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Königs Wusterhausen Arbeiten im Hafen von Königs Wusterhausen belasten Anwohner – leidet das Trinkwasser?
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07:38 30.07.2019
Der Geschäftsführer der Lutra GmbH Michael Fiedler, im Hintergrund links ein Schrottumschlagplatz und das Zementwerk. Quelle: Udo Böhlefeld
Königs Wusterhausen

Im Hafen Königs Wusterhausen könnte es künftig noch lauter werden. Das jedenfalls befürchten Bündnis 90/Die Grünen. Und damit nicht genug: „Mitten im Trinkwasserschutzgebiet sollen knapp 70.000 Tonnen Altholz jährlich zerkleinert und zwischengelagert werden, darunter auch als gefährlich eingestufte Materialien wie Bahnschwellen.“ Das sei für ihn nicht nachvollziehbar, sagt der Landtagsabgeordnete der Grünen, Benjamin Raschke aus Lübben. Hafenchef Michael Fiedler weist die Befürchtung zurück.

Mehr Staub, Schadstoff und LKW-Verkehr befürchtet

Raschke fürchtet, dass die Altholzverarbeitung zu einer massiven Zunahme des Lkw-Verkehrs führen werde. Auch sei mit mehr Staub und Schadstoffen bei der Verarbeitung des Holzes zu rechnen. Der Landtagsabgeordnete fordert, dass der Schutz von Mensch und Umwelt in dem dicht besiedelten Gebiet einen größeren Stellenwert haben müsse als wirtschaftliche Interessen.

Eigenheime, Kleingärten, Schulen, ein Krankenhaus und eine Kindertagesstätte liegen im unmittelbaren Einzugsbereich des Hafens. Zu den erheblichen Emissionen im Hafenbereich trage auch der Großschlachtbetrieb von Wiesenhof bei. Und nach Auskunft der Landesregierung seien weitere Gewerbeansiedlungen geplant: So solle eine Logistik- und Baustofflagerhalle entstehen, die ebenfalls zu einer Zunahme des Lkw-Verkehrs führen werde.

Anwohner fühlen sich gebeutelt

Die Anwohner und Kleingärtner rund um den Kiefernweg am Hafen fühlen sich bereits jetzt stark gebeutelt. So sei kaum noch genießbar, was in seinem Garten wachse, sagt ein Gärtner, der dort seit mehr als zwanzig Jahren Obst und Gemüse zieht. Auch die Hausbesitzerin nur wenige Meter weiter beklagt den Lärm und vor allem den ständigen Staub des Zementwerkes überall. Das habe man alles dem letzten Bürgermeister zu verdanken, sind sich beide einig. Mit ihrem Namen möchten sie dabei lieber nicht in der Zeitung stehen.

Risiko für das Trinkwasser

Seit Vattenfall im Mai 2017 im Berliner Heizkraftwerk keine Braunkohle mehr verbrennt, fehle dem Hafen Königs Wusterhausen der wirtschaftliche Schwerpunkt. Seitdem, so der umweltpolitische Sprecher der Grünen im Landtag, gebe es weder in der Stadt noch beim Landkreis oder dem Land ein tragfähiges und nachhaltiges Nutzungskonzept. Es komme zu einer weitgehend ungesteuerten Nutzung mit großen Umweltrisiken. Raschke: „Das betrifft vor allem den Trinkwasserschutz.“ Der Hafen liegt in der Trinkwasserschutzzone III/II. Rund 17 Brunnen des Wasserwerks Königs Wusterhausen befinden sich in unmittelbarer Nähe.

Grüne fordern Entwicklungskonzept

Aus Sicht des Landtagsabgeordneten sei es höchste Zeit für eine schalltechnische Untersuchung. „Die letzte entsprechende Untersuchung ist im Hafengebiet vor knapp zehn Jahren erfolgt. Diese Untersuchung hat aber weder den Lärm des Flughafens und der Autobahn 10, noch den der Bahnstrecke BerlinCottbus berücksichtigt.“ Es sei jetzt an der Zeit für ein tragfähiges und nachhaltiges Entwicklungskonzept für den Hafen. Benjamin Raschke: „Wir brauchen wirtschaftliche Entwicklung – für Mensch und Umwelt verträglich“, so Raschke weiter.

Hafenchef verteidigt den Kurs

Michael Fiedler, seit Mai 2018 Geschäftsführer der Hafengesellschaft Lutra, verweist stattdessen auf ein Hafenentwicklungskonzept, das es bereits seit den frühen 1990er Jahren gebe. Wesentliches Element dabei: Unternehmen im Hafen, die direkt am Wasser oder an Bahngleisen liegen, seien vertraglich verpflichtet, Güter von der Straße auf Bahn oder Schiff umzuschlagen. Dieser Güterumschlag ist Aufgabe der Lutra GmbH. Hafenchef Fiedler: „In diesem Sinne ist Timberpak ein Ansiedler, der mein Interesse nach Ansiedlung und Umschlag vollständig befriedigt.“ Timberpak recycelt Altholz – darunter auch alte Eisenbahnschwellen – zu Bodenbelägen. Diese Bahnschwellen, die mit umweltschädlichen Stoffen belastet sind, würden „ausschließlich in der Lagerhalle gelagert und weiter verarbeitet“, so Fiedler. Aktuell – das Genehmigungsverfahren durch das Landesumweltschutzamt Cottbus ist noch nicht endgültig entschieden – arbeite Timberpak daran gar nicht.

Stadt hat Zustimmung erteilt

Die Stadt Königs Wusterhausen war am bisherigen Genehmigungsverfahren beteiligt und hat ihre Zustimmung zu der Ansiedlung des neuen Gewerbebetriebs unter Auflagen erteilt. Um die Wasserqualität sicherzustellen, sei die untere Wasserbehörde des Landkreises zu beteiligen. Die führt regelmäßig zweimal pro Jahr an rund 35 Messstellen entsprechende Untersuchungen durch. Außerdem dürften weder Staub- noch Geräuschbelastungen für die angrenzenden Wohngrundstücke entstehen. Und die Leistungsfähigkeit des kommunalen Straßennetzes, insbesondere der Innenstadt, dürfe nicht überschritten werden. Das sieht Michael Fiedler ganz genau so: „Wir haben extra die Autobahnanbindung für den Hafen gebaut. Aber wenn die Stadt sicher gehen will, dass bei Stau auf der Autobahn niemand durch die Stadt fährt, dann muss sie die Innenstadt für den LKW-Verkehr sperren.“

Von Udo Böhlefeld

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