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Dahme-Spreewald Kampf gegen Parasiten
Lokales Dahme-Spreewald Kampf gegen Parasiten
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06:12 16.08.2014
Quelle: dpa
Baruth

Den Blattläusen kann man im Gewerbegebiet Bernhardsmüh in Baruth nicht entkommen. Hier hat das Unternehmen Katz Biotech AG seinen Sitz. Schon auf dem Parkplatz begegnet einem der Schrecken aller Gärtner: Das Logo mit dem stilisierten Pflanzensauger prangt an der Gebäudewand. Dabei wird hier alles getan, damit es diesem Schädling und weiterem lästigen Getier wie weißen Fliegen oder Spinnmilben an den Kragen geht.

Hans-Joachim Schaele begutachtet eine Tabakpflanze, auf der sich Nützlinge befinden. Quelle: Hohnstein

Krabbeltiere gegen Parasiten

Dafür setzt man in der Firma auf krabbelige Gegner, die gegen die Parasiten ins Feld ziehen. „Das ist ein regelrechter Krieg. Da geht es um fressen und gefressen werden“, drückt es der Mitarbeiter Hans-Joachim Schaele etwas martialisch aus. Denn die Nützlinge gehen zum Teil mit drastischen Methoden an die Schädlingsbekämpfung: Einige, wie die Schlupfwespen, legen Eier in ihre Opfer, so dass diese von den Larven von innen heraus aufgefressen werden. Nematoden haben eine andere Herangehensweise. Die winzigen Fadenwürmer suchen ihre Beute auf, dringen über Körperöffnungen ein und geben ein Sekret ab. Dadurch verflüssigt sich das Beutetier und wird von den Nematoden ausgesaugt. „Das ist schon brutal“, sagt Schaele grinsend.

15 Arten in der Kampftruppe

Insgesamt 15 Arten von Nützlingen werden auf etwa 4.000 Quadratmeter Fläche in Baruth gezüchtet. Weitere werden angekauft, so dass geplagte Gärtner alles in allem aus 40 Arten ihre Krabbel-Kampftruppe zusammenstellen können. Dabei ist es ganz egal, ob es sich um einen stolzen Balkonbepflanzer handelt, oder um einen Erwerbsgärtner, der auf Hundertenvon Quadratmetern Gemüse anbaut. „Wir beliefern jeden“, versichert Hans-Joachim Schaele.

Nützling auf Reisen

  • Als Eier, Larven oder auch als ausgewachsene Tiere werden die Nützlinge in Tüten, Plastikdosen oder Kartons verschickt.
  • Für den Transport werden zwei Tage eingerechnet. Damit die lebende Ware diese Zeit gut übersteht, wird sie vorher kühl gelagert. Dadurch wird die Entwicklung verlangsamt und verhindert, dass aus Eiern der Marienkäfer auf dem Postweg Larven schlüpfen.
  • Gefragt sind Nützlinge nicht nur bei Hobbygärtnern und Landwirten in Deutschland und im europäischen Ausland wie Belgien. Auch Konzerne wie Bayer zählen zu den Kunden. Diese setzen die Tiere bei Tests von chemischen Mitteln gegen Schädlinge ein. Diese müssen für nützliche Insekten verträglich sein.

Um den steigenden Bedarf an Nützlingen zu stillen, läuft die Produktion jeden Tag auf Hochtouren. Lag der Umsatz im Jahr 2003 bei der Katz Biotech AG noch bei 950.000 Euro, so erreicht er in diesem Jahr wohl 2,5 Millionen Euro. An die 15.000 Kunden hat das Unternehmen, darunter auch Großabnehmer wie der Botanische Garten in Berlin oder die Ferienanlage Tropical Islands.

Griff in ein grünes Meer aus Blattläusen

Das heißt, Nützlinge müssen am laufenden Band gezüchtet und die Eier und Larven rechtzeitig an die Kunden verschickt werden. Damit das funktionieren kann, arbeiten 40 Mitarbeiter in der Produktion und im Vertrieb. Zimperlich sein darf dabei niemand. Beherzt greift zum Beispiel Karina Miegel mit bloßer Hand in ein grünes Meer aus Blattläusen in einem Plastikbecher. Sie muss den Nachwuchs von Florfliegen füttern. Geschieht das nicht rechtzeitig, fressen die nimmersatten Larven sich gegenseitig auf. Deshalb gibt Karina Miegel den Nützlingen in ihrem Plastikbehälter eine üppige Portion Blattläuse. Bis zu 500 Blattläuse können die Fliegen in ihrem Leben vertilgen. Daher sind die grünen Florfliegen mit den zarten Flügeln ein Verkaufsschlager. Allerdings nur in Larvenform.

Erwachsene Marienkäfer fressen kaum

Ähnlich ist es beim Marienkäfer. In Zuchtboxen tummeln sich die runden Insekten mit den sieben Punkten. Sie bleiben in Baruth und müssen nicht zum Einsatz gegen die Blattläuse. Das hat einen einfachen Grund: „Die erwachsenen Tiere fressen kaum noch was“, sagt Hans-Joachim Schaele. Stattdessen bekommen die Kunden fein abgezählte orange leuchtende Eier. Aus den Eiern schlüpfen später gefräßige Larven.

Blattläuse sind eine Leibspeise von Marienkäfern. Quelle: dpa

Müssen Mitarbeiter mit Pinzette und Lupe die Eier einzeln von Blättern sammeln? Nein, so arbeitsaufwendig ist es nicht. Schaele erklärt den Vorgang: Marienkäfer mögen es dunkel, wenn es zur Eiablage geht. Deshalb kriechen sie dann in Röllchen, die aus schwarzer Plastikfolie gedreht wurden. Das ist praktisch, denn die Röllchen brauchen von den Mitarbeitern nur noch eingesammelt und versandfertig verpackt zu werden. Dazu landen die Eier-Röllchen in Plastikdöschen, die aussehen, als könnte darin auch Fleischsalat gehandelt werden.

Was aussieht wie schwarzer Mohn sind Puppen von den Schlupfwespen. Quelle: Hohnstein

Nützlinge werden das ganze Jahr gezüchtet

In anderen Abteilungen des Unternehmens sprießen bei warmen 22 Grad Tabakpflanzen. Fast wie auf einer Plantage wirkt es. Als Schaele ein Blatt umdreht, wimmelt es dort von unzähligen weißen Fliegen. Sie sind Nahrung für Larven der Schlupfwespe, die als Puppen an die Kunden gehen.

Gezüchtet – Pflanzen, Schädlinge als Futter sowie Nützlinge – wird in Baruth das ganze Jahr über. Die Arbeit versiegt nicht, auch wenn die Saison der Blattläuse sich langsam dem Ende zuneigt. „Bald geht es mit den Weihnachtssternen los“, sagt Hans-Joachim Schaele. Und die sind besonders anfällig für weiße Fliegen.

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