Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Königs Wusterhausen Die Kuhns und ihre Rasselbande
Lokales Dahme-Spreewald Königs Wusterhausen Die Kuhns und ihre Rasselbande
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:51 21.12.2018
Familie Kuhn hat acht Kinder, hier sitzen sechs von ihnen mit Papa Robert Kuhn im Spielzimmer auf dem Sofa. Hinten: Lars, Lisa, Lilly, Luisa. Vorne: Lutz, Robert Kuhn, Logan. Quelle: Oliver Fischer
Königs Wusterhausen

Wenn Robert Kuhn mit seinen Kindern einen Wochenendeinkauf macht, dann erregt er meistens Aufsehen im Einkaufszentrum. Vor allem wegen der Größe der Kolonne. Kuhn (31) nimmt seine Kinder Lorenzo (2) und Luisa (1) meist im Fahrradanhänger mit. Vielleicht drängelt sich Logan (3) auch noch rein. Lutz (4), Lisa (6), Lars (8) und Lilly (9) haben eigene Räder. Oder sie laufen. Wenn Mama Nicole dabei ist und das Jüngste im Kinderwagen nebenher schiebt, dann rücken zehn Mann in den Supermarkt ein – und entsprechend üppig fällt der Einkauf aus. Ein voller Wagen reicht für ein Wochenende. „Montag ziehen wir wieder los“, sagt Robert Kuhn – und lacht. Acht Kinder, das bringt spezielle Herausforderungen mit sich.

Die Kuhns jammern aber nicht. Im Gegenteil. „Wenn man das gut organisiert und alle an einem Strang ziehen, dann ist das kein Problem“, sagt Robert Kuhn. Zumal sie sich selbst dafür entschieden haben und an der Aufgabe nach und nach auch wachsen konnten. Robert und Nicole Kuhn lernten sich vor 13 Jahren kennen, sie heirateten jung und schmiedeten schnell den Plan, eine Großfamilie zu gründen. Mutter Nicole hatte selbst acht Geschwister, sie träumte davon, ähnlich viele Kinder in die Welt zu setzen. Ihr Mann, selbst eins von drei Geschwistern, machte mit. „Sie hat sich es gewünscht, ich konnte es ihr nicht abschlagen“, sagt er.

Die Waschmaschine läuft rund um die Uhr

Die Familie ist dadurch allerdings für beide derzeit ein Vollzeitjob, der noch dazu gut geplant sein will. Um 5.30 Uhr beginnt der Tag, die Kinder werden durch die Badezimmer geschleust, es müssen Frühstücksteller vorbereitet und Stullenpakete gepackt werden. Wenn die Großen in der Schule und die Jüngeren in der Kita sind, geht Robert Kuhn einkaufen, während sich seine Frau um die Kleinsten kümmert, die noch nicht betreut werden. Danach wird Wäsche gewaschen, gekocht und aufgeräumt, bevor die ersten von der Kita zurückkommen und wieder alles durcheinanderwirbeln.

Robert Kuhn erzählt davon, als mache er das mit Links. Dabei werden selbst Kleinigkeiten bei einer solchen Familiengröße schnell zu gewaltigen Aufgaben. Die Waschmaschine wird mehrfach am Tag befüllt und ausgeräumt, sie läuft fast rund um die Uhr – zumal eine der beiden Kuhn’schen Maschinen gerade ihren Geist aufgegeben hat. Auch das Mittagkochen sei eine umfangreiche Prozedur, es nehme etwa zwei Stunden in Anspruch, erzählt Robert Kuhn. Schon das Kartoffelnschälen wäre eine Aufgabe für eine eigene Hilfskraft.

Neun Personen auf 71 Quadratmetern

Die Töpfe der Kuhns passen auch nicht in die Küchenschränke, sie stehen oben drauf, weil sie eigentlich für Massenverpflegung vorgesehen sind. Und nach dem Essen stapelt sich das Geschirr in der kleinen Küche in Bergen. Dreimal muss der Spüler angeworfen werden, bis alles wieder sauber ist. „Aber ein zweites Gerät passt nicht rein, dafür ist die Küche zu klein“, sagt Robert Kuhn. Die zwei Kühlschränke müssen schließlich auch noch irgendwo Platz finden.

Bis Anfang diesen Jahres war das alles freilich noch viel komplizierter. Bis dahin lebten die Kuhns in ihrer Neubau-Wohnung auf ganzen 71 Quadratmetern. Als ihre Nachbarin auszog, beantragten und verhandelten sie dann aber so lange, bis sie deren Wohnung dazu bekamen. Eine Wand wurde durchbrochen, Robert Kuhn renovierte innerhalb von einer Woche die gesamte zweite Wohnung neu. Seither teilen die Kinder, die sich vorher in ihren Etagenbetten regelrecht stapelten, jeweils zu zweit ein Zimmer. Darüber hinaus bleibt noch Raum für ein Spielzimmer und ein Ankleidezimmer.

Vater Kuhn ist handwerklich begabt

Das alles einzurichten ist freilich kostspielig – und Geld bei dieser Familienkonstellation notorisch knapp. Da muss improvisiert werden, wo es nur geht. Aber auch das sei kein Problem, sagt Robert Kuhn. Er habe früher in der Landwirtschaft gearbeitet, später auf dem Bau und in einem Elektrogerätehandel. „Da habe ich mir viel abgeschaut. Vom Fußboden bis zum Dach mache ich alles selbst“, sagt er.

Jüngst hat er einen vier Meter breiten Kleiderschrank geschenkt bekommen. Weil er weder Auto noch Führerschein hat, lud er die Teile auf seinen Handwagen und schleppte den Schrank Stück für Stück nach oben. Dann wurde er noch ein wenig den Bedürfnissen angepasst, und siehe da: Er erfüllt seinen Zweck.

Die MAZ-Sterntaler-Aktion

Die Weihnachtsaktion der MAZ in Kooperation mit dem DRK-Kreisverband Fläming-Spreewald soll unverschuldet in Not geratene Familien unterstützen.

Das Spendenkonto wird vom DRK verwaltet, das auf Wunsch auch Spendenquittungen ausstellt.

Konto für die Spenden: DRK Fläming-Spreewald. IBAN: DE 30 1605  0000 3633 0275 39, Stichwort: Sterntaler.

Die MAZ veröffentlicht die Namen der Spender. Ist das nicht gewünscht, kann dies bei der Überweisung entsprechend angegeben werden.

Dieses Jahr unterstützen die Sterntaler auch Kindereinrichtungen aus Teltow-Fläming und Dahme-Spreewald, die Weihnachtswünsche haben.

Die Kita braucht neue Lernspiele? Der Hort ein bequemes Kuschelsofa? Schildern Sie uns bis zum 31. Dezember 2018 Ihren Wunsch (inklusive Kostenschätzung, Maximalbetrag 3000 Euro) per Mail an desk.df@MAZ-online.de oder per Post an MAZ Regionalverlag Dahmeland-Fläming, Stichwort: Sterntaler, Bahnhofstraße 17a, 15711 Königs Wusterhausen.

Möbel werden passend gemacht

Den Esstisch der Familie hat Robert Kuhn gleich komplett selbst gebaut – aus dicken Regalbrettern, die bei Kaufland ausgemustert wurden und weggeworfen werden sollten. Ein Stück von einer Europalette drunter, alles mit Laminat verkleidet: Sieht aus wie gekauft.

Betten kürzen, Bänke zimmern, Sperrmüll wieder aufhübschen, so kommt man durch. Für Urlaubsreisen oder Restaurantbesuche bleibt kein Geld übrig. „Brauchen wir aber auch gar nicht“, sagt Robert Kuhn und winkt ab. Dann geht er ins Bad und zieht grinsend einen Vorhang beiseite. Dahinter steht: ein ausgemusterter Dönergrill. „Wenn uns danach ist, dann wird der auf den Balkon gestellt und wir machen uns alle Döner“, sagt er. Die Spieße gebe es tiefgefroren für wenig Geld. Die Kinder lieben es.

Die Wunschliste ist lang

Und trotzdem fehlt doch manchmal etwas. Bei den Weihnachtsgeschenken für die Kinder etwa kommt die Familie schnell an Grenzen. Wenn sich Lisa eine Baby-Born-Puppe wünscht, die in die Windel machen kann, zucken Robert und Nicole Kuhn nur mit den Schultern. Auch ein neuer Schreibtischstuhl für die Schulkinder ist finanziell nicht drin. Lars wünscht sich ein ferngesteuertes Auto, Lilly eine Nintendo Switch – und Bastelsachen für alle können ohnehin nicht genügend im Haus sein. „Buntstifte und Knete fehlen immer“, sagt Robert Kuhn.

Aber auch die Eltern können Unterstützung gebrauchen. Eine Waschmaschine ist komplett kaputt, die zweite läuft ständig aus. Und der Drucker hat auch kürzlich seinen Geist aufgeben. „Schade, da war ein Faxgerät mit dran. Das war praktisch“, sagt Robert Kuhn.

Aber dann hat Lilly auch schon wieder ein Problem mit ihrem Spielzeug, Lutz hat Lisa an den Haaren gezogen, Lorenzo hustet und Lars hat Hunger. Robert Kuhn hat keine Zeit mehr, dem Drucker nachzutrauern. Der Alltag ruft.

Von Oliver Fischer

Der mutmaßliche Missbrauch einer jungen Frau in Königs Wusterhausen durch Flüchtlinge ruft dubiose Asylkritiker auf den Plan. Nun rufen sie mit einem fragwürdigen Plakat zu einer Kundgebung unter dem Motto „Wehrt euch“ auf.

03.12.2018

Wohnen oder Gewerbe, das ist hier die Frage. Königs Wusterhausens Stadtverordnete entscheiden über die Zukunft des Königsparks. Für eine Variante steht ein Investor bereit.

30.11.2018

Weil er offensichtlich unter dem Einfluss von Drogen unterwegs war, hielten Polizeibeamte am Mittwochabend einen 36-jährigen Hyundai-Fahrer an und führten einen Schnelltest durch. Dieser war positiv.

29.11.2018