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Dahme-Spreewald „Kirche ist nicht unsere Sache“
Lokales Dahme-Spreewald „Kirche ist nicht unsere Sache“
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18:30 21.04.2013
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. Woran liegt das?

David Driese: Weil diese Veranstaltungen Jahr für Jahr am meisten für öffentliche Aufmerksamkeit sorgen.

Wie viele Anmeldungen liegen für die Jugendfeiern 2013 vor?

Driese: Insgesamt 726 aus dem gesamten Landkreis Dahme-Spreewald und kleinen Teilen des benachbarten Landkreises Oder-Spree. Das ist übrigens auch der Bereich, in dem der HRO aktiv ist. Wobei die Jugendfeiern nur ein Gebiet sind, auf dem wir unsere Werte vermitteln.

Welche Werte?

Driese: Toleranz und Akzeptanz sind unsere beiden Grundwerte. Parteipolitik bleibt bei uns im Verband draußen vor. Wobei natürlich auch ein Humanist in einer demokratischen Partei organisiert sein kann.

Hat schon mal jemand mit rechtsnationalem Gedankengut bei den Humanisten angeklopft und gesagt, er möchte mitmachen?

Driese: Nein. Das würde sich auch nicht mit dem offenen humanistischen Grundgedanken vertragen.

Was wollen, was sind die Humanisten?

Driese: Eine Interessenvertretung für konfessionslose Menschen, die an keinen Gott glauben. Wir wollen erstens eine klare Trennung von Weltanschauung und Staat, wie sie auch in der Verfassung steht. Und unsere zweite Forderung ist, dass der Staat alle Weltanschauungen gleich behandelt. Wir haben keine Bibel, wir haben keinen Koran. Wir haben unsere Grundwerte. Kirche ist nicht unsere Sache. Wobei wir natürlich wissen, dass wir in Deutschland eine von christlichen Werten geprägte Gesellschaft haben. Wir brauchen also nicht so zu tun, als ob die Humanisten die Werte im Rahmen der europäischen Aufklärung neu erfunden haben. Ungeachtet dessen glauben wir an nichts Übernatürliches, sondern nur an unsere Fähigkeiten und daran, dass wir viel gemeinsam, selbstbestimmt schaffen können. Leider wird uns oft unterstellt, dass wir Kirchenhasser sind. So ist es nicht.

Wie ist es dann?

Driese: Der preußische König Friedrich der Große hat einmal gesagt, dass jeder nach seiner Fasson glücklich werden solle. Das heißt auf uns bezogen, ein christlicher Mensch sollte die Kirche haben genau so wie ein konfessionsloser Mensch auch eine Interessenvertretung haben sollte. Und da bieten wir uns als Humanistischer Verband an.

Wie viele Mitglieder hat der HRO?

Driese: Zurzeit jeweils 70 im jugendlichen beziehungsweise erwachsenem Alter. Wobei wir uns einen komplett ehrenamtlichen Vorstand leisten. Ehrenamtlicher Geschäftsführer ist Günter David. Er ist zugleich als Jugendsozialarbeiter angestellt. Das ist seine eigentliche Aufgabe. Damit er seine Aufgabe als Geschäftsführer erfüllen kann, stellen wir ihm einen Dienstwagen zur Verfügung. Immerhin hat er 32 Mitarbeiter und einen Jahresumsatz von mehr als einer Million Euro zu bewirtschaften. Wobei es sich bei dem größten Teil des Geldes um Personalkosten für die 24 Mitarbeiter der von uns in Königs Wusterhausen betriebenen Kindertagesstätte „Knirpsenstadt“ handelt. Hier stehen 200 Plätze zur Verfügung.

Wie ist die Kita ausgelastet?

Driese: Hervorragend, und das nicht erst, seit wir den Kita-Notstand in Königs Wusterhausen haben. Das ist eine der Kitas in der Stadt, wo es mit der Auslastung nie Probleme gab. Wobei auch diese Kita allen Kindern offen steht. Wenn da ein Kind aus christlichem Elternhaus kommt und an Gott glaubt, dann glaubt es eben an Gott. Dann ist es auch gut so, wie es ist.

Welche Angebote unterbreiten die Humanisten Grundschülern und Jugendlichen?

Driese: Da gibt es einmal das Jugendfreizeithaus in der Scheederstraße. Hier bieten wir unter anderem eine Keramikwerkstatt, eine Medienwerkstatt, Tanzkurse und den offenen Treff an. Und auch die Jungen Humanisten – unser Nachwuchs – sind im Freizeithaus beheimatet. Weiter gibt es eine Kooperationsvereinbarung zwischen dem HRO und der Erich-Kästner-Grundschule in Königs Wusterhausen.

Worin besteht die?

Driese: Unsere Sozialarbeiterin Tina Puhlfürß ist sehr oft in der Schule. Hier knüpft sie in den Hofpausen erste Kontakte zu Kindern und bietet sich ihnen auf diese Weise gleich als Ansprechpartnerin für die Zeit nach der Grundschule an.

Warum?

Driese: Weil viele Kinder erfahrungsgemäß mit dem Wechsel auf eine weiterführende Schule große Probleme haben. Da ist es besser, wenn jemand wie Tina Puhlfürß schon im Vorfeld mit ihnen spricht und sie an sich bindet. Manchmal zieht sie bis zu 30 Kinder mit ins Freizeithaus. Sicher nicht immer zur Freude unserer Mitarbeiter, weil es dann ganz schön laut zugeht. Aber das Ganze hat auch einen guten Effekt. Wer schon einmal als Schulkind im Freizeithaus gewesen ist, für den ist die Schwellenangst nicht so groß, es als Jugendlicher wieder zu betreten.

Der Schwerpunkt des HRO liegt also auf Jugendarbeit.

Driese: Auf den Jugendlichen.

Wie bringen sich Erwachsene in den Verband ein?

Driese: In dem sie beispielsweise bei der Vorbereitung der Jugendfeiern, als Betreuer in der Keramikwerkstatt oder der Medienwerkstatt helfen.

Was macht den Verband für Nichtmitglieder interessant?

Driese: Die Beschäftigung mit dem Menschen von der Geburt bis zum Tode.

Was heißt das?

Driese: Wer einen neuen Erdling empfangen möchte, für den gibt es die Namensfeier.

Namensfeier – das klingt so ähnlich wie die Taufe in der Kirche.

Driese: Dem würden zwar die Verbandsakademiker widersprechen, aber vereinfacht könnte man es so sagen. Weiter bieten wir über den Humanistischen Verband Berlin-Brandenburg auf einem Friedhof in der Hauptstadt Urnenbestattungen an. Auch zum Thema Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht berät der Verband und macht sich somit für ein selbstbestimmtes Leben stark.

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