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Dahme-Spreewald MAZ-Weihnachtsaktion: So hilft Sterntaler übergewichtigen Kindern
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MAZ-Weihnachtsaktion: So hilft Sterntaler übergewichtigen Kindern

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14:26 26.12.2021
Melina freut sich beim Auspacken der Sterntaler-Geschenke über ihr neues Trikot.
Melina freut sich beim Auspacken der Sterntaler-Geschenke über ihr neues Trikot. Quelle: Oliver Fischer
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Oft sind es die Kinder, die sich am meisten über die Weihnachtsgeschenke freuen. Aber im Fall von Tannenhof war es die Erwachsene in der Runde, die am meisten strahlte. Zwar rissen Tyler, Sascha und Melina das Geschenkpapier vom Karton, dass es nach allen Seiten flog. Elke Mittag, Bewegungstherapeuthin beim Suchthilfe-Verein Tannenhof, strahlte aber still im Hintergrund. Sie weiß, das die Trikots und Hosen, die dank der vielen Sterntaler-Spenden gekauft werden konnten, nicht nur gut aussehen, sondern den Kinder ihrer Trainingsgruppe wirklich helfen.

Trikots in Größe L waren dabei. Trikots in Größe XL. Trikots in Größe XXL. Dazu die passenden Turnhosen und atmungsaktive Sportunterwäsche. Anfang nächsten Jahres werden dazu noch zwei Minitrampoline geliefert, dazu eine große Musikbox. Und mit ein bisschen Glück bleibt auch noch etwas Geld für das Programm übrig. „Da freue ich mich natürlich, das Training wird den Kindern damit noch mehr Spaß machen“, sagt Elke Mittag.

Ursachen für Adipositas sind oft komplex

Die Sportkleidung und die Trampoline sind für das Programm „PePeMoKids“, das Tannenhof seit mehr als zehn Jahren anbietet. Mit diesem Projekt soll adipösen, also stark übergewichtigen Kindern geholfen werden, ihr Gewicht zu reduzieren und sich eine gesündere Lebensweise anzueignen. Das ist allerdings oft gar nicht so einfach, sagt Elke Mittag. Denn häufig hat das Übergewicht nicht nur damit zu tun, dass die Kinder an der Pommesbude einmal zu oft zugelangt haben. Adipositas bei Kindern hat oft komplexere Ursachen.

Adipositas-Trainerin Elke Mittag. Quelle: Oliver Fischer

Die Krankheit – die erst seit wenigen Jahren als Krankheit anerkannt ist – komme durchaus auch in der Oberschicht vor – bei Kindern, in deren Umgebung Essen stets im Überfluss zu haben ist. Die meisten der Kinder in Elke Mittags Kurs kommen aber aus schwierigen sozialen Verhältnissen. Es waren in der Vergangenheit viele Kinder im Programm, deren Alltag geprägt ist von Arbeitslosigkeit, von Trennung, auch von Alkohol- und Drogenmissbrauch der Eltern.

Viel Zucker, viel Fett, wenig Bewegung

In den Elternhäusern werde teilweise eine ungesunde Lebensweise vorgelebt, sagt Elke Mittag. Fastfood beherrscht den Essensplan. Es gibt Tiefkühlpizza, Cola, Fruchtjoghurt – all die Fett- und Zuckerbomben, die der Körper direkt in Fettzellen umsetzt. Und das auch noch Portionsgrößen, die für Erwachsene gedacht sind. Hinzu komme zuweilen die psychische Belastung, die die Kinder weiter essen lässt.

Auch auf Bewegung werde in den betroffenen Haushalten oft kein großer Wert gelegt. Kinder werden vor dem Fernseher geparkt – oder sie parken sich selbst: vor der Konsole, dem Computer, im Bett. Dass sich diese Familien hochwertige Sportkleidung oder den Beitrag für das Trainingsprogramm oft nicht leisten können, kommt hinzu.

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Dagegen arbeitet die Adipositas-Therapeutin seit Jahren an. Zweimal in der Woche bietet sie ein Bewegungstraining in der Turnhalle der Dahmeland-Schule an. Pro Jahr werden etwa 20 Kinder betreut, zur festen Gruppe gehören derzeit zehn. Dabei stehe der Spaß im Vordergrund, über den die Kinder zur Bewegung animiert werden sollen. Kurze, schnelle Spiele, Wissensquiz, Action. So sieht es normalerweise aus. Wegen Corona ist das allerdings derzeit in der Turnhalle nicht möglich. Weil Elke Mittag das Training aber nicht ausfallen lassen will, geht sie bei Wind- und Wetter mit ihren Schützlingen spazieren. Mal eine Stunde, mal zwei, der Schrittezähler läuft immer mit. „Viele der Kinder kennen das nicht von zuhause“, sagt sie.

Eltern müssen mitziehen

Wichtig für den Erfolg sei es deshalb, die Eltern mitzunehmen. In Elterngesprächen versucht Elke Mittag, die Eltern ebenfalls für gesunde Ernährung und Bewegung zu sensibilisieren. „Entscheidend für die Kinder ist, was ihnen vorgelebt wird“, so die Therapeutin. Wenn sie die Eltern nicht erreicht, sind auch bei den Kindern die Erfolgschancen gering.

Aber wichtig sei eben auch, wenn die Kinder Freude beim Training haben, sagt Elke Mittag. Mit den schönen Trikots und den Trampolinen und der Musikbox aus den Sterntaler-Spenden purzeln die Pfunde gleich viel besser.

Von Oliver Fischer

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