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Königs Wusterhausen Darum schließen zwei Königs Wusterhausener Apotheken
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00:24 20.06.2019
Knut Sabelus in seiner XXL-Apotheke in Königs Wusterhausen, die gerade umgebaut wird.
Knut Sabelus in seiner XXL-Apotheke in Königs Wusterhausen, die gerade umgebaut wird. Quelle: Frank Pawlowski
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Königs Wusterhausen

Sie war einst die größte Apotheke in der Region. Nun geht eine Ära zu Ende. Die Märkische Apotheke in der Friedrich-Engels-Straße in Königs Wusterhausen schließt zum 30. Juni ihre Pforten. Das gleiche Schicksal ereilt die Sonnen-Apotheke am Schlossplatz, die an ihrem früheren Standort im Krankenhaus ebenfalls Stadtgeschichte geschrieben hat. Der neue Eigentümer Knut Sabelus führt die beiden Traditionshäuser aus wirtschaftlichen Gründen nicht fort.

„Nicht entwicklungsfähig“

„Beide Standorte sind nicht entwicklungsfähig“, sagt der 55 Jahre alte Apotheker der MAZ. Sabelus ist Inhaber der gleichnamigen XXL-Apotheken mit rund 60 Mitarbeitern in Königs Wusterhausen, Zeesen, Wildau sowie in Zossen im Nachbarkreis Teltow-Fläming. Die Entscheidung kam für die Öffentlichkeit überraschend, zumal Sabelus die beiden Apotheken gerade erst erworben hatte.

Die Sonnen-Apotheke am Schlossplatz schließt ebenfalls zum 30. Juni 2019. Quelle: Frank Pawlowski

Die Schließung sei zunächst auch nicht das Ziel der Übernahme gewesen, wie er sagte. Eine neue Betreiberin habe schon in den Startlöchern gestanden. Doch schon vor dem Kauf habe sich abgezeichnet, dass ein Weiterbetrieb der Märkischen Apotheke sich nicht rechnen würde. Bei der Sonnen-Apotheke im Ärztehaus am Schlossplatz sei der Entschluss zur Schließung schwerer gefallen. „Aber auch dort haben die Erträge eine vernünftige Arbeit nicht mehr zugelassen.“

Mitarbeiter werden übernommen

Fünf der acht Mitarbeiter werden übernommen, darunter ist auch die bisherige Eigentümerin der beiden Apotheken. Sabelus freut sich, dass sie sich seinem Unternehmen anschließt. „Mit ihrer Erfahrung wird sie unser Team verstärken“, sagte er. Die neuen Mitarbeiter sollen in Zeesen und Königs Wusterhausen eingesetzt werden. In der Königs Wusterhausener Kernstadt und in den Ortsteilen wird es ab Juli noch acht Apotheken geben. „Für die Versorgung ist das ausreichend“, sagt Knut Sabelus.

Mit diesem Plakat werden Kunden der XXL-Apotheke über die bevorstehende Fusion informiert. Quelle: Frank Pawlowski

In der Region sind zuletzt Apotheken in Wildau und Zeuthen geschlossen worden. Laut Sabelus vollzieht sich damit auch hierzulande ein bundesweiter Trend. Jede zehnte Apotheke hätte aufgeben müssen. Mit rund 19 000 Apotheken sei Deutschland aber immer noch flächendeckend versorgt. Als Gründe für den Abwärtstrend nennt er den Wegfall von Preisbindungen für rezeptfreie Arzneimittel und den Online-Handel. Für Sabelus trägt die Politik eine Mitschuld, weil sie die Apotheken vor Ort nicht genügend schütze, insbesondere vor der ausländischen Konkurrenz. So sei das angekündigte Versandverbot für rezeptpflichtige Arzneimittel bisher nicht umgesetzt worden.

Beratung vor Ort bliebt wichtig

Für den stationären Arzneimittelhandel sieht er dennoch weiter eine Zukunft. „Die Beratung vor Ort wird unerlässlich sein.“ In der Königs Wusterhausener XXL-Apotheke haben umfangreiche Umbauten begonnen. So wird ein neues, automatisiertes Medikamenten-Regal eingebaut. Es schickt die passenden Arzneimittel selbstständig an den Tresen, nachdem die Rezepte digital erfasst wurden. Außerdem wird der Innenraum neu gestaltet. Außerdem wird eine zusätzliche Kasse aufgebaut.

Ungewisse Zukunft

Ungewiss ist die Zukunft zweier Apotheken in Zeesen und Bestensee, deren Inhaberin einen bundesweiten Medikamenten-Betrug organisiert haben soll. Sie, ihr Ehemann sowie eine beschuldigte Mitarbeiterin sitzen weiter in Mühlhausen in Thüringen in Untersuchungshaft, wie Staatsanwalt Dirk Germerodt am Montag auf MAZ-Anfrage sagte. In Thüringen waren 2016 die ersten Verdachtsfälle aufgetaucht, deshalb läuft das Verfahren bei den dortigen Behörden. Die beiden Apotheken sollen vorübergehend geschlossen sein. Telefonisch war dort am Montag niemand erreichbar.

Von Frank Pawlowski