fall sein wird.

Gasbedarf in Europa

„Wir brauchen Eugal nicht. Die Pipeline schafft nur negative Folgen für die Natur, für die Sicherheit und das Gemeinwohl. Sie wird aus rein privatwirtschaftlichen Interessen gebaut und nützt vor allem den fragwürdigen geostrategischen Plänen Russlands“, sagt Georgsdorf. Er weißt darauf hin, dass von dem Gas, das durch Brandenburg fließen soll, sowieso kaum etwas in den Haushalten der Region ankommt.

Eugal spielt im europaweiten Netzentwicklungsplan eine wichtige Rolle: Das Gas stammt aus Russland und wird durch die Ostsee-Pipeline „Nordstream“ nach Deutschland geleitet. Über Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Sachsen fließt es nach Tschechien und von dort weiter bis nach Österreich. Ob und wie viel Gas tatsächlich in Brandenburg bleibt, ist unklar. Gascade äußerte auf MAZ-Anfrage dazu, ein Teil des Eugal-Gases werde in Deutschland verbleiben, aber als Netzbetreiber könnten sie für Brandenburg keine genauen Angaben dazu treffen.

Laut Gascade habe die europaweite Marktabfrage mit dem passenden Namen „more capacity“ (mehr Kapazität) ergeben, dass zwischen Deutschland und seinen Nachbarländern ein großer Transportbedarf bestünde, den Eugal decken würde.

Für Georgsdorf ist das vollkommen absurd: „Man kann immer behaupten, dass wir mehr Gas brauchen und natürlich steigt der Energiebedarf in der Bedarfsbegründung von Gascade. Aber die Zukunft gehört den erneuerbaren Energien, nicht dem Gas.“ Vor allem stört ihn, dass Erdgas in Russland immer häufiger mit der umstrittenen Methode des „Fracking“ gefördert wird, bei dem man durch hydraulisches Aufbrechen an Öl- oder Gasvorkommen gelangt, die sich in Gesteinsschichten befinden.

Dass Fracking-Gas durch die Eugal-Pipeline strömen wird, kann Gascade nicht ausschließen. „Wir transportieren nur Gas – das heißt, dass wir als Netzbetreiber keine Aussagen zu den Produktionsbedingungen von Erdgas treffen können“, teilte ein Firmen-Sprecher mit. Die Eugal sei eine Pipeline, die Gas aus verschiedenen Quellen und Herkunftsorten transportieren kann.

Umweltschäden durch Verdichteranlage

Laut Georgsdorf ist klar, dass die neue Gas-Verdichterstation bei Radeland schädliche Abgase verursachen wird. Schon die bereits vorhandene Station der Opal-Pipeline stoße alljährlich rund 500 000 Tonnen CO2 aus. Durch die neue Anlage würde sich dieser Wert verdoppeln. Hinzu kommt, dass die Flugzeugturbinen, die in der Verdichterstation eingebaut werden, mit Erdgas angetrieben werden. Gas, das aus der Eugal-Pipeline kommen wird. Laut Georgsdorf sorgt Gascade so quasi nebenbei dafür, dass auch tatsächlich immer genug Gas verbraucht wird und die Pipeline sich lohnt. Die Firma Gascade erklärt, dass nach Stand ihrer Erkenntnisse die Verdichterstation mit Gas zu betreiben, sicher und vor allem die „wirtschaftlich effizienteste Lösung“ sei.

Die Eugal-Pipeline in der Übersicht

Die Erdgasleitung Eugal verläuft auf rund 480 Kilometern durch drei Bundesländer: 102 Kilometer in Mecklenburg-Vorpommern, 272 Kilometer in Brandenburg und 106 Kilometer in Sachsen.

Die Trasse geht von der Empfangsstation Lubmin bei Greifswald bis zur deutsch-tschechischen Grenze bei Deutschneudorf.

Der Innendurchmesser der Rohre beträgt 1,4 Meter. Pro Jahr können durch Eugal maximal 55 Milliarden Kubikmeter Gas transportiert werden.

Eugal ist kaum noch aufzuhalten. Der Zeitplan steht fest, bis zum Sommer sollen in Deutschland alle Planfeststellungsverfahren abgeschlossen sein. Die Frist, Einspruch zu erheben, ist vielerorts schon verstrichen. Georgsdorf hat seine Einwände allerdings pünktlich eingereicht. Die Behörden prüfen seine schriftlichen Proteste. „Es gibt den einseitigen politischen Willen, diese Gas-Leitung zu bauen. Dennoch werden die Behörden die Eugal überall dort erlauben, wo eben diese politische Weisung der regierenden Partei vorliegt.“

Der 59-Jährige gibt nicht auf. Es solle hinterher bloß niemand behaupten, nichts gewusst zu haben, sagt er kämpferisch. „Wir sind noch lange nicht am Ende.“

Von Jonas Nayda

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