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Königs Wusterhausen In diesem Theater klären Senioren über Trickbetrüger auf
Lokales Dahme-Spreewald Königs Wusterhausen In diesem Theater klären Senioren über Trickbetrüger auf
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16:40 30.12.2018
Der „falsche“ Handwerker präsentiert eine Rechnung in einer Höhe, die vorher nicht so abgesprochen war. Quelle: Gerlinde Irmscher
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Königs Wusterhausen

Wenn die Mitglieder des Senioren-Sicherheitstheaters Königs Wusterhausen auf der Bühne stehen, ist ihnen von ihrem Lampenfieber nichts anzumerken. Es macht den Eindruck, als seien hier Profis am Werk, wenn sie ihren Zuschauern anschaulich machen, wie Trickbetrüger am Werk sind und wie man sich richtig verhält, um nicht zum Opfer zu werden.

Im August vergangenen Jahres startete Polizeikommissar Andreas Pauli von der Polizeiinspektion Dahme-Spreewald, Abteilung Prävention, den Aufruf zur Teilnahme an einem Theaterprojekt. Ziel war es, Senioren zu gewinnen, die in kleinen Theaterstücken zeigen, wie die Maschen von Betrügern sind, aber auch, um Tipps zur Verkehrssicherheit und Mobilität für ältere Menschen zu geben.

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Senioren erklären den Enkeltrick

Polizeioberkommissarin Susanne Heinrich, Leiterin der Prävention in Dahme-Spreewald, brachte die Idee eines Seniorentheaters von einer Tagung in Niedersachsen mit. „Ich finde es viel besser, wenn die Senioren selbst erklären, wie das zum Beispiel mit dem Enkeltrick ist“, so ihre Überzeugung.

„Wir haben fast ein Jahr geübt, bis wir uns so richtig getraut haben vor dem Publikum zu reden“, verrät Andreas Pauli und auch, dass die Darsteller mit Leib und Seele dabei seien. Margit Eiserbeck, Hartmut Knipp, Janine Knipp, Bernd Lehmann, Helga Mellenthin, Sabine Meyer, Margit Richter, Michael Upmeier, Else Wunderlich und Claus Ziermaier spielen in ihren Rollen zum Beispiel hinterlistige Diebe, falsche Polizisten, ahnungslose Cafébesucher, unbedarfte Radfahrer, freche Enkel, besorgte Omis und vergessliche Autofahrer und haben ihren Spaß dabei. Schauspieler möchten sie allerdings nicht genannt werden. „Wir sind Senioren“, erklärt Sabine Meyer.

Mit dem Polizeibus geht das Ensemble auf Tour. Quelle: Gerlinde Irmscher

Michael Upmeier ist mit seinen 60 Jahren das „Küken“ unter den Darstellern. Er ist so begeistert von der Idee, dass er den Weg aus Oranienburg nicht scheut, einmal in der Woche in den Bürgertreff am Fontaneplatz zu den Proben zu kommen.

Bei ihren Auftritten bedankt sich das Publikum immer mit reichlich Beifall. Nicht selten verfolgt es mit zustimmendem Nicken dem, was auf der Bühne passiert. Und gibt es noch Fragen, dann ist Andreas Pauli mit Antworten zur Stelle. „Wir haben alle großen Spaß und nun beschlossen, einen Verein zu gründen“, sagt Sabine Meyer. Gerade ist sie dabei, die Formalitäten dazu auf den Weg zu bringen.

Landespräventionspreis für Theaterprojekt

Anfang Dezember ging die Fahrt nach Potsdam ins Innenministerium. Zwar gaben die Senioren dort auch eine kleine Kostprobe ihres Könnens, aber der eigentliche Grund des Besuches war ein anderer. Innenminister Karl-Heinz Schröder zeichnete das Senioren-Sicherheitstheater Königs Wusterhausen mit dem Landespräventionspreis in der Kategorie „Auszeichnung von haupt- und ehrenamtlicher Tätigkeit von und für Senioren“ aus. „Wenn ältere Menschen sich für andere einsetzen, verdient das eine besondere Würdigung“, so der Innenminister. In der Begründung heißt es auch, dass dieses Projekt eine Vorbildwirkung für andere Regionen des Landes entwickeln könne.

Von Gerlinde Irmscher

27.12.2018
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