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Königs Wusterhausen Dieses Amtsgericht wird ein Schmuckstück
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10:01 13.01.2020
BU 1: Blick auf das neue Eingangsfoyer des Amtsgerichts Königs Wusterhausen. Quelle: Franziska Mohr
Königs Wusterhausen

Das mit einer Investitionssumme von über 24 Millionen Euro größte Bauvorhaben in der Innenstadt von Königs Wusterhausen geht 2020 seinem Ende entgegen. Noch im Frühjahr sollen die Richter des Amtsgerichts Königs Wusterhausen wieder an ihrem altehrwürdigen Standort unterhalb des Funkerbergs Recht sprechen.

Davon jedenfalls ist Clemens Pock vom Berliner Büro Abelmann, Vielain, Pock (Avp-Architekten) überzeugt. Für den Direktor des Amtsgerichts Matthias Deller mit seinen knapp 100 Mitarbeitern wäre damit das achtjährige Provisorium auf dem Gelände der einstigen Ingenieurschule in Wildau Geschichte.

Probelauf der Technik startet Anfang Februar

„Das Amtsgericht, dessen Sanierung schon in der DDR Stadtgespräch war, wäre dann wenigstens einmal rechtzeitig zur Stelle“, sagt der gebürtige Königs Wusterhausener Lothar Breyer, der einen interessierten Blick auf die Baustelle wirft. Im Jubiläumsjahr könnte es als Highlight pünktlich zum 700. Bestehen der Stadt wiedereröffnet werden. Noch allerdings sind Handwerker der unterschiedlichsten Gewerke am Montieren, Verlegen und Installieren, um auch die letzten Fragezeichen bezüglich des Eröffnungstermins zu beseitigen.

Direktor Matthias Deller vor dem Orientierungsplan im Foyer. Quelle: Franziska Mohr

„Der große Knackpunkt ist Anfang Februar, wenn der Probelauf für die komplette Haustechnik vom Brandschutz über die Steuerungs- und Sicherungstechnik bis zur Datenverkabelung beginnt“, betont Architekt Plock. Wünschenswert wäre hier ein dreimonatiger Probelauf, um alles optimal zu regulieren. Plock aber weiß schon heute, dass ihm diese Zeitspanne nicht mehr bleiben wird. Zumal nicht nur der Liefertermin für die Platten der Natursteintreppe aus fränkischem Muschelkalk noch ein wenig wackelt. Sie aber sind unabdingbar, um die Staubfreiheit im Gebäude zu gewährleisten, sodass der Schmutz nicht gleich in die neuen Kanäle gesaugt wird. „Aber so ist nun einmal Bauen heute. Auf die Gaubenfenster haben wir zwölf Monate gewartet“, bewahrt der Architekt die Ruhe. Den Stolz auf dieses Gerichtsensemble mit seiner einzigartigen Komposition von Alt- und Neubau könne ihm niemand nehmen.

Und so verweist er auf die Baufortschritte, die sich im Foyer, das mit 130 Quadratmetern die Maße eines stattlichen Einfamilienhauses erreicht, abzeichnen. Handwerker montierten hier bereits einen braunen Pavillon mit den Arbeitsplätzen für die Justizbeamten der Eingangskontrolle sowie zwei Sicherheitsschleusen ähnlich denen am Flughafen. Selbst über Kunst am Bau wird in der großen Eingangshalle bereits gestritten. Während die einen dezente Töne bevorzugen, rufen andere nach mehr, viel mehr Farbe. Wer den Sieg davon trägt, ist noch ungewiss. Haben Mitarbeiter und Besucher die Eingangskontrolle passiert, so können sie nach rechts in das über 100-jährige Gerichtsgebäude mit dem braun getäfelten einstigen Schöffensaal gehen. Hier heißt es künftig bei Zwangsversteigerungen „zum Ersten, zum Zweiten und zum Dritten“. Und dies dank modernster Technik mit einer Top-Akustik.

Blick auf den im Innern von Neu- und Altbau eingerahmten Flachbau mit den großen Strafsälen mit ihren schönen Oberlichtern. Quelle: Franziska Mohr

Vom Foyer geradeaus führt der Weg in den eingeschossigen Baukörper mit den drei großen Sälen für Strafverfahren, deren Größen zwischen 55 und 115 Quadratmeter variieren. Hier bauen Fachleute bereits die Datentechnik sowie die Brandmeldeanlagen ein. Auch die Möbel für Justizbedienstete, Angeklagte und Besucher werden schon montiert. Sehr attraktiv wirken hier vor allem die Decken mit den großzügigen Oberlichtern und den imposanten Holzbalken. Besuchern fällt sofort auch die angenehme Akustik auf, die mit speziellen Wandverkleidungen und Akustikbeschichtungen der Decken erzielt wird.

Nur wer die uralten Toiletten des Amtsgerichts mit den ewig defekten Spülkästen noch kennt, kann auch ermessen, wie angenehm es ist, jetzt in die modernen Sanitärtrakte zu schauen – auch wenn die Sanitärkeramik noch nicht eingebaut ist.

Der hinzugewonnene Platz ist schon komplett verplant

Die meisten Büros sind bereits fertig, sodass auch die Männer vom Wachschutz die Baustelle schon fest im Griff haben. Der Leiter des Amtsgerichts kann künftig von seinem Büro einen herrlichen Blick auf die Kreuzkirche genießen. Vom Baulärm bleiben die Mitarbeiter künftig allerdings noch nicht verschont. Direkt nebenan baut der Landkreis sein neues Jobcenter. „Aber keine Sorge, hier kann getrost gearbeitet werden. Wir haben Top-Fenster, die sowohl gegen Bau- als auch Fluglärm schützen“, sagt Clemens Plock.

Im Altbau wurde der Steinputz aufwendig wieder freigelegt. Quelle: Franziska Mohr

Einen Hingucker bildet das Dachgeschoss, in dem ein größerer Besprechungsraum sowie ursprünglich auch eine kleine juristische Bibliothek Platz finden sollten. Aus Letzterer wird jedoch vorerst nichts. „Ich benötige Platz für neue Mitarbeiter, sodass ich zu meinem Leidwesen in der Bibliothek sechs Arbeitsplätze einrichten muss“, sagt Matthias Deller. Das noch nicht einmal wiedereröffnete, ausgebaute Amtsgericht platzt schon vor dem Einzug aus allen Nähten. Und der neue Flughafen BER, für den es juristisch zuständig sein wird, ist noch nicht einmal eröffnet. Letzteres dürfte mehr als ein Wermutstropfen sein.

Von Franziska Mohr

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