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Dahme-Spreewald Region ist bundesweiter Bio-Spitzenreiter
Lokales Dahme-Spreewald Region ist bundesweiter Bio-Spitzenreiter
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14:37 02.09.2014
Ökologisches Wachstum boomt. Der Landkreis Dahme-Spreewald hat deutschlandweit die meisten Bioflächen.  Quelle: DPA

Egal, ob Fleisch, Gemüse oder Milchprodukte – bei Lebensmitteln wird die Nachfrage nach Bio-Produkten immer größer. Vor allem in Großstädten wie Berlin und Potsdam boomt die Bio-Branche. Doch auch in der Region Dahmeland-Fläming macht sich dieser Trend immer mehr bemerkbar.

So viel Ökoflächen, wie nirgendwo in Deutschland

Vor allem im Landkreis Dahme-Spreewald genießt die ökologische Landwirtschaft einen hohen Stellenwert. 31 Prozent aller Landwirtschaftsflächen werden für den Anbau von Bio-Produkten genutzt – so viele Ökoflächen gibt es sonst nirgendwo in Deutschland.

„Ein bisschen ist der Spreewald Schuld daran“, sagt Manfred Schuhmann, Leiter des Landwirtschaftsamtes Dahme-Spreewald. Denn die Agrarbetriebe konzentrieren sich vor allem im Süden. Die Verordnungen des Biosphärenreservats schränken die Bauern aber durch viele Verordnungen ein – bestimmte Düngemittel sind zum Beispiel untersagt, ebenso der Einsatz von Pestiziden. Und so haben einige Spreewälder aus der Not eine Tugend gemacht und den Bio-Pfad eingeschlagen.

Die meisten Bauern sind im Süden aktiv

  • 31 Prozent der Agrarflächen in Dahme-Spreewald werden ökologisch bewirtschaftet. Im Landkreis Teltow-Fläming liegt der Anteil der ökologischen Bewirtschaftung bei 5,67 Prozent.
  • Der Brandenburger Durchschnitt in Sachen Bio-Anbau liegt bei elf Prozent. Im gesamten Bundesgebiet werden lediglich sechs Prozent der Landwirtschaftsflächen nach ökologischen Kriterien bewirtschaftet.
  • Beide Landkreise haben in etwa gleich viel Landwirtschaftsflächen: In Teltow-Fläming sind es insgesamt rund 90700 Hektar, in Dahme-Spreewald 88900 Hektar. Der Schwerpunkt der Landwirtschaft liegt in beiden Kreisen im Süden.
  • 25 von insgesamt 271 Landwirtschaftsbetrieben in Teltow-Fläming haben sich für ökologische Bewirtschaftung entschieden. In Dahme-Spreewald gibt es insgesamt 530 Landwirtschaftsbetriebe. 68 davon werden nach ökologischen Standards geführt.
  • In Dahme-Spreewald liegt der Öko-Schwerpunkt vor allem auf dem Anbau von Pflanzen. Weniger als die Hälfte der Bio-Bauern halten auch Tiere. In Teltow-Fläming herrschen vor allem die Mischbetriebe vor, die sowohl Anbau- als auch Viehhaltung betreiben. Acht der 25 Öko-Höfe halten keine Tiere.

Auf die Erfahrung bauen

„Für uns ist ökologische Landwirtschaft eine Möglichkeit, aber nicht die umfangreichste“, sagt Sylvia Fuchs. Sie ist Geschäftsführerin des Bauernverbandes Teltow-Fläming. Dort gibt es weit weniger Bio-Bauern als im Nachbarkreis, der Anteil der nicht konventionell genutzten Flächen liegt bei rund sechs Prozent. Dass die Öko-Landwirtschaft nicht so ausgeprägt ist, erklärt sie unter anderem durch die lange gewachsenen Strukturen im Fläming. Dort gibt es vor allem viele konventionell geführte Großbetriebe, die Rohstoffe für die Weiterverarbeitung produzieren. „Viele Landwirte bauen auf Erfahrungen, die sie über Jahrzehnte gesammelt haben. Da ist es schwierig, sich zu einem Wechsel zu entscheiden.“

Alles Bio, oder was?

In den kommenden Wochen widmet sich die MAZ dem Thema Bio. Woher kommen die ökologisch hergestellten Lebensmittel, welche Rolle spielt diese naturnahe Landwirtschaft in der Region Dahmeland-Fläming und was bedeutet der Bio-Trend für unseren Alltag? Mit diesen Themen haben wir uns in der Serie beschäftigt.

Folge 1 : Region ist bundesweit Spitzenreiter

Folge 2 : Schrot und Korn – Ökologischer Getreideanbau

              Regionaler Kreislauf - Bio-Mehl aus Gottsdorf

Folge 3 : Von wegen alles Käse – Bio-Milchwirtschaft

              Brandenburger Biomilch für Deutschland

Folge 4 : Von der Weide auf den Teller – Ökologische Viehzucht

Folge 5 : Auf dem Einkaufszettel – Bio-Produkte in der Region erwerben

Folge 6 : Bio ist nicht gesünder - Lebensmittel unter der Lupe

Folge 7 : Bio auf der Speisekarte – Kleine Kochschule und Gastro-Tipps

Finanzen schrecken vor Wechsel in den Ökoanbau ab

Doch es gibt noch einen gewichtigeren Grund, der viele vor einem Wechsel in die Bio-Sparte abschreckt. Und der ist finanzieller Natur. „Ökologische Betriebe haben schwerer damit zu kämpfen, wirtschaftlich zu arbeiten. Sie ernten die Hälfte von dem, was konventionelle Landwirte erwirtschaften und bekommen aber nicht den doppelten Preis für ihre Ernte“, sagt Berndt Schütze, Leiter des Landwirtschaftsamtes Teltow-Fläming.

Brandenburg hatte lange die niedrigste Ökoprämie

Wegen der geringeren Gewinne erhalten Öko-Landwirte staatliche Förderung. Bisher fiel diese aber nicht sehr üppig aus. „Brandenburg hatte bis vor kurzem die niedrigste Ökoprämie in Deutschland“, sagt Manfred Schuhmann vom Landkreis Dahme-Spreewald. Erst im Mai wurde sie von 150 auf 210 Euro pro Hektar im Jahr erhöht. Eine richtige Entscheidung, findet Schuhmann. „Im Ministerium hat man erkannt, dass ohne Förderung die Bio-Landwirtschaft zusammengebrochen wäre.“ Obwohl die Bio-Bauern nun mehr Förderung erhalten, glaubt Helmut Dornbusch, Vorsitzender des Bauernverbandes Teltow-Fläming, nicht an einen Trendwechsel in der Region. „Diese Erhöhung wird sich nicht großmächtig auf die Gesamtzahl der Betriebe auswirken“, sagt er.

Die Biosiegel auf einen Blick

Bio wächst natürlich weiter

Michael Wimmers Prognose für die Bio-Branche ist da zuversichtlicher. Er ist Geschäftsführer der Fördergemeinschaft Ökologischer Landbau Berlin-Brandenburg und sagt: „In Berlin hatten wir einen Zuwachs von deutlich über 20 Prozent im Jahr 2013. Ich denke, dass wird mindestens die nächsten vier, fünf Jahre in Berlin noch so weitergehen.“ Früher hätte sich das Wachstum der Bio-Branche vor allem nach Nahrungsmittelskandalen bemerkbar gemacht. „Heute ist das nicht mehr so. Bio wächst, egal was bei den Konventionellen passiert“, sagt Wimmer.

Tipps der Redaktion

Langer Weg zum Öko-Bauern

Dennoch bleibt für jene, die in diese Sparte wechseln möchten, ein langer Weg von der konventionellen zur ökologischen Landwirtschaft. „Der ist nicht einfach, da gehört Mut dazu“, räumt Manfred Schuhmann ein. Denn der Einstieg in die Bio-Branche erfordert einiges an Arbeit. Ganze zwei Jahre dauert eine Betriebsumstellung. Dazu gehört zum Beispiel, bestimmte mineralische und stickstoffarme Dünger sowie sämtliche Pflanzenschutzmittel aus dem ökologischen Kreislauf zu entfernen. Nach der Umstellung müssen die angehenden Öko-Bauern sämtliche EU-Kriterien erfüllen, um ein Zertifikat zu erhalten. Damit können sie dann offiziell den Bio-Betrieb aufnehmen.

Erst mit dem Zertifikat können Landwirte auch die Öko-Prämie beantragen. „Und um die zu behalten, müssen die Anforderungen jedes Jahr weiter erfüllt werden“, erklärt Manfred Schuhmann.

Bio ist nicht gleich Bio

Die EU gibt der ökologischen Landwirtschaft die Spielregeln vor. Die hiesigen Verbänder setzen noch strengere Maßstäbe für Bauern und Verarbeiter.

Bio-Siegel finden sich überall. Doch Bio ist eben nicht gleich Bio. Quelle: DPA

von Aileen Hohenstein

Bio ist nicht gleich Bio. Zuerst ist es noch ganz einfach: Alles, was als ökologisch angebautes und verarbeitetes Produkt vermarktet wird, muss nach den Richtlinien der Europäischen Union entstanden sein. Diese schreiben zum Beispiel vor, wie viele Tiere pro Hektar gehalten werden dürfen oder dass keine genetisch veränderten Organismen erlaubt sind. Insgesamt steht Bio für die Entwicklung des ländlichen Raums, sowie für Tier- und Umweltschutz. Mittels umweltschonender Anbautechniken, der geeigneten Wahl an Pflanzensorten und mehrjährigen Fruchtfolgen soll die Bodenfruchtbarkeit erhalten oder verbessert und so Bodenerosion verhindert werden. Wird die Bio-Norm erfüllt, erhält das Produkt ein Siegel, das es von konventionell erzeugten unterscheidet.

Sechs Bioverbände im Dahmeland-Fläming

Alle in der EU produzierten Lebensmittel sind über ein Blatt aus Sternen auf grünem Untergrund zu erkennen. Dann aber wird es komplizierter und die Logo-Vielfalt größer. Viele Produkte tragen ein sechseckiges Logo – das deutsche Biosiegel, das aber, anders als das der EU, keine Pflichtangabe ist. Außerdem gibt es Siegel von Bioverbänden, nach deren Richtlinien Bauern ihre Landwirtschaft strukturieren. In der Region Dahmeland-Fläming sind es sechs Bioverbände: Demeter, Bioland, Biopark, Naturland, Gäa und Verbund Ökohöfe Nordost. „Etwa 50 Prozent aller Biobauern sind bei einem der Anbauverbände organisiert. Und davon ist die Hälfte bei Biopark“, sagt Michael Wimmer, Geschäftsführer Fördergemeinschaft Ökologischer Landbau Berlin-Brandenburg. Eine pauschale Unterscheidung zwischen den Bioverbänden hält Wimmer für schwierig. Nur so viel: Jeder Bauer, der einem Verband beitreten möchte, muss erst die EU-Bio-Norm erfüllen. Die Richtlinien der Verbände sind in vielen Punkten aber strenger als die der EU.

Konventionell und biologisch gleichzeitig anbauen

So muss zum Beispiel bei allen Verbänden der Hof komplett auf die ökologische Produktion umgestellt werden. Nach dem Regelwerk der EU ist eine Teilumstellung möglich, auf einem Hof kann also konventionell und biologisch angebaut werden. Während EU-Biobauern mit Knochenmehl oder Blut düngen dürfen, ist das wegen der BSE-Vorfälle der Vergangenheit bei den Verbänden tabu. Auch werden hier deutlich weniger Zusatzstoffe bei der Verarbeitung verwendet, Nitritpökelsalz ist etwa bei fast allen verboten. Worin sich der Verband Demeter von allen anderen unterscheidet, ist die biologisch-dynamische Wirtschaftsweise. Sie gilt als nachhaltigste ökologische Landwirtschaft, da das Augenmerk auf Humusbildung gelegt wird. Außerdem werden Mond- und Planetenphasen berücksichtigt. Bio ist eben nicht gleich Bio.

Von Nadine Pensold

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