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Königs Wusterhausen Die letzte echte Kneipe von Königs Wusterhausen
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00:32 11.05.2019
Wirt Rüdiger Frambach hinter seinem Tresen. Quelle: frank Pawlowski
Königs Wusterhausen

Ein Wochentag kurz nach 14 Uhr. Die „Kleine Melodie“ in der Cottbuser Straße hat gerade aufgemacht und ist schon gut besucht. Fast alle Tische sind besetzt. Die Gäste plaudern, trinken Bier, rauchen. Es ist sehr heimelig. Hinterm Tresen steht Wirt Rüdiger Frambach mit wachem Blick. Der 63-Jährige schaut zum Fernseher, der an der Wand gegenüber hängt. Gleichzeitig hat er die Gläser seiner Gäste im Blick. Hier sitzt niemand lange auf dem Trockenen.

Die „Melo“ ist ein Novum

Gaststätten gibt es viele in Königs Wusterhausen. Aber eine Kneipe wie die „Melo“ findet man sonst nirgendwo mehr. Und das liegt nicht nur daran, dass es eine Raucherkneipe ist und dass die letzte echte Bierkneipe der Stadt von einem Weinliebhaber aus dem Rheinland geführt wird.

In der Ecke des Gastraums steht ein Ofen, die Wände sind mit Holz verkleidet, an den Tischen stehen dunkelbraune Stühle. Fensterrahmen und Teile der Wände sind vergilbt. Es ist etwas schummerig, weil wenig Tageslicht hereinkommt. Der „Melo“ sind die vielen Kneipenjahre anzusehen. Heruntergekommen ist sie aber nicht. Die Räume gehörten einst zu einer Konditorei, in der kleine Kaffeekonzerte gegeben wurden. Daher soll der Name „Kleine Melodie“ stammen. Nach dem zweiten Weltkrieg war hier Königs Wusterhausens erste Nachtbar.

Die Gaststätte „Kleine Melodie“ in der Cottbuser Straße. Quelle: Frank Pawlowski

Rüdiger Frambach verschlug es vor fast 25 Jahren nach Königs Wusterhausen. Er kommt aus Bingen am Rhein, ist Stuckateur. Als ein Mitarbeiter seiner Firma für einen Auftrag in der Region unterwegs war, krachte er in das Auto einer Frau. Frambach regulierte den Schaden und verliebte sich in die Fahrerin, die am Unfall beteiligt war – die spätere langjährige Melo-Wirtin Angelika Neumann. Sie verstarb im vorigen Jahr. Rüdiger Frambach, der bis dahin in der Kneipe nur ausgeholfen hatte, übernahm die Wirtschaft.

Das Bier kostet 1,50 Euro

Mindestens zwölf Stunden ist er fast jeden Tag auf den Beinen. Trotzdem ist ihm die harte Arbeit nicht zu viel. Er treibt Sport, trinkt selten Alkohol und ernährt sich gesund, um sich fit zu halten. Die „Melo“ ist sein Leben. „Es ist wie eine große Familie hier“, sagt er. Die meisten seiner Gäste kennt er persönlich. Das Bierchen gibt’s für 1,50 Euro, ein Schnaps kostet genauso viel. Aber das allein ist nicht das Geheimnis des Erfolges. „Man muss sich kümmern und was organisieren. Du darfst nicht nur am Ausschank stehen“, sagt Rüdiger Frambach. Die „Melo“ ist bekannt für ein lebendiges Kneipenleben, bei dem sogar Sport getrieben wird. Es gibt eine eigene Dart-Mannschaft, die in einer Berlin-Brandenburg-Liga sehr erfolgreich ist. In der laufenden Saison führt das Melo-Team die Tabelle an und spielt um den Aufstieg. Die Heimspiele werden in einem Raum hinter dem Gastraum ausgetragen. Mehrmals die Woche ist hier abends Training.

In diesem Raum trainiert und spielt das Dart-Team der Kneipe, das in einer Berlin-Liga derzeit Spitzenreiter ist und aufsteigen will. Quelle: Frank Pawlowski

Es gibt Skatrunden und ein Tippspiel zur Fußball-Bundesliga. Krönender Abschluss sind die Fahrten zum Ende der Saison, diesmal geht es nach Nürnberg. Rappelvoll ist die Kneipe bei Fußballübertragungen von Sky, die hier zu sehen sind. Wenn Union Berlin spielt oder die Bundesliga-Konferenz läuft, ist oft kein Durchkommen mehr.

Gespräch am Kneipentisch

An einem Tisch wird gerade eifrig ein Thema besprochen. Am Nottekanal nahe der Festwiese sind mehrere Bänke abgebaut worden. „Ausgerechnet jetzt, wo man wieder draußen sitzen kann. Die spinnen doch bei der Stadt“, sagt ein Mann. „Aber den Gehweg an der Cottbuser haben sie gut gemacht“, sagt ein anderer. „Es gibt viel zu kritisieren, aber es gibt auch viel zu loben in Königs Wusterhausen“, lautet sein Fazit. Egal, wen man fragt in der „Melo“, alle schätzen das selbe an ihr. „Das ist Gemeinschaft“, heißt es immer wieder. Für einen älteren Herren ist der Kneipenbesuch eine willkommene Abwechslung am Tag, ein anderer Mann genießt regelmäßig sein Feierabend-Bier. „Auch wenn es dunkel und abgenutzt ist, das hat hier Stil.“

Auf dem Eckofen im Gastraum steht ein Bild der 2018 verstorbenen Melo-Wirtin Angelika Neumann. Quelle: Frank Pawlowski

Darauf legt Rüdiger Frambach auch sonst großen Wert. „Wir haben hier gute Getränke, und ich achte darauf, dass die Cola im Glas serviert wird.“ Essen gibt es in der Kleinen Melodie nicht. Wer Hunger hat, kann sich auf der anderen Straße eine Pizza holen. Der Wirt selbst trinkt übrigens gar kein Bier. Der Rheinländer bevorzugt Wein und Sekt. Beides bezieht er von einem Weingut in Rheinland-Pfalz und bietet es auch in der „Melo“ an.

Wirt denkt nicht ans Aufhören

Die Zukunft der Kleinen Melodie ist in den Keipengesprächen seit einiger Zeit ebenfalls ein Thema, wie ein Gast erzählt. Rüdiger Frambach denkt zwar noch nicht ans Aufhören, sagt: „Ich mache das, solange ich kann.“ Doch seine Gäste machen sich Gedanken um Königs Wusterhausens letzte Kneipe. „Ich hoffe, sie bleibt noch hundert Jahre erhalten“, sagt einer und prostet seinen Tischgenossen zu.

Von Frank Pawlowski

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