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Königs Wusterhausen Die vergessenen Kriegsopfer von Zernsdorf
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00:24 26.04.2019
Die Besatzung des amerikanischen Bombers, der am 6. März 1944 bei Zernsdorf abgeschossen wurde. Quelle: Peter Schouteten, Sue, Haushalter Family Tree / Rainer Fricke
Zernsdorf

Der alte Zernsdorfer Friedhof erzählt viele Geschichten. Rainer Fricke vom Heimatverein hat nun ein Kapitel hinzugefügt. Der 64-Jährige fand heraus, dass hier neben deutschen Kriegsopfern auch ein amerikanischer Bomber-Pilot die letzte Ruhe fand. Dessen Schicksal und das der übrigen neunköpfigen Besatzung war bisher weitgehend unbekannt. In einem noch unveröffentlichten Aufsatz hat Fricke die Ereignisse dokumentiert, die 75 Jahre zurückliegen. Er forschte in amerikanischen und deutschen Archiven, befragte Zeitzeugen.

Bomben schlugen nah des Friedhofs ein

Überliefert ist bisher nur das Schicksal der deutschen Opfer. Nur wenige Meter vom Friedhof entfernt schlugen am 6. März 1944 Bomben ein. Es wurden drei Wohnhäuser zerstört, 13 Menschen starben. Heute befindet sich auf dem Grundstück an der Karl-Marx-Straße das Sparkassen-Gebäude. Mindestens sechs von ihnen wurden nachweislich auf dem Zernsdorfer Friedhof an der heutigen Friedrich-Engels-Straße beigesetzt. Darunter waren Anna Schmidt und ihr Sohn Hans-Georg, der gerade einmal vier Jahre alt wurde. Ihr Grabstein ist erhalten geblieben. Besonders tragisch ist, dass unter den Opfern auch Flüchtlinge aus Berlin waren, die sich in Zernsdorf in Sicherheit bringen wollten.

Rainer Fricke am Grab einer Mutter und ihres Kindes, die bei einem Bombenangriff am 6. März 1944 in Zernsdorf ums Leben kamen. Quelle: Frank Pawlowski

Doch an jenem 6. März verloren auch amerikanische Piloten ihr Leben. Rainer Fricke fand heraus, dass an den Tag gegen 13.30 Uhr unweit von Zernsdorf ein Bomber namens „Myer’s Flaw“ abgeschossen wurde. Die viermotorige Boeing vom Typ Fortress B17 G wurde auch „fliegende Festung“ genannt. Die Maschine soll nordöstlich des Forsthauses Krummeluch in Wernsdorf abgestürzt sein. Den genauen Ort will Rainer Fricke nicht nennen,weil Untersuchungen eines US-Teams zu dem Vorfall noch nicht abgeschlossen seien, wie er sagt. Ein Mitglied der Besatzung gilt immer noch als vermisst.

Experten suchten Hilfe im Rathaus

Auf den Fall aufmerksam wurde Rainer Fricke, als er noch in der Königs Wusterhausener Stadtverwaltung arbeitete. Eine Gruppe von amerikanischen Experten hatte sich hilfesuchend an das Rathaus gewandt. Sie sind für eine Organisation tätig, die ähnliche Aufgaben wie die Deutsche Kriegsgräberfürsorge erfüllt. Dazu gehören Nachforschungen zu Soldatengräbern sowie die Identifizierung und Rückführung gefallener Amerikaner. Fricke sollte wegen seiner Englischkenntnisse die Gruppe betreuen. „Es gab Luftaufnahmen von der Absturzstelle. Sie suchten Zeugen in der Region“, sagt der 64-Jährige.

Ein Bomber dieses Typs wurde 1944 bei Zernsdorf abgeschossen. Der Chefpilot wurde in Zernsdorf beigesetzt, kam später auf einen Gedenkfriedhof in Belgien. Drei weitere Besatzungsmitglieder liegen auf dem Niederlehmer Friedhof. Quelle: Air Force Historical Research Agency / Rainer Fricke

Mit Hilfe des gebürtigen Zernsdorfers Rainer Fricke öffneten sich tatsächlich Türen. Ihm gegenüber brachen ältere Dorfbewohner aus Zernsdorf, Kablow und Niederlehme ihr Schweigen und schilderten, wie sie 1944 als Kinder den Absturz des Bombers erlebten. Viele Einwohner liefen zur Absturzstelle in den Wald. Chefpilot Edward E. Haushalter blieb mit seinem Fallschirm in einem Baum an der heutigen Friedrich-Engels-Straße in Zernsdorf hängen. Sein Fallschirm hatte sich nicht geöffnet, er starb.

Auf dem Friedhof beigesetzt

Haushalter wurde auf dem Zernsdorfer Friedhof beigesetzt und 1948 an die amerikanischen Behören übergeben. Er ruht heute auf dem Gedenkfriedhof Ardennes in Belgien. Drei weitere Besatzungsmitglieder sind laut Rainer Frickes Recherchen in Niederlehme beigesetzt worden. „Aber wo sie liegen, ist nicht bekannt.“ Aus dem Niederlehmer Gemeindearchiv sei nicht zu entnehmen, wer an welcher Stelle bestattet wurde. Sechs der zehn Besatzungsmitglieder sollen gefangen genommen worden sein.

Die Sparkasse an der Karl-Marx-Straße steht auf dem Grundstück, auf das vor 75 Jahren die Bomben fielen. Quelle: Frank Pawlowski

Rainer Frickes Nachforschungen ergaben, dass Zernsdorf wohl nicht das Ziel des Bombenabwurfs war. Die „Meyer’s Flaw“ gehörte zu einer Bombergruppe der amerikanischen Luftwaffe, die am 6. März 1944 zur ersten großen Tagesoffensive der Alliierten gegen Berlin gestartet war. In seinem Aufsatz schreibt Rainer Fricke: „Opfer dieses Luftangriffs und damit Opfer eines irrsinnigen Krieges waren einerseits Zivilisten aus Zernsdorf und andererseits amerikanische Soldaten, die heute in der Erde unserer Stadt gemeinsam begraben sind.“ Die Opfer dieses Tages seien „schicksalhaft miteinander verbunden“, so Rainer Fricke.

Dorffriedhof steht unter Denkmalschutz

Der alte Zernsdorfer Dorffriedhof besteht seit 1817. Er steht seit 2011 wegen seiner besonderen Gräberanordnung im historischen Teil unter Denkmalschutz. Auf dem Friedhof befindet sich auch das Grab der von Einsiedels, die der Gemeinde das heutige Bürgerhaus vermachten.

Gräberreihe auf dem Friedhof mit Zernsdorfern, die im Zweiten Weltkrieg starben. Quelle: Frank Pawlowski

Von Frank Pawlowski

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