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Königs Wusterhausen Wiesenhof in Niederlehme will Schlachtkapazitäten weiter erhöhen
Lokales Dahme-Spreewald Königs Wusterhausen Wiesenhof in Niederlehme will Schlachtkapazitäten weiter erhöhen
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16:46 26.11.2019
Wiesenhof will künftig bis zu 230.000 Hähnchen täglich schlachten. Quelle: dpa
Niederlehme

Der Wiesenhof-Schlachtbetrieb in Niederlehme will seine Kapazitäten erneut erweitern. Wie das Unternehmen mitteilt, ist ein entsprechender Antrag beim Landesumweltamt bereits gestellt. Der Schlachtbetrieb will künftig täglich 230.000 Tiere schlachten. Bislang hat Wiesenhof eine Schlachtgenehmigung für 160.000 Tiere pro Tag.

Das Unternehmen gibt für die Erweiterungspläne mehrere Gründe an. Zum einen solle dadurch die Wettbewerbsfähigkeit ermöglicht und damit auch der Produktionsstandort in Niederlehme gesichert werden. Zum anderen sei die Erhöhung der Kapazitäten notwendig, um auf aktuelle und künftige Marktentwicklungen reagieren zu können.

Kaufverhalten der Kunden hat sich geändert

„Das Nachfrageverhalten der Kunden hat sich in der Vergangenheit gravierend verändert“, heißt es in der Mitteilung. Produkte würden immer seltener in gleicher Menge über die Woche nachgefragt. Stattdessen gebe es saisonale Spitzen, die Nachfrage ändere sich wöchentlich, zudem würden sich Verbraucher beim Einkauf auf bestimmte Wochentage konzentrieren. Dadurch schwanke auch die Nachfrage nach Geflügelfleisch.

Wiesenhof in Niederlehme. Quelle: Gerlinde Irmscher

„Daraus ergibt sich, dass unser Geflügelschlachthof nicht täglich eine gleiche Menge verarbeiten kann, sondern die Schlachtmenge tagesaktuell an die wechselnde Nachfragemenge angepasst werden muss“, wird der Geschäftsführer der Märkischen Geflügelhof-Spezialitäten GmbH, Gerhard Heil, zitiert.

Zudem solle durch die Kapazitätserhöhung auch die Möglichkeit geschaffen werden, innerhalb der PHW-Gruppe kurzfristig den Ausfall von Schlachtkapazitäten zu kompensieren.

Rechtsstreitigkeiten wegen jüngster Erhöhung laufen noch

Die PHW-Gruppe, zu der die Marke Wiesenhof gehört, ist einer der größten Lebensmittelproduzenten Deutschlands. In den vergangenen Jahren war das Unternehmen zweimal wegen Großbränden in den Schlachtbetrieben Bogen und Lohne in Schwierigkeiten gekommen. Um die daraus resultierenden Ausfälle zu kompensieren, hatte die Gruppe Ende 2016 bereits eine Erhöhung der Schlachtkapazitäten im Niederlehmer Wiesenhof-Betrieb von 120 000 auf 160 000 Tiere beantragt.

Wie sich später herausstellte, war die Produktion aber bereits vor Antragstellung erhöht worden. In der Folge gab es Auseinandersetzungen mit dem Landesumweltamt, die teilweise auch gerichtlich entschieden wurden. Zwischenzeitlich musste Wiesenhof den Schlachtbetrieb wieder drosseln. Im November 2018 erhielt der Betrieb aber nach einem knapp zweijährigen Verfahren die Genehmigung, seine Kapazitäten zu erhöhen.

Die rechtlichen Auseinandersetzungen dazu sind aber noch immer nicht abgeschlossen. Am Donnerstag entscheidet das Verwaltungsgericht Cottbus darüber, ob der Landkreis Dahme-Spreewald Ergebnisse der Lebensmittelüberwachung zum Wiesenhof-Schlachthof zugänglich machen darf. Die Bürgerinitiative „KW stinkt’s“, die sich gegen die Kapazitätserweiterung von Wiesenhof einsetzt, hatte bereits im Jahr 2017 Akteneinsicht beim Landkreis zu dem Verfahren gefordert. Der Landkreis hatte die Akteneinsicht zum Teil bewilligt. Wiesenhof klagte dagegen. Drei weitere ähnliche Gerichtsverfahren zwischen Wiesenhof und dem Landesamt für Umwelt werden im März verhandelt.

Verbände und Initiativen sollen diesmal beteiligt werden

Die Wiesenhof-Geschäftsleitung hat aus dem Desaster der letzten Erweiterung offenbar gelernt. Bei dem Genehmigungsverfahren, das jetzt ansteht, sollen auch Umweltverbände und Initiativen wie „KW stinkt’s“ beteiligt werden. Nach Unternehmensangaben soll es eine Umweltverträglichkeitsprüfung geben, die die möglichen Auswirkungen einer Erweiterung untersucht. Man werde auch die kritischen Stimmen hören und daraus adäquate Maßnahmen ableiten und umsetzen, wird Gerhard Heil zitiert.

Bei „KW stinkt’s“ ist das Entsetzen über die Pläne dennoch groß. „Wir wussten bereits aus Akten, dass Wiesenhof eine weitere Kapazitätserweiterung plant“, sagt Gudrun Eichler von der Initiative. „Aber dass der Antrag so schnell gestellt wird, damit haben wir nicht gerechnet.“

50 zusätzliche Arbeitsplätze

Die Erweiterung soll laut Wiesenhof 50 zusätzliche Arbeitsplätze schaffen. Neue Stallanlagen seien nicht erforderlich. Für die geplante Produktionsmenge seien ausreichend Aufzuchtkapazitäten vorhanden. Hintergrund: Ein Wiesenhof-Hähnchen wird im Schnitt 30 Tage alt. 230.000 Hähnchen füllen bei der üblichen Dichte in Aufzuchtbetrieben etwa ein Fußballfeld. Dabei stehen üblicherweise rund 25 Tiere auf einem Quadratmeter.

Der Schlachtbetrieb in Niederlehme besteht seit 1967. Zu DDR-Zeiten war er Kombinat für industrielle Mast, nach der Wende wurde er privatisiert und in Märkische Geflügelhof Spezialitäten GmbH umbenannt. Rund 700 Beschäftigte arbeiten heute dort.

Von Oliver Fischer

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