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Königs Wusterhausen Zeesener Gnadenhof sucht neue Bleibe
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00:39 23.04.2018
Claudia Sailer füttert Schafe, die sie auf ihrem Gnadenhof in Zeesen aufgenommen hat. Quelle: Gerlinde Irmscher
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Zeesen

Für Hans und Hilde, die beiden Pommerngänse, könnte bald die letzte Stunde geschlagen haben. Ebenso für die Kamerun-Schafe und das Warzen-Enten-Pärchen oder die Pferde und zwei Hasen. Der Gnadenhof in Zeesen, auf dem sie leben, steht vor dem Aus.

Es gibt nur zwei Alternativen

Claudia Sailer hat noch keine neue Bleibe gefunden. Sie hatte den Hof 2011 übernommen. Für das Inventar und die meisten der 22 Tiere gibt es nur zwei Möglichkeiten. „Sperrmüll und Schlachter oder es geht weiter. Das sind die Alternativen“, sagt die 54-Jährige.

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Für Daniela Bück ist der Gnadenhof zum zweiten Zuhause geworden, Jeden Tag packt sie mit an. Quelle: Frank Pawlowski

Der Pachtvertrag ist gekündigt worden. Bis Ende Juni muss das Gelände geräumt sein. Nach einem Fernsehbericht vor einigen Wochen meldeten sich einige Grundstückseigentümer aus Sachsens und Sachsen-Anhalt bei ihr. Doch dorthin will und kann sie mit ihren Tieren nicht ziehen.

Heimstatt für Straßenhunde aus Rumänien

Denn zum Hof gehören auch noch die Straßenhunde, um die sich ihr Verein EU Dog kümmert. Sie werden von Tierschützern aus Rumänien nach Berlin gebracht, wo Claudia Sailer regelmäßig Neuankömmlinge abholt. „Deshalb

Straßenhunde aus Rumänien werden in Zeesen auf das Leben in einer Familie vorbereitet. Quelle: Gerlinde Irmscher

müssen wir im Speckgürtel bleiben, sonst wird der Aufwand für den Transport zu groß“, sagt sie. Die Hunde bleiben in Zeesen oder kommen in Pflegefamilien unter. Sie werden später an Interessenten abgegeben.

Freiwillige Helfer packen mit an

Claudia Mehlhorn aus Königs Wusterhausen und Mandy Bock aus Kallinchen gehören zu den freiwilligen Helfern, die sich um die Hunde kümmern und auf das Leben in der künftigen Familie vorbereiten. Vier ihrer Schützlinge haben sie so sehr ins Herz geschlossen, dass sie die Hunde nicht mehr hergaben.

Pippi, Rona und Co.

Pippi und Rona sind nun bei Claudia Mehlhorn und ihrem Mops Max zu Hause. Mandy Bock hat Kostja und Olga aufgenommen. Die beiden Frauen kommen fast jeden Tag auf den Hof, um mit anzupacken. Am

Einige Pferde hat Claudia Sailer vor dem Schlachter gerettet. Quelle: Gerlinde Irmscher

Donnerstagnachmittag waren sie wieder da. „Es macht uns sehr traurig, dass es hier nicht mehr weiter geht“, sagen sie. Doch sie haben die Hoffnung auf eine neues Domizil noch nicht aufgegeben.

Mit Ponys nach Zeesen

Das gilt erst recht für Daniela Bück aus Telz. Die 42-Jährige ist jede freie Minute auf dem Hof. Seit zwei Jahren steht sie Claudia Sailer tatkräftig zur Seite. Zuvor betrieb sie einen Ponyhof in Motzen. Ihre beiden Shetland-Ponys hat sie nach Zeesen mitgebracht.

Mandy Bock (l.) und Claudia Mehlhorn mit den Pflegehunden, die sie ins Herz geschlossen und behalten haben. Quelle: Gerlinde Irmscher

Sie lässt sich bei der Grundstückssuche nicht entmutigen, auch wenn es schier aussichtslos erscheint, fündig zu werden. „Das Umland von Berlin ist ausgerechnet ein Gebiet, in dem das Land am knappsten ist“, sagt sie. Das merkt man auch in Zeesen. Rings um den Gnadenhof kommen die neuen Häuser immer näher.

Grundstück braucht Strom und Wasser

Jede Fläche ist für den Gnadenhof nicht geeignet. Es muss Strom und Wasser geben, Aufbauten müssen vorhanden oder möglich sein, und die Größe sollte zwischen drei und vier Hektar betragen. Und zu teuer darf es auch nicht sein. „Millionen können wir nicht zahlen.“

Vorbereitung auf den Notfall

Claudia Sailer und Daniela Bück überlegen schon, wo sie notfalls ihre Tiere unterbringen können. Alle, so viel ist schon klar, werden sie nicht retten können.

Von Frank Pawlowski