Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Dahme-Spreewald Aufschwung bei Handwerksazubis hält an
Lokales Dahme-Spreewald Aufschwung bei Handwerksazubis hält an
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:42 26.06.2019
Betriebsklima in den Mittelpunkt gerückt: Andreas Klaue, Inhaber der Zeuthener Firma Reifen-Tauchmann. Quelle: Gerlinde Irmscher
Dahme-Spreewald

In jeder Krise steckt auch eine Chance heißt es. Womöglich werden die Handwerker das in einigen Jahren rückblickend auch so sehen. Knapp zehn Jahre lang gingen die Ausbildungszahlen im Handwerk nur nach unten, der Azubimangel nahm solche Auswüchse an, dass sich die Klage darüber schon nach Abgesang anhörte. Aber seit drei Jahren geht es wieder bergauf, aktuell sogar steil. 312 Jugendliche haben sich in diesem Jahr bereits für eine Ausbildung im Handwerk entschieden, das sind 25 Prozent mehr als noch vor einem Jahr heißt es aus der Handwerkskammer Cottbus.

Dafür gibt es mehrere Gründe. Einer ist demografisch: Die Zahl der Schulabgänger hat im Jahr 2014 ihren Tiefststand erreicht, seither steigt sie wieder, womit auch mehr Schulabgänger dem Ausbildungsmarkt zur Verfügung stehen. Ein weiterer dürfte in diesem Jahr auch darin zu sehen, dass das Ausbildungsjahr knapp einen Monat früher beginnt als im letzten Jahr. Anfang August geht es in den Betrieben und Berufsschulen schon los, bis dahin müssen sich auch die jungen Männer und Frauen entschieden haben. „Dadurch nehmen die Bewerbungen auch früher an Dynamik auf“, sagt die Sprecherin der Handwerkskammer Cottbus, Veronica Martin.

Kammer hat Beratung intensiviert

Aber: Der Aufwärtstrend kann auch darin begründet sein, dass das Handwerks selbst seine Herangehensweise überdacht hat. Die Kammer geht inzwischen in Schulen, karrt Schüler zu den Lehrwerkstätten in den Süden des Landkreises, im Herbst soll es sogar Zeltlager geben, wo Handwerksberufe im Mittelpunkt stehen. Zuletzt hat die Kammer in der Außenstelle Königs Wusterhausen auch einen neuen Raum angemietet, um häufiger Lehrstellenberatungen anbieten zu können. Das Angebot werde auch gut genutzt, sagt Berater Stefan Zupp, der dort regelmäßig Jugendliche in Empfang nimmt, mit ihnen über Perspektiven spricht und ihre Unterlagen begutachtet.

Die beliebtesten Berufe

Beliebtester Ausbildungsberuf ist immer noch der Kfz-Mechatroniker. Im Cottbuser Kammerbezirk haben 75 junge Männer und Frauen Verträge in diesem Beruf unterzeichnet. Das ist einsame Spitze.

Dahinter folgen Anlagenmechaniker SHK (Sanitär, Heizung, Klima) mit 24 Verträgen, Elektroniker (18), Metallbauer (12) und Augenoptiker (11).

Bei den Kfz-Mechatronikern sind auch die meisten Stellen auf dem Markt. Trotz 75 Verträgen sind noch 47 Stellen unbesetzt. Damit liegt die Branche auch in dieser Rubrik vorn.

Es folgen Anlagenmechaniker SHK (45 freie Stellen), Elektroniker (39 freie Stellen), Metallbauer (35), Friseur (22), Gerüstbauer (18), Bäcker (16) und Dachdecker (16).

Eine Übersicht über die noch freien Stellen gibt es im Internet unter www.hwk-cottbus.de

Dadurch erreiche man deutlich mehr Jugendliche, entsprechend größer sei die Chance, auch welche für einen der 120 Handwerksberufe zu begeistern, sagt Heiko Vesper von der Außenstelle Königs Wusterhausen. „Aber inzwischen haben auch die Betriebe erkannt, dass sie sich ändern müssen. Sie wollen sich einen Namen als gute Arbeitgeber machen, weil Sinnhaftigkeit und Betriebsklime heute für die Jugendlichen wichtiger sind als Geld.“

Freie Getränke, Kitazuschüsse

Einer, der diese Strategie erfolgreich umsetzt, ist Andreas Klaue. Der 35-Jährige hat vor zweieinhalb Jahren die Zeuthener Firma Reifen-Teichmann übernommen und systematisch umgebaut. Zum einen hat er die Firma vergrößert und aus dem reinen Reifengeschäft eine vollwertige Kfz-Werkstatt gemacht. Zum anderen hat er aber auch das Arbeitsklima in den Mittelpunkt seiner Bemühungen gestellt.

Für die Mitarbeiter gebe es freie Getränke, eine betriebliche Altersvorsorge, Tankgutscheine und flexible Arbeitszeiten, erzählt Klaue. Freitags isst die Belegschaft zusammen. Die Firma übernimmt Kitakosten für seine Angestellten und passt die Arbeitszeiten an die Betreuungszeiten der Kinder an. Andreas Klaue hat sogar Kontakt mit der Technischen Hochschule Wildau aufgenommen, um Möglichkeiten zu finden, wie sich das Wechseln der schweren SUV-Reifen für seine Angestellten erleichtern lässt.

Für dieses Paket wurde er von der Wirtschaftsförderung Dahme-Spreewald bereits als bester Arbeitgeber des Landkreises ausgezeichnet. Ein Image, das ihm bei der Gewinnung der raren Fachkräfte und Azubis hilft. Fünf Leute hat er in den zweieinhalb Jahren eingestellt. „Und ich musste nicht eine Stelle ausschreiben“, sagt er.

Solche Entwicklungen können die Handwerker als Gewinn verbuchen können – auch wenn im Kammerbezirk Cottbus noch immer 409 Stellen unbesetzt sind.

Von Oliver Fischer

Die personellen Weichen für die nächste Wahlperiode hat der Kreistag Dahme-Spreewald gestellt: Sylvia Lehmann (SPD) ist die neue Vorsitzende. Die AfD bietet derweil eine konstruktive Zusammenarbeit an.

29.06.2019

Bereits über ein Jahr vor der Eröffnung des Hauptstadtflughafens BER steigt der Fachkräftebedarf bei der Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg. Allein bis zum Jahresende sollen 160 neue Mitarbeiter eingestellt werden. Auch andere Firmen werden in den kommenden Monaten viele Stellen ausschreiben. Ein Überblick, welche Berufsgruppen vom Job-Boom profitieren können.

29.06.2019

Kersten Haase wurde einstimmig zum Vorsitzenden der Heideseer Gemeindevertretung gewählt. Bürgermeister Nimtz wurde zum Vorsitzenden des Hauptausschusses gewählt.

25.06.2019