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Dahme-Spreewald „Handwerk ist High Tech“
Lokales Dahme-Spreewald „Handwerk ist High Tech“
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00:19 27.02.2019
Ein Gas-Wasser-Heizungsmonteur mit Werkzeug und Laptop. So sieht Digitalisierung im Handwerk aus. Quelle: Alexander Raths/Fotolia
Königs Wusterhausen

Heiko Vesper wurde 2014 bei der Handwerkskammer Cottbus der erste Beauftragte für Innovation und Technologie. Seither hat sich im Handwerk viel getan, sagt er.

Herr Vesper, Sie begleiten seit fünf Jahren Handwerksbetriebe der Region beim Übergang ins digitale Zeitalter. Hat sich das Bewusstsein der Handwerker fürs Digitale geändert?

Heiko Vesper: Definitiv, es hat ein regelrechter Umbruch stattgefunden.

Wie muss man sich das vorstellen?

Erst heute war ich bei einem Metallbauer, der neuerdings mit einer CNC-Maschine produziert. Er sagt, er habe noch nie so schnell Aufträge bearbeiten und so flexibel auf Kundenwünsche reagieren können. Wir haben Malerbetriebe, die mit einem 3-D-Scanner aufmessen und sofort sagen können, wie groß die Wände sind, wie viel Farbei benötigt wird und wie der Raum mit welcher Farbe aussieht. Und in Wildau gibt es einen Betrieb, der Wintergärten anfertig. Die projizieren ihre Entwürfe virtuell auf die Hauswand. Diese Beispiele könnte ich beliebig fortführen. Vieles davon wäre vor fünf Jahren undenkbar gewesen.

Haben Sie das bewirkt?

Ich würde sagen, ich bin eines von vielen Rädern, die immer besser ineinander greifen. Vor allem aber sehen die Handwerksbetriebe zunehmend die Vorteile digitaler Technik. Als ich anfing, haben viele die Digitalisierung noch als Trend begriffen, den man irgendwie mitmachen muss. Aber Digitalisierung ist ein Werkzeug, das man nutzen kann und inzwischen auch muss, um sein Handwerk betreiben zu können. Das Umfeld ist ja auch viel digitaler. Kunden, Lieferanten, Steuerbüro, alle wollen digitale Daten.

War das ein harter Weg für die Tischler und Metallbauer?

Vielleicht am Anfang. Aber wer einmal anfängt, lernt schnell die Vorzüge zu schätzen. Ein einfaches Beispiel: Früher habe ich eine Rechnung per Post bekommen, musste sie per Hand erfassen, zuordnen, einbuchen und abheften. Jetzt kommt sie digital, sie wird automatisch ausgelesen, dem Kunden zugeordnet und verbucht. Wer das einmal hat, sehnt sich sicher nicht nach der ewigen Sucherei von früher zurück. Und digitale Buchhaltung wird inzwischen gesetzlich gefordert, da geht es nicht mehr darum, ob einer will oder nicht.

Haben die Förderprogramme des Landes bei der Überzeugungsarbeit geholfen?

Das Fördergeld war sicher für viele ein Impuls, aber die Programme haben dann noch mehr bewirkt. Zu den Förderbedingungen gehörte, dass die Betriebe auch über ihre Strukturen und Prozesse nachdenken. Dadurch haben sich die Unternehmen verschlankt und arbeiten viel effizienter. Und sie können viel mehr Möglichkeiten nutzen. Denken Sie nur an die Internetseiten. Vor fünf Jahren haben wir mit Handwerkern noch darüber geredet, dass es schön wäre, überhaupt eine zu haben. Heute geht es um Kundenbindung mit Kunden-Logins, den Aufbau von Online-Shops und Konfiguratoren.

Gibt es noch Handwerker ohne Internetauftritt?

Sicher, und das wird zunehmend zu einem Problem. Übers Internet kann man einen weltweiten Kundenstamm aufbauen. Wenn eine Firma dort aber nicht präsent ist, dann existiert sie für 97 Prozent der Bevölkerung nicht. Aber auch bei denen, die Seiten haben, gäbe es oft noch mehr Potenzial.

Weil grundlegende Fehler gemacht werden?

Weil die Seiten nicht angepasst werden. Wenn ich auf Firmenseiten unterwegs bin, habe ich manchmal den Eindruck, dass die Firmen einen Auftragsmangel haben. Sie stellen ihren gesamten Leistungskatalog vor, dabei sind sie über Monate ausgebucht. Sie brauchen derzeit gar keine Aufträge, sie brauchen Fachkräfte. Dazu steht aber entweder gar nichts auf der Seite, oder ich muss mich mühsam dorthin vorarbeiten. Die Handwerksbetriebe sollten noch stärker verinnerlichen, dass sie Digitalisierung für ihre Bedürfnisse anpassen können.

Die Datenschutzgrundverordnung hat im vorigen Jahr besonders kleinere Betriebe überfordert. Wie ist die Situation heute?

Für viele Handwerker war DSGVO tatsächlich das Unwort des Jahres. Aber heute geben viele zu, dass die Arbeit daran ihrem Unternehmen ein neues Bewusstsein und eine Struktur gegeben hat. Sie haben darüber gesprochen, wie mit personifizierten Daten umzugehen ist, welche Gefahr von unbekannten USB-Sticks ausgeht, welche Alternativen es für Whats App im Arbeitskontext gibt. Natürlich war es ein Zwang, aber die Handwerker, mit denen ich spreche, sagen oft, sie hätten dadurch ein besseres Verständnis für Digitalsierun gewonnen.

Ist Ihre Arbeit damit bald erledigt?

(lacht) Das hoffe ich nicht. Ich sehe inzwischen eine schöne Dynamik, aber Herausforderungen bleiben. Und vor keinem macht die Digitalisierung halt, auch nicht vor der Handwerkskammer. Wir wollen zum Beispiel künftig Webinare anbieten. So kann der Handwerker von seinem Büro aus Weiterbildungen verfolgen, und ich kann über den Bildschirm beraten.

Werden sich durch die Digitalisierung auch die Wartezeiten auf Handwerker verkürzen?

Vielleicht indirekt. Letztens hat mich gerade wieder eine Frau gefragt, warum sie so lange auf Handwerker warten muss. Da habe ich zurückgefragt, ob ihr Sohn denn Handwerker werden möchte. Sie antwortete: Nein, mein Sohn soll studieren, er soll Karriere machen. Und genau hier besteht doch der Zusammenhang, den viele nicht sehen. Das Handwerk hat immer noch ein Imageproblem, besonders in der Elterngeneration. Dabei deutet die hohe Kundennachfrage doch auf langfristig sichere Jobs hin. Und ein Handwerksmeister mit eigenem Betrieb hat im Schnitt ein höheres Einkommen als ein Akademiker. Wir reden auch längst nicht mehr über die Knochenjobs von früher. Handwerker arbeiten heute mit CNC-Maschinen, Drohnen, CAD-Programmen und Smart-Home-Devices. Handwerk ist High-Tech. Wenn sich diese Erkenntnis endlich durchsetzt und junge Leute ins Handwerk gehen, dann werden die Wartezeiten vielleicht auch wieder kürzer.

Von Oliver Fischer

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