Das sagt Königs Wusterhausens Bürgermeisterin Wiezorek nach 100 Tagen im Amt
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Königs Wusterhausen Königs Wusterhausens Bürgermeisterin Wiezorek: „Ich nehme eine große Erleichterung wahr“
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Das sagt Königs Wusterhausens Bürgermeisterin Wiezorek nach 100 Tagen im Amt

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19:31 26.10.2021
Michaela Wiezorek ist seit 100 Tagen Bürgermeisterin von Königs Wusterhausen.
Michaela Wiezorek ist seit 100 Tagen Bürgermeisterin von Königs Wusterhausen. Quelle: Gerlinde Irmscher
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Königs Wusterhausen

Vor 100 Tagen ist Michaela Wiezorek (parteilos) zur neuen Bürgermeisterin von Königs Wusterhausen ernannt worden. Im Interview zieht sie eine erste Bilanz.

Frau Wiezorek, als Sie am 19. Juli Bürgermeisterin wurden, steckte die Stadt in den Nachwehen einer tiefen Krise. Zwei Jahre war gestritten und blockiert worden, es gab juristische Auseinandersetzungen, im Zentrum stand stets die frühere Rathausspitze um Ihren Amtsvorgänger. Was hat sich seither verändert?

Michaela Wiezorek: Es gibt wieder Kommunikation, im Rathaus wie auch nach außen. Ich habe viele Gespräche geführt: mit Mitarbeitern, mit dem Personalrat, mit den Ortsbeiräten, den Stadtverordneten, mit Schulen, der Feuerwehr, Ehrenamtlern und dem Landkreis. Das allein hat schon viel verändert. Ich spüre selbst eine neue Offenheit im Rathaus, höre das aber auch von Kollegen, von Unternehmern oder aus Nachbarkommunen. Und ich nehme eine große Erleichterung darüber wahr. Die erwähnten juristischen Auseinandersetzungen sind für mich übernommene Erbschaften, die sachlich unaufgeregt und wertfrei im Haus und mit externer Hilfe bearbeitet und aufgearbeitet werden.

Man hört aber auch, es sei regelrecht langweilig geworden in Königs Wusterhausen. Teilen Sie diese Einschätzung?

Ich bin darüber ganz dankbar, weil solche Aussagen zeigen, dass wir unsere Arbeit machen. Viele liegen gebliebenen Themen müssen jetzt zügig bearbeitet werden. Die Kollegen müssen nicht mehr so viel Energie für die Beziehungsebene aufbringen, sie verwenden die Energie jetzt für Sachthemen. Gleichwohl nehme ich das auch als berechtigte Kritik an, selbst wenn es so vielleicht nicht gemeint ist. Wir können unsere Öffentlichkeitsarbeit noch verbessern, die Homepage wird gerade überarbeitet und muss dringend bürgerfreundlicher gestaltet werden. Die Kollegen sind da intensiv dran. Hinzu kommt, dass uns im Haus derzeit drei Fachbereichsleiter fehlen, wir haben einen Haushaltsplan vor der Brust. Vor lauter Arbeit kommen wir gar nicht dazu, uns zu streiten. (lacht)

Andere sagen, Sie seien jetzt Teil einer politischen „Einheitsfront“, die gar keinen Streit und keine anderen Meinungen mehr zulässt.

Es gibt noch strittige Themen. Aber es macht einen Unterschied, ob man sich in der Sache streitet oder ob man grundsätzliche Konflikte auf persönlicher Ebene austrägt, die nicht zielführend sind. In den vergangenen Jahren gab es letzteres zuhauf, weil die Kollegen ihre Aufgaben nicht mehr so leisten konnten, dass etwa die SVV sie als Partner wahrgenommen hat. Jetzt können die Stadtverordneten sich wieder direkt mit Sachgebietsleitern über Ideen austauschen und frühzeitig mögliche Konfliktpunkte besprechen. Das müssen wir alle erst wieder lernen, und wir müssen auch wieder das Streiten in der Sache lernen. Aber ich sehe uns auf einem guten Weg.

Sie haben im Wahlkampf angekündigt, dass Sie das Rathaus neu aufstellen und drei Dezernentenposten schaffen wollen. Verfolgen Sie das Ziel noch?

Absolut. Sobald der SVV-Beschluss da ist, wollen wir die Stellen ausschreiben. Ich halte immer noch daran fest, die Verwaltung zukunftsgerichtet aufzustellen, vor uns liegen viele Aufgaben, die wir gemeinsam bewältigen müssen. Dazu gehört aber auch, dass wir die gesamte Verwaltung neu denken, neu organisieren, Prozesse auf den Prüfstand stellen. Dafür wird es im nächsten Jahr eine große Organisationsuntersuchung geben.

Mit welchem Ziel?

Die Verwaltung soll bürgernäher werden. Wir können bessere Zeiten anbieten, digitaler werden, bessere Wege für Bürgerbeteiligung finden. Wir stehen als Rathaus aber auch vor großen Aufgaben. Königs Wusterhausen wird auf rund 50.000 Einwohner wachsen, wir müssen über Umbau, Ausbau oder Neubau von Einrichtungen entscheiden, mit Investoren verhandeln und vieles mehr. Die Frage ist, ob wir bereit dafür sind. Um diese Frage zu beantworten und die künftige Entwicklung steuern zu können, müssen wir uns überprüfen und verändern.

Kritiker sagen, Sie blähen die Verwaltung mit drei Dezernenten lediglich auf.

Nein, uns fehlt diese Ebene, die strategisch arbeitet, Chancen aufzeigt und Arbeitsfelder benennt. Fachbereichsleiter haben gar nicht die Zeit, zu diskutieren und zu planen, wo man als Stadt hinwill, da sie auf die Umsetzung bestehender Beschlüsse ihren vollen Fokus legen müssen.

Wollen Sie die Verwaltung auch personell aufstocken?

Das wird kommen, stellt uns jedoch vor ein Raumproblem. Wir suchen schon Mietobjekte. Langfristig wollen wir das Areal Scheederstraße, Potsdamer Straße und Amtsgraben aber als Verwaltungscampus entwickeln. Wir hoffen, dass wir in diesem Jahr noch mit einem Workshop dazu beginnen können.

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Ihre größte inhaltliche Baustelle sind die Schulen. Fast überall herrscht dringender Handlungsbedarf, teilweise sind bestehende Gebäude schon fürs nächste Schuljahr zu klein. Wie kommen Sie voran?

Wir haben regelmäßige Arbeitsbesprechungen zu den Schulen. Am drängendsten ist die Lage an der Grundschule Zernsdorf. Da sind wir recht weit mit der Standortuntersuchung für Container. Gleichzeitig prüfen wir die bauliche Entwicklung des gesamten Campusses, die von der SVV 2016 beschlossen, bisher aber nicht umgesetzt wurde.

Und wie sieht es bei den anderen Schulen aus?

Mit der Montessorischule sind die Differenzen ausgeräumt. Die Erweiterung der Grundschule Niederlehme planen wir auch, da haben wir aber etwas mehr Zeit als in Zernsdorf. In der Kernstadt haben wir mit den Schulleitern gesprochen und wollen eine Projektgruppe gründen. Für einen Schulneubau in der Kernstadt, der ebenfalls erforderlich wird, suchen wir gerade nach geeigneten Flächen. Problematisch sind oft die Hortkapazitäten. Ich bin deshalb im Gespräch mit dem Land und hoffe auf eine Ausnahmeregelung, Schulräume doppelt belegen zu können.

Bei der Hauptfeuerwache haben Sie ein Durchbruch erzielt. Die Wache soll nun mit Einverständnis der Wehr nicht mehr auf dem Funkerberg, sondern im Königspark gebaut werden. Im Wahlkampf gab es darum noch heftige Diskussionen.

Richtig. Wir haben trotzdem mögliche Alternativstandorte untersuchen lassen, und die Ergebnisse haben gezeigt, dass das eine gute Entscheidung war. Ich wünsche mir, dass wir uns künftig öfter selbst hinterfragen, ob wir immer noch auf dem richtigen Weg sind.

Eines der größten Konfliktfelder war in der Vergangenheit die Zusammenarbeit mit dem Landkreis. Wie würden sie aktuell das Verhältnis zwischen den Führungsebenen beschreiben?

Alle offenen Klageverfahren sind eingestellt, wir haben den Widerspruch gegen die Kreisumlage zurückgenommen, weil sich alles im Dialog klären lässt. Bei der Kreisumlage etwa wollen wir gemeinsam mit den anderen Kommunen und dem Landkreis eine einvernehmliche Lösung finden. Über Bauvorhaben wie Hauptfeuerwache, Kitas oder Schulen sprechen wir jetzt schon im Vorfeld mit der zuständigen Dezernentin. Das hat eine neue Qualität. Es ist aber noch Luft nach oben.

Wie meinen Sie das?

Die Planungsprozesse sind komplex und langwierig. Da wäre es gut, wenn es ein Gremium gäbe, in dem alle Entscheidungsträger sitzen, und wo über kommunale Bauvorhaben zügig entschieden werden könnte. Wir müssen dem wachsenden Bedarf gerecht werden, weil wir sonst den Anschluss verlieren und Bürger zurecht verärgert sind.

Frau Wiezorek, wie lange hat es gedauert, bis Sie beim morgendlichen Blick in den Spiegel eine Bürgermeisterin vor sich gesehen haben?

Ich schaue nicht so oft in den Spiegel. (lacht) Mir wird das eher dann bewusst, wenn Personalverantwortung ins Spiel kommt oder wenn man im Städte- und Gemeindebund über Langzeitprojekte und Stadtentwicklung spricht. Gerade da merke ich, wie viel Gestaltungsspielraum man als Bürgermeisterin hat.

Und wie steht es mit der Wohnungssuche?

Es ist nicht so einfach, etwas Passendes zu finden. Ich habe erst einmal möblierte Wohnung angemietet, so dass ich mich meinen Aufgaben widmen kann und keinen Druck bei der Suche habe.

Von Oliver Fischer