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Königs Wusterhausen Wohnungsbau für Senioren: Darum ist dieses Vorhaben so umstritten
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00:18 07.05.2019
Mitglieder der Bürgerinitiative und Stadtpolitiker trafen sich am Freitag in der Schütte-Lanz-Straße. Quelle: Frank Pawlowski
Zeesen

Ein Luftbild von 2011 hat sich Peter Berg als Hintergrund auf sein Smartphone gezogen. Es zeigt sein Haus im neuen Wohngebiet Kronenhöfe in Zeesen. Er war der erste, der damals gebaut hat. Ringsherum war noch alles frei. Das hat sich längst geändert. Inzwischen stehen viele Häuser dort. Aber der Wald an der Schütte-Lanz-Straße ist geblieben. Er liegt direkt vor dem Haus des 54-Jährigen.

Ideale Lage

So war es im Bebauungsplan einst festgelegt. „Wir haben darauf vertraut, nur deshalb haben wir das teure Grundstück gekauft“, sagt er. Die Lage fanden Bergs ideal – mitten in der Stadt und trotzdem im Grünen. Doch jetzt sehen sie und weitere Bewohner das Idyll in Gefahr. Denn der Wald soll nun doch weichen. Eine Wohnanlage für Senioren soll hier entstehen. Die Stadt will dafür das Baurecht ändern.

Die stellvertretende SVV-Vorsitzende Laura Lazarus (CDU) trägt sich in eine Unterschriftenliste zur Rettung des Waldes an der Schütte-Lanz-Straße ein. Quelle: Frank Pawlowski

In den Ausschüssen des Stadtrates war das bisher unstrittig. Nach den jüngsten Bürgerprotesten bröckelt die Zustimmung allerdings. Zuletzt gab es noch eine Mehrheit für das Wohnprojekt und damit für die Abholzung des Waldes. Der Stadtrat entscheidet am 13. Mai darüber.

Initiative sammelt Unterschriften

Eine Bürgerinitiative zur Rettung des Waldes sammelt Unterschriften und startete schon eine Online-Petition. Mehrere Hundert Unterstützer meldeten sich binnen kurzer Zeit. Die Änderung des B-Planes lehnten Anwohner schon im Beteiligungsverfahren ab, ihre Einwände wurden aber nicht berücksichtigt. Das ärgert Peter Berg ebenso wie der nach seiner Ansicht ignorante Umgang einiger Stadtpolitiker mit den Sorgen der Bürger. „Dadurch sind wir erst aufgewacht. Wir haben das Gefühl, dass uns nicht zugehört wurde.“

Anwohner Peter Berg (3.v.r.) stellt das Anliegen der Bürgerinitiative vor. Quelle: Frank Pawlowski

Am Freitag lud die Bürgerinitiative einige Stadtpolitiker ein, die das Anliegen durchweg unterstützten. Die stellvertretende SVV-Vorsitzende Laura Lazarus (CDU) unterschrieb die Forderung zum Erhalt des Waldes. „Wir brauchen ein grundsätzliches Konzept, wie Königs Wusterhausen in 20 Jahren aussehen soll“, sagte sie. Anwesend waren ebenso Vertreter der Unabhängigen Bürgerliste UBL sowie der AfD. Peter Berg und seine Mitstreiter hoffen, dass die Abstimmung im Stadtrat doch noch vertagt wird. „Wir erwarten, dass über Alternativen nachgedacht wird und dass man sich zum Erhalt der Natur positioniert“, sagt er.

Scheibchenweiser Ausverkauf

Für ihn geht es hier um viel mehr. Berg beklagt einen scheibchenweisen Ausverkauf von Wald in Königs Wusterhausen. 17 Hektar seien in den letzten Jahren abgeholzt worden. Jetzt stehe der letzte stadtnahe Mischwald auf dem Spiel. „Unsere Kinder und Enkel demonstrieren freitags für den Klimaschutz und hier wird weiter abgeholzt.“ Das passt für ihn nicht zusammen. „Jeder Wald ist wichtig. Wir haben es hier selbst in der Hand, etwas für den Klimaschutz zu tun.“

Forst lehnt Rodung ab

Die Forstbehörde lehnt eine Rodung ebenfalls ab, wegen der „hohen ökologischen Wertigkeit der Waldfläche“, wie es in ihrer Stellungnahme heißt. Die Naturschutzbehörde des Landkreises brachte hingegen kein Einwände gegen das Bauvorhaben hervor.

Stadt sieht akuten Handlungsbedarf

Für die Königs Wusterhausener Stadtverwaltung ist die Sache baurechtlich klar. Der Bereich an der Schütte-Lanz-Straße sei ein Siedlungsgebiet, in dem jetzt eine Lücke geschlossen wird. Dass dafür ein Waldstück verschwinden muss, sei wegen der großen Nachfrage nach Seniorenwohnungen in zentraler Stadtlage unvermeidbar. Es bestehe „akuter Handlungsbedarf“. Eine Änderung des B-Planes sei daher notwendig und liege im „wesentlichen öffentlichen Interesse“. Zudem wird das mit einer „eingetretenen Dynamik in der Bevölkerungsentwicklung der letzten Jahre“ begründet.

Ergänzung zum Neubaugebiet

Die neue Wohnanlage würde das Wohnungsangebot im Neubaugebiet ergänzen und sei außerdem sehr gut an den öffentlichen Nahverkehr angebunden. Es gibt zwei nahe gelegene Bushaltestellen. Außerdem sei vom Land hier ebenfalls eine Entwicklung vorgesehen. „Flächen, die sich durch diese Lagegunst auszeichnen, sind rar“, sagte Stadtsprecher Reik Anton.

80 bis 100 Wohnungen könnten entstehen

Betroffen sind rund 2,6 Hektar, von denen 1,8 Hektar bebaut werden sollen. Die Nachbargrundstücke werden laut den Plänen durch einen Grünstreifen von den Neubauten abgegrenzt. Vorgesehen sind 80 bis 100 Wohnungen sowie verschiedene Betreuungsangebote für die Senioren.

Von Frank Pawlowski

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