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Königs Wusterhausen Würdiger letzter Ort für totgeborene Kinder
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00:21 26.08.2018
Das Schmetterlingsgrab auf dem Friedhof in Königs Wusterhausen gibt es seit November 2010. Quelle: Josefine Sack
Königs Wusterhausen

Wenn Kristin Fischmann in den Kreißsaal gerufen wird, bedeutet das nichts Gutes. Die 41-Jährige ist Psychologin im Achenbach-Krankenhaus in Königs Wusterhausen. Die Hebammen holen Fischmann hinzu, wenn das Undenkbare passiert: Wenn Eltern ihr Kind verlieren, noch bevor es im Leben ankommen durfte.

Traumatisches Erlebnis für Paare

„Wenn ich die Tür zum Kreißsaal öffne, schlägt mir eine Wand aus Traurigkeit entgegen“, erzählt die Klinikpsychologin. Eine stille Geburt – still, weil der erwartete erste Schrei bei Totgeborenen ausbleibt – ist ein traumatisches Erlebnis für Frauen und Paare. „Das Risiko der Verdrängung ist groß. Die meisten wollen einfach nur weg“, beschreibt Fischmann die Atmosphäre. Den Eltern bietet sie an, ihnen in dieser schmerzvollen Erfahrung beizustehen. „Wir reden kaum. Es gibt ja wenig Worte dafür“, sagt sie, selbst Mutter von drei Kindern. „Wichtig ist, dass jemand da ist, der das mit aushält.“

Würdevoller Abschied

Das Schmetterlingsgrab entstand in Zusammenarbeit der Stadt mit dem Achenbach-Krankenhaus.

Die Trauerfeier findet jeden ersten Mittwoch im Mai und im November um 15 Uhr auf dem Friedhof in der Potsdamer Straße statt. Die nächste Beisetzung ist am 7. November.

Für Eltern entstehen keine Kosten. Mitwirkende und Sponsoren sind unter anderen die Pathologie, das Wildauer Bestattungshaus Zak, Pfarrer Gottfried Hülsen und die Floristinnen Marion Schulze und Nicole Stenglein.

Kristin Fischmann, Psychologin am Achenbach-Krankenhaus in Königs Wusterhausen betreut Frauen und Eltern, die ihr Kind verloren haben, bevor es überhaupt im Leben ankommen durfte. Quelle: Josefine Sack

Kristin Fischmann wird nicht nur zu Totgeburten gerufen, auch zu Fehlgeburten. Von einer Totgeburt spricht man, wenn ein Baby mit mehr als 500 Gramm Gewicht tot auf die Welt kommt. Wiegt es weniger, wird es rechtlich als Fehlgeburt behandelt. Bei einer frühen Fehlgeburt in den ersten zwölf Schwangerschaftswochen wird üblicherweise eine Ausschabung durchgeführt. Anders als totgeborene Kinder unterliegen Fehlgeburten – sogenannte Schmetterlingskinder – nicht der Bestattungspflicht.

„Eltern haben das Recht, traurig zu sein“

Paare, die ihr Kind in einer sehr frühen Phase der Schwangerschaft verlieren, seien oft zögerlich, berichtet Fischmann. „Das Schamgefühl ist groß. Es gibt gesellschaftlich wenig Raum für die Trauer“, sagt die Psychologin. Ab der 20. Schwangerschaftswoche sei das anders: „Dann war der Bauch sichtbar, das Kind war schon zu spüren.“ Falls gewünscht, steht Fischmann auch Eltern, die ihr Kind vor der zwölften Schwangerschaftswoche verloren haben, bei. „Der Umgang mit dem Verlust ist ganz unterschiedlich.“ Betroffenen will sie vermitteln, dass sie mit dem Problem nicht allein sind. „Eltern haben das Recht, traurig zu sein“, sagt sie.

Bunte Windräder, Kerzen und Kuscheltiere erinnern an die totgeborenen Kinder. Quelle: Josefine Sack

In Königs Wusterhausen haben Paare sogar einen Ort zum Trauern. Seit 2010 gibt es auf dem Friedhof der Stadt das Schmetterlingsgrab für Kinder, die nicht der Bestattungspflicht unterliegen. Eltern können ihre Kinder dort beerdigen lassen. Die Beisetzung findet zweimal im Jahr statt. Ein Angebot, das in Brandenburg kaum verbreitet ist. Bekannt ist noch das Schmetterlingsgrab in Strausberg (Märkisch-Oderland).

Viele Anfragen von Bestattern

Eine breite Öffentlichkeit erreichte das Thema 2009. Diskutiert wurde damals eine Änderung des Personenstandsgesetzes mit Blick auf den Umgang mit Fehlgeburten. Diese wurden üblicherweise mit dem Klinikmüll entsorgt. Die Initiative, wonach Kinder mit einem Geburtsgewicht unter 500 Gramm regulär bestattet werden sollten, wurde nicht umgesetzt. Die Stadt Königs Wusterhausen griff die Idee dennoch auf. „Wir hatten viele Anfragen von Bestattern“, erinnert sich Friedhofsverwalterin Martina Fuhrmann.

Die Stadt hat an der Kindergrabstätte eine Tafel angebracht: „Nur ein Hauch, flüchtig und schön, kaum da, fliegen sie wieder davon.“ Eltern können die Schmetterlinge bei der Stadtverwaltung kaufen. Quelle: Josefine Sack

Bislang schmücken 15 Schmetterlinge die Kindergrabstätte nahe der Friedhofskapelle. Auf der Wiese drehen sich bunte Räder im Wind. „Emil“ steht auf einem Stein, „Mia“ auf einem anderen. Die Stadt hat eine Tafel angebracht: „Nur ein Hauch, flüchtig und schön, kaum da, fliegen sie wieder davon.“

Von Josefine Sack

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