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19:43 13.08.2019
MAZ-Redakteurin Andrea Müller wird ihr Buch demnächst in Königs Wusterhausen vorstellen. Quelle: Karen Grunow
Königs Wusterhausen

Da ist Vera, die sich am polnischen Ostseestrand glücklich und einsam zugleich fühlt. Oder Gerlinde, die nicht akzeptieren will, dass weibliche Berufsbezeichnungen in der polnische Sprache quasi nicht vorgesehen sind. Erika erlebt einen heftigen Wasserfall und faszinierende kulturelle Eigenheiten direkt in der Krakauer Wohnung, die sie für ihre Sprachkurs-Zeit angemietet hat. Und selbst im kubanischen Urwald erweist sich Polnisch einmal als sehr nützlich. Kleine Geschichten, die sich aus Erinnerungen Andrea Müllers speisen. Die MAZ-Redakteurin hat aus Erlebnissen mit der polnischen Sprache, den Menschen und der Kultur des Nachbarlandes ein Buch gemacht, das sie nun in Königs Wusterhausen vorstellen wird.

Sie eröffnet die Lesereihe der Stadtbuchhandlung

Mit „Großmamas Chopin – Chopin Babci“ startet am 12. September um 19 Uhr die nächste Lesereihe der Stadtbuchhandlung Radwer, zu der neben anderen auch Pankow-Frontmann André Herzberg mit seinem neuesten Buch erwartet wird. Für Andrea Müller ist es das erste eigene Buch, sie konnte es unter anderem bereits bei der Leipziger Buchmesse und im Goethe-Institut in Krakau vorstellen. Das Besondere: Das Buch ist zweisprachig, deutsch und polnisch, und so wird es dann auch vorgetragen. Andrea Müller liest ihre Texte auf Polnisch, eine Polin oder ein Pole die deutsche Version. „Es ist“, betont sie, „wirklich ein deutsch-polnisches Projekt.“ Denn es ist nicht nur zweisprachig, sondern wird begleitet von den flinken und so witzigen wir rührenden Illustrationen Marzena Grzybowskas. Der Treibgut-Verlag sitzt in Berlin und druckte das Buch in Polen. Die Zeichnerin hat Andrea Müller über ihren eigenen YouTube-Blog kennengelernt, in dem sich die MAZ-Redakteurin vorstellt, von besonderen Begegnungen berichtet oder als Urberlinerin Angelika Merkle – mit strengem Blazer und Fönfrisur – plötzlich nur noch polnisch sprechen kann.

Urlaub brachte Begeisterung für die Sprache

Bei Andrea Müller hat diese Sprache in gewisser Weise ihr Leben ziemlich verändert. Nahe kam sie ihr bei einem Familienurlaub in Polen vor vielen Jahren mit teils skurrilen Erlebnissen und netten Begegnungen mit Einheimischen, toller Hilfsbereitschaft vor Ort. Und bei ihr keimte dann immer wieder das Gefühl: „Ist doch schade, wenn man sich nicht richtig verständigen kann.“ Kaum zurück, startete sie ihren ersten Polnisch-Kurs, damals noch in Königs Wusterhausen. Der Gedanke, dass sie als unweit der deutsch-polnischen Grenze arbeitende Journalistin diese Sprachkenntnisse vielleicht ja auch mal beruflich einsetzen kann, war eine zusätzliche Motivation.

Die Welt in einem Klassenzimmer

Begleitend begann sie, regelmäßig Sprachkurse in Krakau zu besuchen. Irgendwann aber wurde es für die dreifache Mutter neben Alltag und Beruf dann doch zuviel, außerdem wurde es irgendwann kompliziert, für die bald in der Sprache weit Fortgeschrittene noch passende Kurse zu finden. Dank Internet und Social Media wurde es aber zwischenzeitlich natürlich viel einfacher, auch polnische Zeitungen, Fernsehen oder Radio zu erhalten. Sie beobachtet die derzeitige gesellschaftliche Entwicklung im Nachbarland mit Schrecken.

Andrea Müller hat sich über die Jahre einen großen deutsch-polnischen Freundeskreis aufgebaut. Mittlerweile fährt sie wieder häufiger nach Krakau. Bis jetzt für sie ein besonderes Ziel, jedes Mal wieder. „Die ganze Welt trifft sich in einem Klassenzimmer“, erzählt sie über ihre Sprachschule. Wie nah ihr diese Stadt kommt, das spürt der Leser ihres Buches auch. Denn alle Geschichten sind wahr. Es sind eigene Erlebnisse oder die ihr nahestehender Personen, und immer gibt es eine Verbindung zu ihren Sprachkursen. Mindestens ein Jahrzehnt umspannen diese Geschichten, sagt sie. „Es war nicht vorgesehen, dass ich daraus ein Buch mache.“

Andrea Müller hat auch polnische Wurzeln

Darin gibt es auch eine Geschichte, in der die weibliche Hauptfigur nach ihren eigenen polnischen Wurzeln sucht, eine uralte Frau trifft, die ihre Großmutter noch kannte. Das beschreibt die eigene Suche der Autorin. „Meine Großmutter war wohl Kaschubin und mit einem Deutschen verheiratet“, sagt Andrea Müller. Direkt nach der Lesung in der Königs Wusterhausener Buchhandlung wird sie übrigens wieder nach Krakau fahren. Dort lebt auch ihre polnische Tandempartnerin. Einmal pro Woche „treffen“ sie sich via Skype, sprechen dann eine Stunde Polnisch, eine Stunde Deutsch.

Die gebürtige Thüringerin, die früher als Bogenschützin auf einer Sportschule war und dann Journalistik in Leipzig studierte, lebt mittlerweile in Mittenwalde. Dort, sagt sie, fühle sie sich sehr wohl, auch polnische Nachbarn hat sie dort. Vielleicht kommt ja der eine oder andere auch zu ihrer Lesung.

Geschichten enden stets unerwartet

Bei der wird sie von Sylwia Walter begleitet. Gemäß dem Konzept wird die Polin die deutschsprachigen Versionen der ausgewählten Texte vortragen, Andrea Müller die polnischen. „Ich habe sie in der Regel auch zuerst auf Polnisch geschrieben“, erzählt sie. Bereits vor zehn Jahren hat sie erfolgreich ein polnisches Buch ins Deutsche übersetzt, „Im Kokon“ von Dorota Terakowska. Andrea Müller konnte die in Polen sehr bekannte, bereits 2004 verstorbene Autorin noch selbst in Krakau kennenlernen. „Ich hab sie einfach angerufen“, erinnert sie sich. Jenes berührende Buch über ein Mädchen mit Down-Syndrom übersetzen zu können, war für Andrea Müller als Mutter eines behinderten Kindes auch ganz persönlich eine sehr wichtige Erfahrung.

Auch dazu gibt es eine kleine Geschichte in „Großmamas Chopin – Chopin Babci“. Bei allen Erzählungen in dem Band erwartet den Leser stets ein unerwartetes Ende. Mit dem titelgebenden Chopin übrigens ist mitnichten der berühmte Komponist gemeint. Wer aber schon mal so richtig polnisch gefeiert hat, der ahnt nun aber vielleicht, worum es da gehen könnte ...

Von Karen Grunow

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