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Königs Wusterhausen Gleichstellungsbeauftragte geht in den Ruhestand
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10:54 25.04.2019
Petra Gröhnke vor dem Bürgertreff am Fontaneplatz in Königs Wusterhausen. Quelle: Franziska Mohr
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Königs Wusterhausen

Als Petra Gröhnke nach einer Eingabe an den DDR-Staatsrat 1981 hochschwanger mit ihrem zweiten Kind eine Zuweisung für eine Wohnung in Königs Wusterhausen bekam, wollte sie sich diese Wohnung nicht einmal anschauen. „Ich ziehe doch nicht nach jwd“, schimpfte die einst überzeugte Berlinerin, die sich hätte nie vorstellen können, dass sie ausgerechnet in dieser Stadt 38 Jahre später in den Ruhestand gehen würde. „Heute hänge ich an KW. Ich will hier nie mehr weg“, sagt die agile Frau schmunzelnd, die aufgrund ihrer fast 20-jährigen Tätigkeit als Gleichstellungsbeauftragte in der Stadt inzwischen fast so bekannt ist wie der berühmte bunte Hund.

Schon als Kind wollte sie Kindergärtnerin werden. Ein Traum, den sie sich erfüllte, ehe ihr 1996 aufgrund des Geburtenknicks nach der Wende ebenso wie vielen anderen Erzieherinnen in Königs Wusterhausen die Kündigung ins Haus flatterte. Kurzerhand bewarb sie sich für die Personalverwaltung im Rathaus und hatte Glück. Als 2000 die Stelle der Gleichstellungsbeauftragten neu besetzt werden musste, sah sie darin ihre Chance. „Ich wollte wieder richtig mit Menschen arbeiten“, sagt sie. Und dazu bekam sie dann in all den Jahren mehr als ausreichend Gelegenheit.

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Zwischen Schicksalsschlägen und Erfolgserlebnissen

„Mir ist kaum noch etwas Menschliches fremd.“ Sie ist mit unzähligen Fällen häuslicher Gewalt ebenso konfrontiert worden, wie mit Schicksalsschlägen, bei denen Familien aufgrund von Unfällen plötzlich mit schwersten Behinderungen leben mussten. Aber auch die verheerenden Folgen von Alkohol- oder Spielsucht gehörten zu ihrem Berufsalltag. „Daher hat es mich anfangs furchtbar geärgert, wenn mich selbst Mitarbeiter der Stadtverwaltung fragten, was ich den eigentlich mache“, sagt sie.

Umso freute sie sich über Fälle wie den einer jungen Frau mit zwei Kindern, acht und fünf Jahre alt, die von ihrem Partner so viel Gewalt erfahren hatte, dass sie ins Frauenhaus musste. „Damals waren Nachfrage und Bürokratie noch längst nicht so hoch wie heute. Da genügten oft schon ein paar Anrufe, um Wohnungs- oder Kitafragen zu klären“, sagt Petra Gröhnke. So gelang es, der Frau schnell zu helfen und selbst der Vater hatte binnen zwei Jahren wieder einen normalen Umgang mit seinen Kindern. Erfolgserlebnisse, die Petra Gröhnke halfen, auch so manche Niederlage wegzustecken. So ist sie noch heute wütend über eine Asylbewerberin aus Albanien, der sie eine Wohnung und Möbel besorgte. Deren einzige Reaktion aber lautete: „Die sind ja gebraucht.“

Seit 2014 leitet Petra Gröhnke auch den Bürgertreff am Fontaneplatz

Ganz anders verhält es sich mit einer alleinstehenden Mutter von zwei Kindern aus Afghanistan, die 2015 als Analphabetin kam und heute wunderbar Deutsch spricht und sich mit ihren Kindern hervorragend integriert hat. Wenn sie sich treffen, herzen sich die beiden Frauen noch heute.

Im April 2014 übernahm Petra Gröhnke obendrein noch die Leitung des Bürgertreffs am Fontaneplatz. „Am Anfang habe ich mich mit meiner Kollegin Ramona Struck gefragt, wie wir dieses Haus nur mit Leben erfüllen können. Jetzt könnten wir noch zwei oder drei Räume mehr gebrauchen“, sagt sie. Vom Familienvormittag an jedem letzten Sonntag im Monat über den Frauentreff bis zum Line Dance ist dort fast alles beheimatet. Dort Abschied zu nehmen, fällt Petra Gröhnke schon ein wenig schwer. Dennoch freut sie sich endlich mehr Zeit für ihre beiden Enkelkinder zu haben.

Ein Traum geht in Erfüllung

Freimütig gesteht Petra Gröhnke ein, dass sie „die Freiheit eines Rentners, fernab aller Zwänge entscheiden zu können, wann er was macht, herbeisehnt“. Dann sei endlich einer ihrer geliebten Konzertbesuche von Rock bis Klassik auch am Mittwoch und nicht nur am Sonnabend drin. Ihr Herz schlägt aber auch für die Eisbären und die Füchse Berlin. Und Träume hat die 63-Jährige natürlich auch noch. Einen davon – einen Trip nach Kanada – erfüllt sie sich noch in diesem, ihrem ersten Rentnerjahr.

Von Franziska Mohr