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Königs Wusterhausen Ein Königs Wusterhausener Urgestein verschwindet
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19:14 17.10.2019
Der Edeka-Markt in der Bahnhofstraße Königs Wusterhausen schließt Ende des Jahres. Quelle: Frank Pawlowski
Königs Wusterhausen

Direkt neben dem Capitol-Kino in der Bahnhofstraße gab es seit den frühen 1950er Jahren einen kleinen Lebensmittelladen. „Selbstbedienung“ stand in großen Buchstaben auf dem Dach. Weil es im Geschäft sehr eng war, wurde es im Volksmund „Schmales Handtuch“ genannt. Der Supermarkt im späteren Neubau übernahm den Namen, der zu einem Königs Wusterhausener Original geworden ist. Nun geht die Ära zu Ende. Der Edeka-Markt schließt zum Jahresende.

„Schmales Handtuch“ hieß im Volksmund ein kleiner Lebensmittelladen in der Bahnhofstraße in Königs Wusterhausen. So wird auch der große Edeka-Markt genannt, der daneben entstand. Er schließt Ende 2019.

Getuschelt wird darüber schon eine Weile in der Stadt. Nun bestätigte es Inhaber René Schrank der MAZ offiziell: „Nach einem langen Kampf mit dem Vermieter geben wir auf. Es ist schade, aber es geht nicht mehr.“ Schrank übernahm den Laden einst von seinem Vater. René Schranks Ehefrau und sein Sohn arbeiten im Schmalen Handtuch mit. Die Fleisch- und Wursttheke ist eine Besonderheit. Viele Kunden kommen nur deshalb hierher.

25. Jubiläum steht bevor

Bald steht noch ein Jubiläum an. Am 24. November 1994 wurde der damalige Spar-Markt eröffnet. Da war das neue Wohn- und Geschäftshaus noch eine Baustelle. „Es regnete durch. Das war abenteuerlich,“ erinnert sich René Schrank. Doch fortan war das nun gut 500 Quadratmeter große „Schmale Handtuch“ die erste Adresse für den Einkauf im Stadtzentrum. Das änderte sich, als mit Aldi und Kaufland weitere Anbieter in der näheren Umgebung dazu kamen. Die Umsätze gingen zurück.

Barbara Bluhm machte 1959 im „Schmalen Handtuch“ eine Lehre als Fleischerei-Verkäuferin. Quelle: Frank Pawlowski

Die Schließung habe aber nicht nur wirtschaftliche Gründe. Schranks berichten von Beleidigungen und tätlichen Angriffen durch Kunden. „Wir wollen uns das einfach nicht mehr antun“, sagt René Schrank resigniert. In Stahnsdorf betreibt er noch einen weiteren Markt, der gut läuft. Probleme wie in Königs Wusterhausen gebe es dort nicht, sagt er.

Kunden bedauern Schließung

Kunden bedauern das Ende des „Schmalen Handtuchs“. „Das ist sehr schlecht“, sagt Stammkundin Gabriele Naß . Sie hofft, dass wieder ein Supermarkt einziehen wird. Ein Mann erzählt, dass er dort zwar nur gelegentlich einkauft, er aber die günstige Lage des Marktes schätzt. Barbara Bluhm hat 1959 im „Schmalen Handtuch“ eine Lehre als Fleischverkäuferin begonnen. Sie wohnt im Kirchsteig und kauft dort regelmäßig ein. „Für mich ist das die erste Anlaufstelle“, sagt sie. Die Rentnerin hofft ebenfalls, dass es eine neue Einkaufsmöglichkeit geben wird. Das sei besonders für die Bewohner auf der anderen Seite der Bahnhofs wichtig. „Dort gibt es ja nichts, deshalb brauchen wir hier irgendetwas“, sagt sie.

„Komma 10“, Königs-Floristik und „Midas Feine Wäsche“ im Eingangsbereich zum Markt bleiben geöffnet. Quelle: Gerlinde Irmscher

Ein Nachmieter für den Edeka-Markt ist allerdings noch nicht in Sicht. „Wir versuchen, wieder Lebensmittel rein zu bekommen. Uns würde ein Biomarkt sehr lieb sein,“, sagt Hausverwalter Reinhard Brandt der MAZ. Doch die Suche erweist sich derzeit als schwierig. „Das wird kompliziert, die Unternehmen halten sich bedeckt.“

Sorge vor langem Leerstand

Der Vorsitzende des Stadtentwicklungsausschusses, Tobias Schröter (SPD), ist besorgt, dass es einen langen Leerstand geben könnte. „Das wäre das Schlimmste, was einer Innenstadt passieren kann.“ Mit dem „Schmalen Handtuch“ gehe ein Stück Stadtgeschichte verloren. Wenn die Schließung im Zusammenhang mit Kaufland stehe, dann habe diese Ansiedlung das Gegenteil von dem bewirkt, was erreicht werden sollte. „Die Hoffnung war, dass mehr Besucher in die Innenstadt gezogen werden.“ Die Stadtpolitiker müssten derartige Vorhaben daher künftig besser prüfen. „Wir müssen genau hinsehen, damit wir nicht noch andere Läden gefährden.“ So sei er grundsätzlich skeptisch, was einen zusätzlichen Supermarkt in Zeesen betrifft.

Geschäfte bleiben geöffnet

Ebenfalls schließen wird zum Jahresende die Bäckerei im „Schmalen Handtuch“. Die anderen Geschäfte im Erdgeschoss des Gebäudes bleiben aber geöffnet. „Wir schließen nicht und haben auch nicht die Absicht“, sagt die Inhaberin von „Komma 10“, Barbara Kirschbaum. Auch Iljana Olitzsch von „Midas Feine Wäsche“ wird weiterhin für ihre Kunden da sein. Und wer schöne Blumen kaufen möchte, kann das wie gewohnt bei „Königs Floristik“ tun.

Von Frank Pawlowski und Gerlinde Irmscher

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