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Königs Wusterhausen Alleinerziehende Mutter in finanzieller Not: „Es gibt sehr dunkle Tage“
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08:08 14.12.2019
Der kleine Leon ist krank und kuschelt sich an Mama Bianca Kettlitz. Samuel Luca (r.) hingegen ist putzmunter – und erzählt wie ein Wasserfall. Quelle: Oliver Fischer
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Königs Wusterhausen

Samuel Luca Kettlitz ist fast neun und ein aufgeweckter, freundlicher Junge. Wenn man ihn nach seinem Alltag fragt, nach der Schule und seinen Freunden, dann sprudelt es aus ihm heraus. Er berichtet detailliert von den Kindern in seiner Klasse, er spricht von den Spielen, die sie zusammen spielen und von den Zensuren, die er bekommt. In Englisch habe er unlängst eine Zwei erhalten, erzählt er stolz, und holt zum Beweis sein Heft. Tatsächlich hat er die Bezeichnungen aller möglichen Haustiere richtig übersetzt. Katze, Hund, Hamster. Die Lehrerin war sehr zufrieden.

MAZ-Sterntaler: Hilfe für Familien in Not

Seit 2013 organisiert der MAZ-Regionalverlag Dahmeland-Fläming zusammen mit dem DRK-Kreisverband Spreewald-Fläming die Weihnachtsaktion Sterntaler. Leser helfen mit Spenden Familien in schwierigen Situationen und ermöglichen ihnen so ein besonderes Weihnachtsfest. Das Spendenkonto wird vom DRK verwaltet, das auf Wunsch auch Spendenquittungen ausstellt.

Die Kontodaten lauten:

DRK-Kreisverband Fläming-Spreewald e.V., Mittelbrandenburgische Sparkasse, IBAN: DE30 1605 0000 3633 0275 39, BIC: WELADED1PMB. Stichwort: Sterntaler.

Wer eine Spendenbescheinigung benötigt, kann seine Adresse im Verwendungszweck angeben. Die Namen der Spender werden veröffentlicht. Wer das nicht möchte, kann dies ebenfalls im Verwendungszweck vermerken.

Seine Mutter Bianca Kettlitz ist stolz auf ihren Sohn, auch wenn sie diese Leistungen kaum nachvollziehen kann. „Das ist schon toll, aber wenn er Englisch redet, verstehe ich kein Wort“, sagt sie und lacht laut. Bianca Kettlitz, 33, hat nie Englisch in der Schule gelernt. Sie hat ihren Abschluss auf der Förderschule gemacht, beim Vokabeln-Lernen kann sie ihrem Ältesten nicht helfen. Und auch sonst ist es für die allein erziehende Mutter nicht immer einfach, den Alltag und den Haushalt so zu organisieren, dass das Leben der Familie in geordneten und gleichmäßigen Bahnen laufen kann.

Viele Dinge sind schief gelaufen

Das hängt zum Teil mit ihrer persönlichen Verfasstheit zusammen. Es seien viele Dinge in ihrem Leben schief gelaufen, erzählt sie. Es habe Missbrauch gegeben, Fehlgeburten. Tod habe für sie in den vergangenen Jahren eine viel zu große Rolle gespielt, nahe stehende Personen seien gestorben. Das habe sie alles nicht verarbeitet. Der Arzt, dem sie sich anvertraute, diagnostizierte unter anderem eine schwere Depression. „Es gibt sehr dunkle Tage“, sagt Bianca Kettlitz.

Auch im Familienleben lief nicht immer alles glatt. Samuels leiblicher Vater etwa sei noch vor der Geburt abgetaucht. Auch vom Vater ihres zweiten Sohnes Leon lebt Bianca Kettlitz getrennt. „Das Verhältnis ist aber gut, er unterstützt mich“, sagt Bianca Kettlitz. Das meiste musste sie in der Vergangenheit jedoch alleine bewältigen – und dabei sind Fehler passiert, wegen derer sie jetzt fast auf der Straße gesessen hätte.

Bei der Miete den Überblick verloren

Bianca Kettlitz hat vor einiger Zeit Mietschulden angehäuft. Nicht, weil sie keine Miete zahlen wollte, sondern weil ihr beim Übergang von Harz IV in eine Arbeit und dann in Arbeitslosengeld nicht immer klar war, ob und welchen Anteil der Miete sie als Aufstockerin selbst übernehmen musste. „Das ist ein typisches Problem von Alleinerziehenden in Hartz IV, dass sie bei diesen Übergängen den Überblick verlieren“, sagt Birgit Uhlworm von der Selbsthilfegruppe für Alleinerziehende, Shia. „Da werden Menschen oft alleine gelassen, das erlebe ich immer wieder.“

Als Bianca Kettlitz verstand, dass sie mit der Mietzahlung im Rückstand ist, hatte sich die Summe schon auf einen vierstelligen Betrag angehäuft. Sie wollte das Problem allein regeln, knapste viel zu hohe Raten von ihrem Hartz IV-Geld ab, obwohl sie das nicht gemusst hätte. Und als das zwischendurch mal nicht möglich war, kündigte die Wohnungsgesellschaft ihr die Wohnung. Bianca Kettlitz bekam eine Räumungsklage.

Stadt ist eingesprungen

Von dem Schreckmoment hat sie sich noch nicht wieder erholt, auch wenn sich die Wogen inzwischen etwas geglättet haben. „Die Stadt ist zum Glück für uns eingesprungen und hat die Wohnung übernommen“, sagt Bianca Kettlitz. Sie hätte sonst nicht gewusst, wo sie und ihre Kinder Weihnachten verbracht hätten. „Wir hatten uns schon darauf eingestellt, zu Leons Vater zu ziehen“, erzählt sie. Aber der lebt auch nur in einer Ein-Zimmer-Wohnung. Auf Dauer hätte das nicht funktioniert.

Für sie selbst wäre das alles vielleicht noch gar kein großes Drama gewesen, sagt Bianca Kettlitz. Aber für die Kinder – und die stehen für die junge Mutter im Mittelpunkt. Das wird schon an der Aufteilung der Wohnung deutlich. Samuel hat sein eigenes Zimmer, in dem er die Lego-Autos aufgereiht hat, die er zusammenbaut, seit er ein kleiner Knirps war.

Die Mutter schläft auf der Couch

Auch Leon hat sein eigenes Reich, in dem, wie es sich für einen Vierjährigen gehört, sich alles ums Spielzeug dreht. Mutter Bianca hingegen schläft auf der Wohnzimmercouch und teilt sich das Zimmer auch noch mit Hündin Lulu, die ein Körbchen in der Ecke bewohnt.

Damit sich für die Familie im neuen Jahr alles ordnet, haben schon verschiedene Hilfssysteme gegriffen. Sie selbst habe auch eingesehen, dass sie Hilfe in Anspruch nehmen muss, sagt Bianca Kettlitz. Fragt man sie nach ihren Weihnachtswünschen, dann wird sie ganz ruhig. Etwas für die Kinder, sagt sie dann. Vielleicht etwas Lego für den Großen, vielleicht was zum Kuscheln für den Kleinen. Und für sie selbst? Da zuckt sie mit den Schultern. „Ich hab ja alles, was ich brauche.“

Von Oliver Fischer

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