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Königs Wusterhausen Urlaubs-Chaos bei Kinderärzten
Lokales Dahme-Spreewald Königs Wusterhausen Urlaubs-Chaos bei Kinderärzten
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00:23 08.02.2019
Die Kinderpraxen in Dahme-Spreewald sind derzeit voll – oder geschlossen. Quelle: dpa-Zentralbild
Königs Wusterhausen

In der Kinderarztpraxis von Ralf Steinborn in Königs Wusterhausen ist das Wartezimmer derzeit von morgens bis abends völlig überfüllt. Die Warteschlange reicht sogar bis ins Treppenhaus. Der Grund: Fünf andere Praxen in der Umgebung sind derzeit geschlossen. Steinborn übernimmt für alle die Vertretung. Notgedrungen. „Der Zustand ist unbefriedigend“, gibt der Kinderarzt zu Protokoll. Allein am Montag betreute die Praxis von Steinborn 108 Kinder. Das sei sehr viel und eine heftige Situation, wie eine Sprechstundenhilfe berichtet. Leider gebe es keine gute Koordination unter den Ärzten.

Die Koordination müsste eigentlich die Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg (KVBB) übernehmen. Die weist aber die Verantwortung zurück. „Leider kommt es immer mal wieder zu solchen Engpässen während der Urlaubszeiten“, sagte Christian Wehry, Pressesprecher der KVBB. Das aktuelle Problem sei auf die Ferien und die Erkältungszeit zurückzuführen. „Erst bei Urlaubszeiten, die länger als eine Woche dauern, müssen sich die Ärzte bei uns abmelden und eine Vertretung nennen.“

Wartezeiten von zwei und mehr Stunden

Bei kürzerer Abwesenheit sollten die Ärzte auf kollegialer Basis sicherstellen, dass sie vertreten werden, erklärt Wehry. Kinderarzt Steinborn bemängelt allerdings, dass einige Kollegen kaum Vertretungen in kritischen Phasen übernehmen. „Es gibt welche, die nie da sind zu bestimmten Zeiten.“

Doreen Fruck aus Königs Wusterhausen hat die personellen Engpässe zuletzt erlebt. „Ich hatte eigentlich einen Termin für Freitag, bekam aber einen Anruf, ich solle bereits Donnerstag kommen und viel Zeit mitbringen“, erzählt sie. Für Kinderarzt Ralf Steinborn sind Wartezeiten von zwei und mehr Stunden derzeit normal. Er geht davon aus, dass sich die Lage erst nächste Woche entspannt.

Nachfolger für zwei Praxen gesucht

Die Situation rund um Kinder-und Jugendärzte könnte sich künftig sogar noch verschärfen. Anfang April schließt die Praxis von Christiane Becker in Königs Wusterhausen. Ob es einen Nachfolger geben wird, ist derzeit noch ungewiss. Die KVBB ist seit 2017 auf der Suche. „Es gibt Aussichten auf einen Nachfolger. Die Zeichen stehen – Stand heute – ganz gut“, sagte Christian Wehry. Fest steht aber noch nichts. Auch in Bestensee wird derzeit eine Nachfolge für die Kinderarztpraxis von Leonore Greil gesucht. „Wir würden natürlich gerne einen Kinderarzt im Ort behalten, aber das ist nicht ganz einfach“, sagt Bürgermeister Klaus-Dieter Quasdorf (parteilos).

Laut KVBB-Statistik gibt es freilich gar keinen Engpass. Nach den Zahlen der Kassenärztlichen Vereinigung besteht im Landkreis sogar eine Überversorgung.

Der Versorgungsgrad

Die Kassenärztliche Vereinigung (KVBB) ist die Interessenvertretung der Ärzte. Sie ist dafür verantwortlich, dass eine ausreichende medizinische Versorgung der Bevölkerung sichergestellt ist.

Die KVBB legt fest, wieviele Patienten von einem bestimmten Facharzt versorgt werden müssen.

Der Landkreis Dahme-Spreewald weist laut KVBB einen Versorgungsgrad von 140 Prozent bei Kinderärzten auf und gilt damit als überversorgt.

Eine landesweite Überversorgung gilt zum Beispiel auch für Psychotherapeuten, Frauenärzte und Orthopäden.

Die Berechnungen des Versorgungsstandes decken sich jedoch selten mit den Erfahrungen in den Wartezimmern. Derzeit sind im Landkreis Dahme Spreewald neun Kinderärzte tätig. Im Kreis leben 25.627 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. Damit kommen 3990 Kinder auf einen Arzt.

Starke Unterschiede in Brandenburg

Eine niedrigere Versorgung weisen in Brandenburg nur die Kreise Elbe-Elster und Barnim auf. Zum Vergleich: In Potsdam betreut eine Kinderarztpraxis nur 2405 Kinder.

Sollte kein Nachfolger für die Praxis von Christiane Becker aus Königs Wusterhausen gefunden werden, läge laut KVBB-Berechnung noch immer keine Unterversorgung vor. Eine Nachfolge sei aber ausdrücklich gewünscht, so Pressesprecher Wehry.

Im Durchschnitt sind die brandenburgischen Vertragsärzte 54,2 Jahre alt. Bis 2030 scheiden voraussichtlich die Hälfte aller Hausärzte aus dem Berufsleben aus.

Von Till Uebelacker

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