Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Königs Wusterhausen 100 Jahre Rundfunk in Königs Wusterhausen: Am Anfang war die „Stille Nacht“
Lokales Dahme-Spreewald Königs Wusterhausen

100 Jahre Rundfunk in Königs Wusterhausen: Jubiläumskonzert

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:12 09.02.2021
Sopranistin Simone Kermes mit dem Quantum Clarinet Trio.
Sopranistin Simone Kermes mit dem Quantum Clarinet Trio. Quelle: Foto: Privat
Anzeige
Königs Wusterhausen

Am 22. Dezember 1920, um 14 Uhr, ertönte „Stille Nacht, heilige Nacht“ im Radio, gespielt von Klarinette, Harmonium, Streichinstrumenten und Klavier – eine Weltpremiere. Das Weihnachtskonzert aus der Hauptfunkstelle Königs Wusterhausen bei Berlin, das mit dem Satz: „Hallo, hallo, hier Königs Wusterhausen auf Welle 2700...“ begann, war die erste öffentliche Rundfunkaussendung in Deutschland. Der genaue Programminhalt ist nicht vollständig überliefert. Inländische Zeitungsberichte gibt es nicht, weil Rundfunk in Deutschland noch verboten war. Die „Luxembourger Zeitung“ vom 23. Dezember 1920 schrieb über das Weihnachtskonzert: „Es begann mit dem weihevollen Lied ‚Stille Nacht, heilige Nacht‘, dem dann einige andere Weihnachtslieder sowie der Einzugs- und Hochzeitsmarsch von Richard Wagner folgten… Als Zugabe wurde ‚Eine feste Burg ist unser Gott‘ mit viel Pathos gespielt.“ „Mehr wissen auch wir nicht“, bedauert Rainer Suckow. Alle Recherchen seien erfolglos gewesen. Vermutlich habe man keine lustige Unterhaltungsmusik gespielt, so Suckow. „Das war eine erzkonservative, stocksteife Zeit.“

So können Sie das Konzert empfangen:

Die Jubiläumssendung kann am 22. Dezember von 14 bis 15 Uhr wie folgt im Radio empfangen werden:

Lokal auf Mittelwelle 810 kHz – etwa 15 Kilometer im Umkreis des Königs Wusterhausener Funkerberges.

Europaweit auf Kurzwelle 5960 kHz.

Mehr auf der Webseite zum Weihnachtskonzert unter www.100jahrerundfunk.de/weihnachtskonzert

An die Geburtsstunde des Rundfunks erinnert das Jubiläumskonzert, das 100 Jahre später zur historisch verbürgten Zeit live aus dem Sender- und Funktechnikmuseum in Königs Wusterhausen erklingt. Die Gemeinschaftsproduktion des Fördervereins „Sender Königs Wusterhausen“ e. V. und der Brandenburger Festspiele fängt den musikalischen Zeitgeist der 1920er Jahre ein, vermittelt Wissen um die Geschichte des Mediums Radio und lässt – getreu dem historischen Vorbild – zum Schluss des einstündigen Konzertes „Stille Nacht“ erklingen.

Geplant als öffentliches Konzert im Rahmen der Veranstaltungen des Fördervereins zum 100. Geburtstag des Radios, blieb für dieses Event nur die coronakonforme Radioübertragung.

Das Nachrichten-Briefing

Die Themen des Tages und besondere Leseempfehlungen: Das Nachrichten-Briefing vom RedaktionsNetzwerk Deutschland. Jeden Morgen um 7 Uhr.

Abonnieren
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

„Wir freuen uns, dass angesichts der sehr vielen Absagen in diesem Jahr das Jubiläumskonzert stattfindet. Die Form erinnert an die Anfangsjahre des Rundfunks, in denen die Musiker auch ohne Publikum auftraten. Zugleich steht diese einsame Produktion für die ganze Kulturlandschaft in diesem Corona-Jahr“, fasst Walter Schirnik, Präsident der Brandenburger Festspiele, zusammen. Er führt gemeinsam mit Rainer Suckow, dem Vorsitzenden des Fördervereins „Sender Königs Wusterhausen“, durch das Programm. Das beginnt mit Georg Friedrich Händels Arie „Lascia ch’io pianga”.

Programm nicht überliefert

Das Programm der ersten Rundfunksendung ist bis auf das Weihnachtslied „Stille Nacht“ nicht überliefert. Im Konzert 2020 erklingen neben Händels Arie Ludwig van Beethovens zweiter Satz aus dem Gassenhauertrio op. 11, das „La chanson d’Hélène” von Philippe Sarde,

Wolfgang Amadeus Mozarts „Der Zauberer“ und Viktor Ullmanns „Berjoskele“. Besondere Akzente setzen „Fields of Gold” (Sting), „Ich weiß nicht zu wem ich gehöre” von Friedrich Holländer und „Meine Lippen, die küssen so heiß” von Franz Lehar.

Leni Jung aus Königs Wusterhausen. Quelle: Wolfgang Lücke/Privat

Für dieses Programm wurden mit der Sopranistin Simone Kermes, dem Quantum Clarinet Trio und den preisgekrönten Musikschülerinnen Leni Jung aus Königs Wusterhausen (Gesang) und Samina Hesse aus Zeuthen (Klavier) hervorragende Interpreten gewonnen.

Die international erfolgreiche Sopranistin Simone Kermes ist eine bekennende Radio-Hörerin und schätzt das Medium rund um die Uhr sowohl zur Information als auch zur Unterhaltung. Publikum und Fachpresse loben die in Leipzig geborene Künstlerin für ihre Rollen in Barockopern und ihre enorme Bühnenpräsenz. „Es ist ein sehr besonderes Konzert, denn es zeigt mir, dass Musik mühelos die Abstände zwischen den Menschen und natürlich auch den Musikern überwindet“, berichtet Simone Kermes, die ziemlich gespannt ist, wie ihre Lieder auf der historischen Kurzwelle klingen werden.

Simone Kermes begleitet das preisgekrönte Quantum Clarinet Trio

Simone Kermes begleitet das preisgekrönte Quantum Clarinet Trio (Klarinette, Piano, Cello), das italienische, südkoreanische und deutschen Wurzeln hat.

Die 14-jährige Sängerin Leni Jung aus Königs Wusterhausen und die junge Pianistin Samina Hesse aus Zeuthen haben bereits erste Preise bei „Jugend musiziert“ gewonnen. Im Jubiläumskonzert spielen sie Mozart und Viktor Ullmann. Es ist Rainer Suckow zu verdanken, dass die beiden jungen Künstlerinnen in diesem Konzert auftreten. „Wir erinnern in der Sendung an die legendäre Sopranistin Edith Bach, die ‚Nachtigall von Königs Wusterhausen‘, die bereits im Rundfunk sang, als dieser noch im Probebetrieb lief. Später bestritt sie mehr als 20 live vom Funkerberg gesendete Sonntagskonzerte. Vielleicht wird Leni Jung die nächste ‚Nachtigall von Königs Wusterhausen‘.“

„Es ist ein Programm zwischen Händel und Sting mit vielen Farben. Für uns als Brandenburger Festspiele ist es der Abschluss eines sehr schwierigen Jahres mit großen Herausforderungen. Bleibt mir nur übrig, auf die Rückkehr des so schmerzhaft vermissten Alltags zu hoffen und allen unseren Freunden und Unterstützern sowie ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen zu danken“, so Festival-Präsident Walter Schirnik.

Auch für Rainer Suckow bildet das Konzert einen absoluten Höhepunkt. Er fiebert dem 22. Dezember voller Freude entgegen. Fast überall auf der Welt können sich Radiobegeisterte 100 Jahre nach der Geburtsstunde des deutschen Rundfunks an ihre Empfangsgeräte setzen und dem Jubiläumsprogramm aus Königs Wusterhausen lauschen. „Das kann man einfach nicht toppen!“, sagt Rainer Suckow.

Von MAZonline