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Königs Wusterhausen Warum der Beruf für einen Hoppegartener mehr als bloßes Handwerk ist
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01:16 30.05.2019
Auch, wenn Veit Herrmann als Steinmetz den Meißel nicht mehr täglich in der Hand hat, erfordert sein Beruf weiterhin jede Menge handwerkliches Geschick, Vorstellungs- und Einfühlungsvermögen.
Auch, wenn Veit Herrmann als Steinmetz den Meißel nicht mehr täglich in der Hand hat, erfordert sein Beruf weiterhin jede Menge handwerkliches Geschick, Vorstellungs- und Einfühlungsvermögen. Quelle: Fabian Lamster
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Königs Wusterhausen

Das Büro von Steinmetz Veit Herrmann in der Potsdamer Straße ist bequem eingerichtet: Mehrere gut gepolsterte Stühle stehen nebeneinander, Süßigkeiten liegen auf dem Tisch, auf dem sich auch eine Taschentuchbox befindet.

Denn wenn Menschen hierher kommen, trauern sie meist noch um einen verstorbenen Angehörigen und wollen sich vom Steinmetz einen Grabstein machen lassen. „Dann nehmen wir uns so viel Zeit bei der Beratung, wie es eben nötig ist. Das können auch mal zwei oder drei Stunden sein“, sagt der 47-Jährige.

Das Schaffen von Grabmalen ist die Hauptaufgabe von ihm und seinem Team. Dutzende Steine in verschiedenen Formen und Farben befinden sich direkt vor Veit Herrmanns Büro.

Steinmetz gestaltet und repariert

Dort können sich seine Kunden umschauen, was in Sachen Grabmäler möglich ist. Diese scannt der gebürtige Berliner dann ein, um ihn anschließend am Computer zu gestalten: Soll ein Bild des Verstorbenen dabei sein? Welche Schriftart ist gewünscht, soll diese besonders verziert sein? Soll der Stein poliert sein oder eine raue Oberfläche haben?

Zusammen mit den Kunden gestaltet Steinmetz Veit Herrmann Gedenksteine am Computer. Sie machen die Mehrheit der Aufträge aus, die der 47-Jährige. Quelle: Fabian Lamster

„Wir besprechen die gesamte Gestaltung mit den Kunden und prüfen auch die Lesbarkeit aus verschiedenen Blickrichtungen oder bei Sonneneinstrahlung. Wenn der Stein auf dem Friedhof steht, muss alles perfekt sein.“

Neben Grabsteinen kümmert sich der 47-Jährige auch um das Reparieren und Pflegen von Denkmälern. „Auf dem Friedhof in Zernsdorf haben wir eine große Statue gereinigt und die Fugen abgedichtet, sodass sie am Ende wie neu aussah“, erzählt der Steinmetz.

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Besondere Herausforderung von Steinmetzen bei Denkmälern

Oft stellt ihn das auch vor besondere Herausforderungen, wenn es beispielsweise an sowjetischen oder jüdischen Denkmälern kyrillische bzw. hebräische Schriftzeichen zu ersetzen gibt.

Anhand der verbleibenden Buchstaben zeichnet er am Computer die Buchstaben nach, um diese dann wieder anzubringen. Ähnliches macht er, wenn die Handschrift eines Verstorbenen mit auf den Grabstein soll.

Je nach Gestaltungswunsch erhält jeder Stein seine individuelle Oberfläche. Bei glatten Grabsteinen gehört das Polieren des Steines immer dazu. Quelle: Fabian Lamster

„Ich mag die Kreativität des Berufs und auch das Handwerk, die Arbeit mit Gesteinen. So erwartet mich jeden Tag etwas anderes“, sagt Veit Herrmann.

Als Fernfahrer in Europa und Zentralasien

Eine Kombination, die er erst im Alter von 30 Jahren zu schätzen lernt. Als gelernter Werkzeugmacher pendelt er vor seiner Zeit als Steinmetz als Fernfahrer zehn Jahre zwischen Europa und Zentralasien.

Diesen Amethyst hat Steinmetz Veit Herrmann für Geologen aufgeschnitten und poliert. Ein Stück durfte er als Andenken behalten und es liegt nun in seinem Büro. Quelle: Fabian Lamster

„Meine Lust an der Freiheit führte mich von Frankreich und Norwegen bis Kasachstan, Usbekistan, quer über beide Kontinente, von zum Teil plus 40 Grad bis minus 47 Grad“, erzählt der Hoppegartener.

Nicht nur Gedenksteine für verstorbene Menschen, sondern auch für Tiere hat Steinmetz Veit Herrmann schon angefertigt. Quelle: Fabian Lamster

Dann führt ihn die Familie zurück in die Heimat, seine Fernfahrerzeit endet. Anschließend macht er eine Ausbildung zum Steinmetz in Königs Wusterhausen – beim Steinmetzunternehmen seines Vaters, das dort bereits seit 1968 beheimatet ist.

Hammer, Meißel und Maschinen

Keine einfache Zeit, wie er sagt: „Einerseits wollte er mich als Sohn nicht bevorteilen, andererseits sollte ich meine Sache auch besonders gut machen. Und dann war ich auch schon 30 Jahre alt, also kein klassischer Lehrling mehr“, sagt Veit Herrmann.

Nach zwei Jahren hat er die Ausbildung 2002 in der Tasche. Seitdem ist er Steinmetz und leitet das Familienunternehmen Gaul seit 2015 in mittlerweile siebter Generation. Seine Vorfahren haben vermutlich schon vor 200 Jahren Hammer und Meißel in den Händen gehalten.

Veit Herrmann selbst hat Hammer und Meißel nur noch etwa einmal pro Woche in der Hand. Vieles laufe über Fräs-, Schleif- und Strahlmaschinen, aber erfordert weiterhin viel Fachwissen in Sachen Gesteine und ihre Verarbeitung.

Mit einer Brückensäge trennt Veit Herrmann Gesteine in seiner Werkstatt. Quelle: Fabian Lamster

Setzt sich die Steinmetztradition fort?

Einige Male besuchten ihn schon Geologen, um Gesteine aus Kanada oder Südafrika aufschneiden und polieren zu lassen. Auch seine zwei Töchter waren schon in seiner Werkstatt: „Sie hatten beide schon Handschuhe an und haben an Grabsteinen gearbeitet“, sagt Veit Herrmann.

Gerade, weil er durch den Kontakt mit seinen Kunden immer auch mit Tod und Sterben konfrontiert ist, hat er sie bereits sensibilisiert, was für eine besondere Aufgabe es ist, für Menschen ein Grabmal zu schaffen. Und Steinmetz zu sein.

Von Fabian Lamster