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Dahme-Spreewald Wie eine Familie am Kitaplatz-Mangel verzweifelt
Lokales Dahme-Spreewald Wie eine Familie am Kitaplatz-Mangel verzweifelt
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17:51 16.07.2019
Kinderbetreuung gehört derzeit zu den drängendsten Problemen in vielen Kommunen – der Zuzug wurde lange unterschätzt. Quelle: dpa
Königs Wusterhausen

Elias ist ein so blonder wie aufgeweckter Junge. Er mag alles, was Zweijährige so mögen, rollt gerne Autos durchs Zimmer, tobt über Spielplätze. Seine Eltern lieben ihn dafür. Trotzdem, sagt seine Mutter Sandra Nehmack, wäre es schön, wenn sie ihn nicht jeden Tag von morgens bis abends um sich hätte. Wenn er also für ein paar Stunden in die Kita ginge. Das kann er aber nicht, weil es in Königs Wusterhausen keinen Platz für ihn gibt.

Seit mehr als einem Jahr suchen Sandra Nehmack und ihr Partner Roger Krost inzwischen einen Betreuungsplatz für Elias, bislang aber ohne Erfolg. „Wir stehen auf Wartelisten von einer guten Handvoll Kitas“, sagt die 29 Jahre alte Mutter. Regelmäßig rufe sie dort an, die Antworten aber seien entmutigend. Vor einem Jahr hieß es: Vielleicht im nächsten Sommer. In diesem Jahr heißt es: Vielleicht 2020. Dann wäre Elias dreieinhalb. „Das ist eine Katastrophe“, sagt Sandra Nehmack.

In fast allen Kommunen fehlen Kitaplätze

Und Elias ist kein Einzelfall. In den meisten Kommunen des Berliner Umlands sind Kitaplätze so rar, dass einige Familien sehen müssen, wo sie bleiben. Erst in der vorigen Woche wurde der Kitabedarfsplan für Dahme-Spreewald vorgestellt. Er zeichnet ein dramatisches Bild: Im Norden des Landkreises haben bis auf Zeuthen und Mittenwalde alle Kommunen Probleme, ausreichend Plätze anzubieten.

In Teltow-Fläming sieht es nicht viel anders aus. Ludwigsfelde hat erst im Januar eine Kita mit 100 Plätzen eröffnet. Trotzdem hat die Stadt noch immer 40 Plätze zu wenig.

Aber so wie Königs Wusterhausen hat keine Kommune zu kämpfen. Anfang August werden in der größten Stadt von LDS wahrscheinlich 164 Kinder unterversorgt sein, wie es im Amtsdeutsch heißt. Sie werden keinen Betreuungsplatz haben, obwohl er ihnen rechtlich zusteht. In den folgenden Monaten wird die Zahl weiter steigen – um etwa 30 Kinder pro Monat. Die Stadt baut zwar, bis Ende des Jahres sollen 144 Plätze neu geschaffen werden. Aber damit wird wohl nicht einmal der ne entstehende Bedarf gedeckt, geschweige denn der schon bestehende. „Wir können nicht so schnell bauen, wie Kinder hinzukommen“, sagt Stadtsprecher Reik Anton.

Zurück in den alten Beruf kann Sandra Nehmack nicht

Was das für die betroffenen Eltern bedeutet, erleben Sandra Nehmack und Roger Krost seit mehr als einem Jahr täglich. Sandra Nehmack kann ihren alten Beruf als Altenpflegerin nicht mehr ausüben, weil sich der Schichtdienst nicht mit dem Schichtdienst ihres Partners verträgt. Umschulen kann sie aber auch nicht – dafür bräuchte sie kinderfreie Zeit. „Ich muss aber arbeiten“, sagt sie. Zum einen, weil sie auf das Geld nicht verzichten kann. Zum anderen, weil sie auch nie ein Leben als Hausfrau und Mutter wollte. Aufstehen, Frühstück machen, Spielplatz, Mittagsschlaf, Spielplatz, Abendbrot. „Das kann ich nicht ewig machen, ich brauche auch Abwechslung“, sagt sie.

Sie hat deshalb jetzt einen Minijob angenommen, packt im Supermarkt Waren aus. Währenddessen kümmert sich meistens ihr Partner um Elias – dabei müsste er eigentlich schlafen. Roger Krost arbeitet als Staplerfahrer in einem Kühlhaus. Seine Schichten gehen oft bis tief in die Nacht. Anschließend fährt er noch Zeitungen aus. Gegen fünf kommt er dann nach Hause und übernimmt gleich seinen Sohn. Am frühen Nachmittag muss er zur nächsten Schicht. „Ewig hält mein Körper das nicht aus“, sagt er.

Kitaplatzmisere in Königs Wusterhausen begann vor fünf Jahren

Gerechnet hatte das Paar mit diesen Problemen nicht. Beide haben Kinder aus anderen Beziehungen, Kitaplätze sein nie ein Problem gewesen. „Deshalb haben wir auch erst angefangen zu suchen, als Elias ein knappes Jahr alt war“, erzählt Sandra Nehmack. Zuerst rief sie die Kita an, in die schon ihre älteren Söhne gingen und zum Teil noch immer gehen. „Ich dachte, dass es kein Problem sein würde, weil Geschwisterkinder Vorrang haben“, sagt sie. Aber das war ein Irrtum. Alles dicht, hieß es. Die Warteliste sei lang.

Die Kitaplatzmisere begann in Königs Wusterhausen vor rund fünf Jahren. Verantwortliche sind schwer zu benennen. Fakt ist, dass die offiziellen Einwohnerprognosen des Landes für die Region noch bis 2018 von einem maximal moderaten Wachstum ausgingen, eher sogar von Einwohnerrückgang. Diese Prognosen bildeten eine wichtige Grundlage für die Kitaplanung. Ein anderes Problem umreißt LDS-Sozialdezernent Carsten Saß so: „Wir waren es in Brandenburg gewöhnt, Demografie nur als Schrumpfungsprozess zu sehen.“ Jahrelang schauten die Kommunen nur, ob sie ihre Kitas würden halten können. „Das trübt den Blick für andere Entwicklungen“, so Saß.

Kommunen befinden sich im Wettlauf

Die Realität war spätestens ab 2013 aber das genaue Gegenteil von Schrumpfung. Allein Königs Wusterhausen hat seither um rund 3500 Einwohner zugelegt. Und von denen, die in der Stadt lebten, meldeten auch mehr Eltern ihre Kinder in der Krippe an, weil ein Rechtsanspruch eingeführt wurde und die Arbeitslosigkeit sank. Die Zahl der betreuten Kinder in Kita, Krippe und Hort stieg damit allein in Dahme-Spreewald zwischen 2013 und 2018 um fast 2000. „Das hat so niemand kommen sehen. Auch wir haben das in dieser Intensität nicht so eingeschätzt“, sagt Saß.

Als im Jahr 2017 den Verantwortlichen in Königs Wusterhausen die Situation gewahr wurde, war es zu spät zum Gegensteuern. Zwar startete man ein Kitabauprogramm, aber bis ein Standort gefunden ist, das Gebäude geplant wurde, die Leistungen ausgeschrieben, die Mauern hochgezogen, das Dach gedeckt und die Fliesen an der Wand sind, vergehen mindestens zwei Jahre. In diesem Zeitraum kommen aber wieder mehr Kinder nach.

Schulplanung und Schülerzahlen

Schulkapazitäten werden wie Kita-Kapazitäten von den Landkreisen geplant. Alle fünf Jahre wird ein Schulentwicklungsplan veröffentlicht, aus dem hervorgeht, wie sich Kinderzahlen entwickeln und ob die Kapazitäten ausreichen.

Erschwert wurden die Planungen zuletzt dadurch, dass die Bevölkerungsprognosen des Landes hinter der tatsächlichen Entwicklung zurücklagen.

In LDS gab es im vergangenen Jahr 1543 Absolventen. 679 hatten Abitur, 621 den Abschluss der zehnten Klasse. Zehn Jahre zuvor waren es bei 1700 Absolventen noch 743 Schüler mit Abi und 583 mit Zehnteklasse-Abschluss.

In TF wurden im vorigen Jahr 1513 Absolventen gemeldet. 550 davon machten Abitur, 684 verließen die Schule mit Abschluss der zehnten Klasse. Zehn Jahre zuvor gab es 592 Abiturienten und 573 Schüler mit Realschul-Abschluss.

Das ist der Wettlauf, in dem sich fast alle Kommunen aktuell befinden. Entsprechen sind Kitas fast überall das politische Top-Thema. Ob Wildau, Bestensee, Schulzendorf, Rangsdorf oder Ludwigsfelde: Überall wird gerechnet, gerungen, geplant, gebaut. Und wenn Einrichtungen eröffnet sind, beginnt das bange Rechnen, wie lange die Plätze reichen, wie es in den Grundschulen aussieht, und wie das alles bezahlt werden soll.

Nach Kitas müssen Schulen gebaut werden

Pro Jahr ziehe derzeit eine komplette Kitabelegung nach Ludwigsfelde, sagt etwa Paul Niepalla, zuständiger Fachbereichsleiter in Ludwigsfelde. „Dafür werden wir eine vierte Grundschule bauen müssen“, sagt Niepalla. Damit bewege man sich finanziell in Dimensionen, die auch eine gut situierte Kommune wie Ludwigsfelde überfordern können.

Die Gemeinde Schönefeld, größter Wachstumsmotor der Region, macht deshalb gleich Nägeln mit Köpfen. Für 15 Millionen Euro entsteht derzeit dort derzeit die größte Kita Brandenburgs. Für Sandra Nehmack und Roger Krost ist sie aber keine Alternative. „Der Anfahrtsweg muss auch zu leisten sein“, sagt Sandra Nehmack. Wildau könne sie sich noch vorstellen. Schönfeld eher nicht.

Von Oliver Fischer

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