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Königs Wusterhausen So klingt Königs Wusterhausen
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15:27 14.09.2019
Naturschutzgebiet Tiergarten in Königs Wusterhausen. Quelle: Frank Pawlowski
Königs Wusterhausen

Hier ist es ganz schön laut, und das ist kein Wunder. Mitten durch den Tiergarten führt eine Hauptverkehrsstraße der Stadt Königs Wusterhausen (Dahme-Spreewald). Die Storkower verbindet das Zentrum mit Neue Mühle, Niederlehme und Senzig. Das Waldgebiet ist aber zugleich ein Naturidyll mit seinen uralten Eichen und den vielen Pflanzen. Vögel singen, das Grün raschelt.

Laut und Leise prallen aufeinander

Zwei Welten prallen hier aufeinander. Das laute und das leise Königs Wusterhausen. Ich mache mich auf den Weg und spitze die Ohren. Ich will einige Töne einfangen für ein einzigartiges Projekt, an dem gerade gearbeitet wird. Es soll zum 100. Rundfunk-Jubiläum im kommenden Jahr als erste akustische Visitenkarte von Königs Wusterhausen vorgestellt werden. Der Förderverein des Sendermuseums auf dem Funkerberg und der Kulturbund Dahme-Spreewald haben es kürzlich vorgestellt und die Königs Wusterhausener aufgerufen, sich zu beteiligen.

Ich stelle mein Auto auf dem kleinen Waldparkplatz im Tiergarten ab. Es ist vormittags. Von hier geht es geradewegs zur Streuobstwiese. Sie liegt auf einem Rundweg für Wanderer. Hier, direkt an der Straße, ist der Lärm der vorbeifahrenden Autos fast ohrenbetäubend. Es ist ein ständiges Rauschen, das nur kurz unterbrochen wird, wenn die Ampel an der Chausseehaus-Kreuzung auf Rot gesprungen ist.

Der dichte Wald schluckt den Straßenlärm

Doch nach ein paar Schritten hört sich das schon anders an. Der dichte Wald schluckt den Straßenlärm. Ruhig wird es nicht, aber jetzt klingt der Tiergarten nach Tiergarten. Ich höre Vögel singen, es raschelt im Gehölz. Meine Französische Bulldogge schlendert schnüffelnd neben mir her. Wir sind hier gelegentlich unterwegs, treffen dabei auch mal andere Gassigänger.

Als ich an der Streuobstwiese ankomme, weht ein kräftiger Wind. Die Blätter der Bäume rauschen. Aus der Ferne klingt noch schwach der Straßenlärm hindurch, wie eine verschwommene Hintergrundmusik. Ich höre außerdem eine Bahn. Zufällig fliegt fast zeitgleich ein Flugzeug über den Tiergarten, ich sehe es hoch oben und höre ein Brummen. Dann kommt auch noch eine Gruppe von Kindern um die Ecke. Die Mädchen und Jungen rufen, Stimmen von Erzieherinnen hallen über die Wiese.

Die Initiatoren von „Wie klingt KW?“ bei der Vorstellung des Projekts im Juni im Bürgerhaus: Wolfgang Lücke, Max Breetzmann, Rainer Suckow, Monique Ehmke und Christiana Lücke (v.l.). Quelle: Frank Pawlowski

Der Tiergarten ist ein kleines Klangwunder, weil sich Stadtlärm und Naturgeräusche so sonderbar vermischen. Ich nehme einen Weg zurück zum Auto, der am Fanggraben vorbeiführt, damit der Hund etwas trinken kann. Das schmatzende Geräusch nehme ich gleich mit auf. Der Straßenlärm hat sich an dieser Stelle schon wieder in den Vordergrund gedrängt. Ich zucke sogar kurz zusammen, als ein Motorradfahrer seine Maschine aufheulen lässt.

Der Kuckuck nervt – oder doch nicht?

Vielleicht werden meine Klänge mit aufgenommen in das Projekt. Ich werde sie den Machern schicken. Sie wollen schließlich wissen, wie Königs Wusterhausen klingt. „Jedes Geräusch zählt“, sagt Rainer Suckow, Vorsitzender des Sender-Fördervereins. Auf den Aufruf zur Teilnahme am Klangprojekt haben sich schon einige Königs Wusterhausener gemeldet. Da ist zum Beispiel ein Sechsjähriger aus Zeesen, der von den morgendlichen Rufen eines Kuckucks zwar genervt ist, sie aber auch schön findet. Oder der Klang der Murmelbahn in einer Beratungsstelle, mit der Kinder und Erwachsene gerne spielen.

Für die Geschichten zu den Tönen interessieren sich die Macher ebenfalls brennend. Auf der Internetseite zur Aktion, wie-klingt-kw.de, gibt es ausführliche Informationen. Dort können Töne auch hochgeladen werden. Die Initiatoren machen das aber auch selbst und besuchen diejenigen, die ein Alltagsgeräusch aufnehmen lassen wollen. Rainer Suckow ermuntert Interessenten, sich unbedingt zu melden. „Wir freuen uns über jeden Hinweis.“

Aus dem Material wird ein rund einstündiges Klangbild von Königs Wusterhausen angefertigt, das bei einer Veranstaltung zum Rundfunk-Jubiläum im Juni 2020 im Radio uraufgeführt wird. Später soll es auch CDs davon geben.

Von Frank Pawlowski

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