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Dahme-Spreewald Verzögerungen beim Kaiserbahnhof
Lokales Dahme-Spreewald Verzögerungen beim Kaiserbahnhof
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00:20 28.06.2018
Der Kaiserbahnhof in Halbe wird seit einigen Jahren restauriert. Quelle: Frank Pawlowski
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Halbe

Fast ehrfüchtig blickten die Besucher hinauf zu den fein bemalten Decken, bestaunten die Säulen und Bögen. Innen sieht der Kaiserbahnhof in Halbe fast schon wieder so aus wie 1865, als er errichtet wurde. Beim Tag der Architektur am Sonntag nutzten viele Schaulustige die Gelegenheit, sich ein Bild vom Wiederaufbau zu machen. Doch der gerät nun kurz vor der Ziellinie ins Stocken.

Applaus für den Eigentümer

Zur ersten Führung am Mittag hatten sich rund 70 Besucher eingefunden. Auch der Eigentümer des Bahnhofs, der Neuseeländer Peter Macky, war da. Er genoss den Applaus sichtlich und fuhr kurz darauf beschwingt zurück in seine Berliner Wohnung. „Das kann sehr helfen“, sagte Stefan Zappe. Der 58-Jährige übernahm vor drei Jahren das Zepter bei der Restaurierung des denkmalgeschützten Gebäudes.

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Der Kaiserbahnhof in Halbe wurde 1865 für den Preußen-König gebaut. Und so herrschaftlich sieht er fast schon wieder aus. Besucher bestaunten am Sonntag die Fortschritte bei der Restaurierung der drei repräsentativen Hallen im Erdgeschoss. Hier soll es einmal ein Museum und ein Restaurant geben.

Firmen sind zu teuer

Denn nur wenn Hausherr Peter Macky weiter Lust auf das kostspielige und zeitraubende Vorhaben hat, wird es zu Ende gebracht werden können. Doch ausgerechnet beim Endspurt tun sich gravierende Probleme auf. Sogar die geplante Eröffnung im Juli 2019 steht plötzlich in Frage. Für den Innenausbau, einen Anbau und für die Gestaltung des Gartens laufen die Ausschreibungen. Doch passende Angebote gibt es bislang nicht. „Im Prinzip könnten wir beginnen, aber die Preise liegen bis zu 60 Prozent über dem normalen Niveau“, sagte Stefan Zappe.

Baldiger Baubeginn unwahrscheinlich

Grund sei die gute Auftragslage bei Handwerksfirmen. Deren Kapazitäten seien ausgeschöpft, mache Firmen seien sogar überfordert mit der Vielzahl von Aufträgen. So ist zumindest mit zeitlichen Verzögerungen zu rechnen. Der geplante Baubeginn im Juli ist derzeit eher unwahrscheinlich.

Architekt Stefan Zappe. Quelle: Frank Pawlowski

Ehepaar war beeindruckt

Doch davon bekamen die Gäste am Sonntag nicht viel mit. Familie Schuster aus Kleinmachnow war beeindruckt. Das Ehepaar erkundet seit Jahren bei den Architektur-Tagen brandenburgische Sehenswürdigkeiten, sucht sich stets auch neue Ziele aus. Den Kaiserbahnhof in Halbe kannten sie noch nicht. „Wir lieben alte Bauten, wenn sie gut gemacht sind“, sagten sie.

Kaiserbahnhof für einen König

Auch zur zweiten Führung am Nachmittag war der Andrang groß im Bahnhof, der eigentlich gar kein Kaiserbahnhof ist. Eher ein „Königlicher Bahnhofspavillon“, wie Stefan Zappe sagte. Denn gebaut wurde er für Wilhelm I., als der noch Preußen-König war, erst später wurde er zum ersten deutschen Kaiser gekrönt. Für seine Jagdausflüge in die Dubrow bekam er in Halbe gleich neben dem Bahnhof fürs Volk ein standesgemäßes Empfangsgebäude mit Kaisersaal, Gefolgesaal und Eingangshalle.

Zeichnung des Bahnhofs aus dem Architektumuseum der TU Berlin. Quelle: Frank Pawlowski

Museum und Ferienwohnung geplant

Wilhelm I. soll drei Mal hier gewesen sein, aber belegt sind die Besuche nicht. Im neuen Kaiserbahnhof soll es ein Museum mit wechselnden Ausstellungen geben. Die erste wird dem Architekten des Bahnhofs, August Orth, gewidmet sein. Außerdem sind ein Café und ein Restaurant geplant, im Obergeschoss entsteht eine Ferienwohnung.

Nachbar-Bahnhof wurde verkauft

Die sollen übrigens auch im regulären Halber Bahnhof nebenan geplant sein, der seit Jahren leer steht. Er ist verkauft worden, der neue Eigentümer will außerdem eine Begegnungsstätte mit Vortrags- und Seminarräumen einrichten, wie am Sonntag zu hören war.

Von Frank Pawlowski

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