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Dahme-Spreewald Chillen und schlemmen in der Einflugschneise
Lokales Dahme-Spreewald Chillen und schlemmen in der Einflugschneise
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12:10 24.07.2019
Zwei Gastronomie-Ideen auf einem Fleck: Kai Sauerwald (l.) und Sven Böhmen haben Hofladen und Bar als Gemeinschaftsprojekt erfolgreich gemacht. Quelle: Nadine Pensold
Selchow

Der Flieger nach Lissabon lässt auf sich warten. Mehrmals blickt Moni Tomys auf das Display ihres Smartphones, um die Uhrzeit zu überprüfen. Dann checkt sie per App noch einmal die Abflugzeit des Fliegers. Auch Simon ist schon ein bisschen ungeduldig. Der Vierjährige ist von Flugzeugen begeistert, sie zieren sogar in großer Zahl sein T-Shirt.

Endlich! Die Maschine steigt empor, zuerst beinahe lautlos, dann taucht sie über den Bäumen auf und dröhnt über die Köpfe derer hinweg, die es sich am Rande des Flughafengeländes in den Liegestühlen des Hofladens Sauerwald gemütlich gemacht haben. Fotoapparate werden gezückt, Schnappschüsse mit Handys gemacht. Es muss jetzt schnell gehen, denn nur wenige Sekunden dauert es, bis das Flugzeug hoch in den Himmel hinauf und aus dem Fokus der Kameras schwebt

Gemeinschaftsprojekt: Hofladen Sauerwald und die Bar „45 über Null“

„Noch besser ist es, wenn die Flugzeuge landen. Dann sind sie noch näher“, sagt Sven Böhme. Der 36-jährige Zeuthener betreibt die Bar „45 über Null“, die sich ebenfalls auf dem Gelände in Selchow befindet. Bei mehr als 30 Grad Celsius an diesem Mittag gehen vor allem kühle Getränke über die acht Meter lange Bartheke. Aus einer Box wummert sommerlich-beatvolle Musik. Den Hunger stillen die mehr als ein Dutzend Gäste mit Senfeiern und Kartoffeln oder Kuchen aus dem nebenan befindlichen Hofladen-Café von Kai Sauerwald.

Das Gemeinschaftsprojekt Hofladen und Bar. Quelle: Nadine Pensold

Dort, in direkter Nachbarschaft zu Schönefelds Flughafenareal mit Blick auf den Tower, die BER-Baustelle und den einstigen Air-Berlin-Hangar, ist in den vergangenen Jahren ein einmaliges Gastronomie- und Laden-Projekt entstanden. Im Hofladen gibt es regionale Produkte von Erzeugern aus Brandenburg – von Marmeladen aus dem Fläming über frische Landmilch und Käse aus Elbe-Elster bis hin zu Leinöl aus dem naheliegenden Schulzendorf. In der Küche wird bodenständig gekocht: Kassler mit Sauerkraut oder hausgemachte Buletten zum Mittagstisch oder das viel bestellte Rührei-Frühstück. Dazu gibt es eine üppige Auswahl hausgemachter Kuchen und Kekse.

In Liegestühlen kann man im gemeinsamen Außenbereich von Bar und Hofladen den Fliegern beim Starten und Landen zusehen. Quelle: Nadine Pensold

„Ich habe extra eine Konditorin angestellt“, sagt Inhaber Kai Sauerwald. Ihm sei es wichtig, dass es seiner Kundschaft so schmeckt, wie sie es von früher und von Zuhause kennen. Er verrät, dass sogar ein Paar aus Berlin-Marzahn öfter bis nach Selchow kommt, da ihnen der Käsekuchen so gut schmecke wie damals bei Oma.

Kai Sauerwald und seine Familie sind alt eingesessene Selchower. Früher betrieben die Sauerwalds eine große Landwirtschaft mit Obst- und Gemüseanbau. Schon zur Wendezeit eröffneten sie einen Hofladen direkt auf dem Gehöft im Schönefelder Ortsteil. Die Felder, auf denen unter anderem Spargel, Kartoffeln aber auch Blumen angebaut wurden, mussten mit Beginn der Bauarbeiten am neuen Flughafen weichen.

Gezwungenermaßen musste sich Kai Sauerwald also neu erfinden – und so schwenkte der heute 41-Jährige zur Gastronomie und zum Hofladen-Geschäft auf der grünen Wiese um. „Ich bin heute ganz zufrieden, dass wir diesen Schritt gegangen sind“, sagt der Selchower.

Rund 100 Liegestühle am Rande des BER

Den Neuanfang hat auch sein Bekannter Sven Böhme mitgestaltet. Er hat sich mit seiner Bar „45 über Null“ eingemietet. Und so wird das kulinarische Angebot des Hofladens durch Cocktails, Grill- und Burgerabende aber auch durch DJ-Veranstaltungen ergänzt. Dass man es sich dabei zwischen Palmen in rund 100 Liegestühlen bequem machen kann und dabei den ankommenden oder davonfliegenden Flugzeugen zugucken kann, gehört mit zum Erfolgsrezept von Kai Sauerwald und Sven Böhme.

Hausgemachte Käsekuchen gehören zu den Spezialitäten im Hofladencafé – zum Beispiel die Variante mit frischen Blaubeeren. Quelle: Nadine Pensold

Viele hielten es zu Anfang für eine verrückte Idee, ein solches Projekt direkt am Rande des Flughafens auf die Beine zu stellen. Und tatsächlich war es in den ersten Jahren nicht unbedingt abzusehen, dass das Konzept heute so erfolgreich funktioniert. Denn wie so oft in der Region, war die Eröffnung des BER, der damit prognostizierte Boom und die Hoffnung auf steigende Kundenzahlen das, was der Geschäftsidee der beiden zugrunde lag.

Vor allem auf Angestellte des Flughafens, von Air Berlin und vom Messegelände in Selchow hatten die beiden Gastronomen als regelmäßige Kunden im Visier. Doch mit der Verschiebung der Flughafeneröffnung war die Unsicherheit so kurz nach der Eröffnung plötzlich da. „Wir haben uns aber zum Glück auch ohne den Flughafen etabliert“, kann Kai Sauerwald heute zufrieden sagen.

Hofladen Sauerwald ist beliebter Biker-Treff

Der Kundenstamm entwickelte sich langsam. Anfangs kamen vor allem Bauarbeiter vom BER zum Mittagstisch. Heute ist das Publikum bunt gemischt: von Familien mit Kindern, über erwachsene Flugzeugfans bis hin zu den sogenannten Planespottern, die mit ihren Kameras auf die Jagd auf besonderer Maschinen gehen. Eine wichtige und beständige Zielgruppe sind mittlerweile Fahrrad- und besonders Motorradfahrer geworden.

Entspannen in Liegestühlen und dann Flugzeugen nachschauen. Quelle: Nadine Pensold

„Es war uns gar nicht bewusst, aber wir sind für Berliner Motorradfahrer der perfekte Ausgangspunkt für Touren in den Süden von Brandenburg“, sagt Sven Böhme. Der Hofladen hat sich daher in der Szene herumgesprochen und so ist er heute ein ausgemachter Treffpunkt für die Freizeit-Biker.

Tino Stix und David Dichte aus Niemegk (Potsdam-Mittelmark) haben sich an diesem Tag die Location am westlichen Rand des Flughafens als Ziel für ihre Ausfahrt ausgeguckt – auf Empfehlung befreundeter Motorradfans. Eineinhalb Stunden sind sie über die Landstraßen nach Selchow gekommen. Schön sei es hier, sind sie sich einig. Nun sitzen sie im Schatten des Hofladen-Gebäudes und lassen es sich schmecken. Derweil fliegen die Urlaubsflieger über sie hinweg. „Zum Gucken ist das schon cool“, sagt Tino Stix.

Von Nadine Pensold

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