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Königs Wusterhausen Vom Klassenzimmer in die Stratosphäre: Ein Lehrer aus Königs Wusterhausen im Höhenflug
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14:57 20.11.2019
Felix Bolling, darf von einem amerikanischen Nasa-Stützpunkt aus zu einem Flug mit der Forschungsmaschine Sofia aufbrechen. Quelle: Nadine Pensold
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Königs Wusterhausen

Wenn Felix Bolling vor seinen Schülern steht, erklärt er ihnen mathematische Formeln, physikalische Vorgänge und das, was im Universum vor sich geht. Nun wird der Lehrer des Friedrich-Schiller-Gymnasiums (FSG) Königs Wusterhausen (Dahme-Spreewald) den Sternen sogar näherkommen, als es den meisten anderen Menschen vergönnt ist. Der 28-Jährige darf von einem amerikanischen Nasa-Stützpunkt aus zu einem Flug mit der Forschungsmaschine Sofia aufbrechen.

Seit Wochen bereitet sich Lehrer aus Reichenwalde (Landkreis Oder-Spree) auf dieses Abenteuer vor. „Richtig bewusst wird mir das wohl erst werden, wenn ich in den Flieger steige und es los geht“, sagt er. Und das wird am 30. November sein. Vom Frankfurter Flughafen aus geht es nach Kalifornien, genauer gesagt zum Nasa-Stützpunkt Palmdale. Eine Woche wird diese Dienstreise dauern, die Felix Bolling und vier weiteren Lehrern aus Deutschland die Chance bietet, einen Blick in die Tiefen des Universums zu werfen.

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17 Tonnen schweres Infrarot-Teleskop

Mit Sofia erforschen die US-Raumfahrtbehörde Nasa und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt die Entstehung von Sternen. Vor zehn Jahren hob die zum fliegenden Observatorium umgebaute Passagiermaschine das erste Mal ab, um den Sternenhimmel mit einem rund 17 Tonnen schweren Infrarot-Teleskop zu beobachten.

Da es in den Vereinigten Staaten üblich ist, das solche aus Steuern finanzierten Forschungsprojekte durch Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit begleitet werden müssen, wurde dieses Konzept auch auf den deutschen Partner übertragen. Heißt: Journalisten, Schüler aber vor allem Lehrer dürfen immer wieder als Gäste die Wissenschaftler auf ihrer Mission begleiten.

Sofia – eine fliegende Sternwarte

Sofia steht für Stratosphären Observatorium für Infrarot-Astronomie.

Bei diesem Projekt arbeiten das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und die National Aeronautics and Space Administration (Nasa) zusammen. Finanziert wird es zu 80 Prozent von der Nasa, zu 20 Prozent vom DLR.

Das Deutsche Sofia-Institut an der Universität Stuttgart ist für die Entwicklung, den Bau und den Betrieb des Herzstücks der Mission verantwortlich: ein rund 17 Tonnen schweres Infrarot-Teleskop. Dieses arbeitet trotz extremer Rahmenbedingungen von Minus 60 Grad Außentemperatur und einer Fluggeschwindigkeit von rund 650 km/h sehr präzise und liefert scharfe Bilder von den Sternen. Dazu wurde von deutschen Ingenieure eine hydrostatische Lagerung entwickelt, damit das Teleskop immer in einer stabilen Position verharren kann.

Bei der Sofia-Maschine handelt es sich um eine Boeing 747SP, Baujahr 1977. Der erste Forschungsflug wurde 2009 unternommen, seit 2011 dürfen auch Lehrer mit an Bord.

35 Sofia-Partnerschulen gibt es derzeit in Deutschland, vier von ihnen in befinden sich Brandenburg.

Und bei dieser geht es hoch hinaus: Mehr als 13 Kilometer über dem Boden, in der sogenannten Stratosphäre, zieht Sofia ihre Bahnen, um einen möglichst freien Blick ins All zu haben. Passagiermaschinen sind etwa in einer Höhe von zehn Kilometern unterwegs. Felix Bolling ist nicht der erste Lehrer aus der Region, der sich in diese Sphären vorwagt.

 Anfang 2014 war Uwe Schierhorn, ebenfalls Mathematik- und Astronomielehrer am FSG, bei einem Lehrermitflug dabei. Er hatte sich schon zum Start des Sofia-Projekts darum bemüht, dass das Gymnasium in Königs Wusterhausen Partnerschule von Sofia wird. Als Uwe Schierhorn seinem jungen Kollegen im vergangenen Jahr davon erzählte, war der „sofort Feuer und Flamme“, gesteht Felix Bolling, der sich vor gut einem Jahr für eine Teilnahme beim Forschungsflug bewarb.

Wissenschaftliche Daten für den Unterricht

Durch die Partnerschaft profitiere der Unterricht ungemein, berichtet der 28-Jährige. In der 10. Klasse steht zum Beispiel die Entstehung unseres Sonnensystems auf dem Stundenplan. „Da liefert Sofia wunderbare Antworten.“ Auf den Forschungsflügen werden zahlreiche Daten zu den Entstehungsprozessen von Sternen aber auch von Rotationen verschiedener Galaxien und der Bewegung von Materie im All gesammelt.

Nach einem Jahr werden diese wissenschaftlichen Daten den Projektschulen zur Verfügung gestellt und können mit Hilfe einer Software im Unterricht genutzt werden. „Mich fasziniert, dass wir hochkomplexe Technik haben, die wir aber so herunterbrechen können, dass auch Schüler schon damit arbeiten können.“

Das Sofia Forschungsflugzeug Quelle: Felix Bolling, privat

Zweimal wird Felix Bolling mit Sofia binnen einer Woche unterwegs sein. Zehn Stunden dauern diese Nachtflüge, bei der der Lehrer Wissenschaftlern über die Schulter schauen, mit ihnen ins Gespräch kommen und auch selbst beobachten darf. „Ich versuche dabei an wissenschaftliche Daten zu kommen und alles aufzusaugen, womit ich den Unterricht noch aktueller gestalten kann“, sagt Felix Bolling.

Sofia – von der Passagiermaschine zum Forschungsflieger

Vor kurzem hat er bereits einen Einblick bekommen, wie sich das Arbeiten an Bord von Sofia gestaltet. Denn das Forschungsflugzeug machte Station in Stuttgart. Während eines Vorbereitungstreffens konnte er schon einen Blick in die umgebaute Boeing 747 werfen. „Ich habe bereits die Instrumente erklärt bekommen und auch der Teleskopaufbau war zu sehen. Es war Wissenschaft zum Anfassen“, schwärmt der Pädagoge.

Seine Euphorie schwindet auch bei der Aussicht auf eine Woche Schlafmangel durch Jetlag, nächtliche Forschungseinsätze und straffes Programm vor Ort kein bisschen. Als Vater einer kleinen Tochter sei er an wenig Schlaf gewohnt. „Ich hoffe, das verschafft mir einen kleinen Bonus“, sagt er und lacht.

Auf den Forschungsflügen werden zahlreiche Daten zu den Entstehungsprozessen von Sternen aber auch von Rotationen verschiedener Galaxien und der Bewegung von Materie im All gesammelt Quelle: Felix Bolling, privat

Auch wenn die Koffer noch nicht fertig gepackt sind, die Kamera wird er auf jeden Fall einstecken. „Ich werde sehr viele Fotos machen“, verspricht er. Vor Ort wird er übrigens auch standesgemäß eingekleidet: Er bekommt eine Missionsjacke im Nasa-Design. „Und ich habe mir sagen lassen, dass mein Namensschild im gleichen Design sein wird wie das von Astronaut Alexander Gerst“, freut sich Felix Bolling.

Von Nadine Pensold

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