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Königs Wusterhausen Königs Wusterhausen: Kein Geld seit Januar – Chefin wartet verzweifelt auf Corona-Hilfen für Fitnessstudio
Lokales Dahme-Spreewald Königs Wusterhausen

Königs Wusterhausen: Fitness-Studios Mrs Sporty warten auf Corona-Hilfen

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19:25 03.11.2021
Daumen runter, Geldbörse leer: Trainerin Nele Liehr, Chefin Cindy Jentsch und Azubi Anne Kunst (v.l.) vor dem Mrs. Sporty-Studio in Königs Wusterhausen.
Daumen runter, Geldbörse leer: Trainerin Nele Liehr, Chefin Cindy Jentsch und Azubi Anne Kunst (v.l.) vor dem Mrs. Sporty-Studio in Königs Wusterhausen. Quelle: Frank Pawlowski
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Königs Wusterhausen

Der Fitnesstrainerin Cindy Jentsch geht bald die Puste aus. Das liegt aber nicht am fehlenden Training. Die Inhaberin zweier Sportstudios in Königs Wusterhausen wartet auf die staatlichen Corona-Hilfen, die sie für Januar bis Mai 2021 beantragt hat. Es geht immerhin um 60.000 Euro. Wenn das Geld nicht bald kommt, ist sie geschäftlich am Ende. „Ich jongliere mit den roten Zahlen, das geht nicht mehr gut“, sagt die 45-Jährige.

Fixe Kosten und sinkende Einnahmen

Ausgaben, die sie bisher schieben konnte, holen sie ein. So läuft die Stundung der Umsatzsteuer aus, das Finanzamt bittet wieder zur Kasse. Auch die Hausbank wird langsam ungeduldig, berichtet sie. Den fixen Kosten stehen sinkende Einnahmen gegenüber. Der Mitgliederzahl hat sich nach der Corona-Zwangspause halbiert. Der Trainingsbetrieb kann wegen der Auflagen nur eingeschränkt stattfinden, so dass ebenfalls Verluste anfallen.

Der Fitnessraum, Frauen sind hier unter sich, für Männer werden keine Kurse angeboten. Quelle: Frank Pawlowski

Die dreifache Mutter berichtet von schlaflosen Nächten. Neben ihrem persönlichen Schicksal treibt sie die Sorge um ihre acht Mitarbeiterinnen um. Deshalb kann sie erst recht nicht verstehen, warum die Überbrückungshilfe, wie die Unterstützung für kleine Unternehmen offiziell heißt, so lange auf sich warten lässt. „Ich sichere Arbeitsplätze und dann wird man so hängen gelassen.“

Studio-Inhaberin fühlt sich hilflos

Cindy Jentsch ärgert sich, dass sie hilflos zusehen muss. Die Investitionsbank des Landes Brandenburg, ILB, habe den Eingang des Antrags vom August bestätigt. Seither habe weder die Studio-Inhaberin noch ihr Steuerberater etwas von der ILB gehört. Nachfragen seien weder telefonisch noch per E-Mail möglich gewesen, ganz zu schweigen von einer digitalen Abfrage des Bearbeitungsstandes. Die Corona-Hilfen für November und Dezember 2020 hatte Cindy Jentsch hingegen problemlos erhalten.

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Bei der ILB in Potsdam lässt der Fall aufhorchen. Sprecherin Ingrid Mattern nannte es ungewöhnlich, dass die Auszahlung sich so lange hinzieht. „Das Geld sollte längst da sein. Es dauert maximal zehn Wochen, bis die Hilfen komplett ausgezahlt werden“, sagte sie auf MAZ-Anfrage. Teilzahlungen würden sogar schon binnen weniger Tage überwiesen werden. Voraussetzung sei allerdings, dass mit den Anträgen alles in Ordnung sei. Oft müssten Unterlagen nachgereicht werden. Möglicherweise sei der Antrag erst später bei der ILB angekommen. Eine Prüfung soll das alles nun klären.

ILB-Sprecherin: Telefonische Beratung ist möglich

Die ILB-Sprecherin bestätigte, dass die Anforderungen höher sind als bei den Corona-Hilfen, die Ende 2020 ausgezahlt. Damals ging es auch nicht um so hohe Beträge. Sie widerspricht der Kritik, dass Antragsteller sich nicht erkundigen können. Auf der Internetseite der ILB sind eigens dafür Telefonnummern veröffentlicht. Berater beantworten konkret die Fragen zu den Anträgen. „Es kann sein, dass er Anschluss deshalb mal länger besetzt ist. Anrufer sollten es mehrfach probieren. Bis jetzt haben wir fast immer alles klären können“, sagt Ingrid Mattern.

100 bis 150 Anrufer erkundigen sich wöchentlich auf diesem Weg nach den Corona-Hilfen. Gemessen an den bis zu 15.000 Anrufen im Vorjahr ist das wenig, trotzdem haben mehrere ILB-Mitarbeiter am Tag nur mit der telefonischen Beratung zu tun.

Corona-Hilfen haben weiter „hohe Priorität“

Die Notlagen, in denen sich Unternehmer befinden können, seien den Mitarbeitern bewusst, betonte die ILB-Sprecherin. Die Corona-Hilfen hätten daher „nach wie vor eine hohe Priorität“. Sie bot Cindy Jentsch direkt Hilfe an und telefonierte umgehend mit ihr.

Cindy Jentsch übernahm 2015 die beiden Studios von Mrs. Sporty in Königs Wusterhausen und Eichwalde als Franchisepartner. Hier werden Fitness- und Sportkurse für Frauen angeboten. Für das MAZ-Foto stellten sich Chefin Cindy Jentsch, Trainerin Nele Liehr und Auszubildender Anne Kunst mit demonstrativer Geste vor das Studio in der Königs Wusterhausener Bahnhofstraße. Die Geldbörse ist leer, der Daumen zeigt nach unten.

Von Frank Pawlowski